Zuckerrübenanbau: Start in ein neues Zeitalter

Josef Große Enking Josef Große Enking
Bild: www.wochenblatt.com
Ein Kommentar von Josef Große Enking vom Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben:

"In Kürze beginnt die Aussaat der Zuckerrüben. Der Zucker, der aus ihnen gewonnen wird, muss nach Auslaufen der Zuckermarktordnung erstmals auf dem „freien Markt“ verkauft werden. Der Rübenpreis wird nicht mehr von „garantierten Mindestpreisen“ abgeleitet, sondern vom Zuckererlös, den die Unternehmen erwirtschaften.

Damit unterliegt der Zuckermarkt zukünftig deutlich größeren Preisschwankungen, wie sie Produzenten bei Kartoffeln bereits kennen. Es muss gelingen, dass beide Seiten – die Zuckerunternehmen und die Rübenanbauer – ein ausreichendes Einkommen erzielen. Nur wenn die Landwirte an den Erlösen fair beteiligt werden und einen Gewinn erzielen, der (deutlich) über dem von Winterweizen liegt, hat die Rübe eine Chance.

Dabei kommt allen Beteiligten, vorneweg den Zuckerfabriken, aber auch den Anbauerverbänden und letztlich den Landwirten, eine wichtige Rolle zu. Nur wenn alle drei „ihre Hausaufgaben machen“, wird mit der „Königin der Ackerfrüchte“ Geld verdient:

Die Zuckerfabriken haben ihre Anbauflächen deutlich ausgedehnt, um ihre Werke mit längeren Kampagnen besser auszulasten. Zukünftig kommt es darauf an, die Kosten im Blick zu halten und den Zucker und auch seine Nebenprodukte möglichst optimal zu vermarkten.

Die Verantwortung der Anbauverbände gegenüber „ihren Bauern“ wird in Zukunft sehr viel größer. Früher gaben die Rübenmindestpreise den Rahmen vor. Jetzt kommt es darauf an, geschickt zu verhandeln und die unterschiedlichen Interessen der Zuckerfabriken und Landwirte unter einen Hut zu bekommen. Ein Vergleich der ausgehandelten Vertragsangebote zeigt, dass die Verbände 2016 durchaus unterschiedlich erfolgreich verhandelt haben. Wer das Beste für seine Bauern herausholen will, darf einer Konfrontation nicht aus dem Weg gehen.

Auch die Landwirte müssen ihre Hausaufgaben machen: Neuanbauer tun gut daran, sich intensiv in Saat und Pflanzenschutz einzuarbeiten. Denn in wirtschaftlicher Hinsicht wird es auch bei der Rübe enger. Bei längeren Kampagnen bis in den Januar ist eine sorgfältige Mietenab­deckung als Frostschutz erforderlich. Auch die Lohnunternehmer sind gefragt: Verletzungen beim Roden kosten bei längerer Lagerung Zucker und damit bares Geld. 

All dies zeigt: Zuckerunternehmen und Rübenanbauer müssen auf einer fairen Basis zusammenarbeiten, um den Rohstoff für die Zuckererzeugung langfristig zu sichern. Denn schließt eine Fabrik aufgrund fehlender Rüben einmal ihre Tore, bleibt sie für immer geschlossen."

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4 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Hans Spießl · 1.
    Zuckerrüben Schade, eigentlich eine schöne Frucht!

    Für den bäuerlichen Betrieb ist jetzt die Zeit da sich von der Rübe zu trennen- es gibt genügend Alternativen! Ich würde mir meine Äcker nicht mehr von 50 to. Monstern kaputtfahren lassen zum Weltzuckerpreis! um dann noch eine zweite schlechte Ernte zu haben! Sicher gibt es Bauern die dann eher den Bequemeren Weg gehen und auf Einkommen verzichten- die dürfen bei der Rübe bleiben!

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  2. von Stefan Lehr · 2.
    Unternehmerisches Handeln

    ... ist jetzt gefragt. Es liegt auch zu einem Grossteil in den Haenden der Landwirte wie sie die Zukunft der Ruebe gestalten.Viel produzieren, weil es gerade viel Geld dafuer gibt ist kurzweilig. Man muss auch den Mut aufbringen und mit einem massvollen Anbau den Fabriken gegenueber zu treten. Aus eigener Erfahrung (in einem quotenfreien Ruebenanbau) kann ich nur dazu raten. Ansonsten kommt es wie bei der Milch!

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  3. von Dr. Willi Billau · 3.
    Willkommen am Weltmarkt!

    Es ist geschafft, die vorletzte Quote (nur noch der Wein) ist gefallen. Wenigstens hiergegen hat der DBV vehement protestiert, ohne Erfolg. Die Zuckerrübe ist jetzt da, wo alle am Weltmarkt gehandelten Produkte sind! Ja, die Preisschwankungen werden extremer werden! So wie bei der Milch und beim Getreide werden auch lange Durststrecken ohne jegliche Gewinne kommen. Die Fabriken werben für mehr Menge, wer mehr als 40% mehr produziert, wird mit einer extra Prämie belohnt. Die Konzerne betreiben erfolgreiche Fixkostendegression: mit mehr Menge die Anlagen besser auslasten. Dann kann man billiger anbieten. Später wird wie bei der Milch nach unten abgerechnet! Momentan ist der Weltmarktpreis günstig, die Bauern geben Gas. Man braucht kein Prophet zu sein um vorherzusehen, was denn bald kommen wird. Eines ist zumindest bei Südzucker anders, hier halten die Bauern bis zu 53% der Aktien. Wennse schon an der Rieb nix verdienen, dann wenigstens an der Dividende! Nur da, wo die Bauern noch die Möglichkeit haben, selbst an den Märkten aktiv mitzugestalten, werden sie Erfolgreich sein. Das ist bei den grandes cultures leider nicht mehr der Fall, nur noch bei Obst, Gemüse, Wein und Kartoffeln! Wie lange noch?

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  4. von Henrik Plaas-Beisemann · 4.
    Ein Schelm der...

    Sinnieren über die Zukunft des Rübenanbaus mit Bild des Autors im Rapsfeld.

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