Deutsche Schlachter senden falsche Signale

Christa Niemann Christa Niemann
Bild: DBV

Deutsche Abrechnungsmasken werden immer enger und die Tiere immer magerer. Niederländische Mäster bekommen bei Vion mit neuen Masken nun mehr Freiheiten. Dazu ein Kommentar von Christa Niemann vom DBV:

Deutsche Schlachter senden immer noch die falschen Marktsignale. Denn seit Jahren fassen die Fleischunternehmen die Gewichtsgrenzen in ihren Masken immer enger. Außerdem muss für einen hohen Durchschnittserlös das Fleisch immer magerer werden. Das ist verständlich, weil man darüber relativ unbemerkt die Einkaufspreise drücken kann und gleichzeitig die Mäster zwingt, zügig abzuliefern. Es bringt aber auch Probleme:

  1. Schweinehalter verschwenden Zeit und Geld durch unnötiges Absortieren und Unruhe im Stall.
  2. Stallplätze werden schlecht ausgelastet, weil Nachzügler die Abteile länger blockieren.
  3. Nachzügler können Krankheitsträger sein. Je länger sie auf dem Betrieb bleiben, desto größer ist die Ansteckungsgefahr für gesunde Tiere.
  4. Die Tiere werden durch immer mehr Fleisch und weniger Speck empfindlicher – ein Nachteil für Mäster und Ferkelerzeuger.
  5. Der Geschmack geht verloren, weil das intramuskuläre Fett fehlt.

Das es anders geht, zeigt Vion mit der „Robuust“-Maske. Der Gewichtsbereich ohne Abzüge ist mit 35 kg fast doppelt so groß wie bei gängigen deutschen Masken. Und das höhere Speckmaß wird sogar belohnt.

Es ist höchste Zeit gegenzusteuern und der Züchtung die richtigen Signale zu senden. Sonst passiert das Gleiche wie mit den niederländischen Tomaten, die zeitweise nur noch nach Wasser schmeckten. Der Schaden für Erzeuger wäre bei Schweinen jedoch größer. Denn die Kehrtwende würde deutlich länger dauern als bei Tomaten. Das Generationsintervall ist bei Schweinen natürlich sehr viel länger.

Alle Hintergründe lesen Sie Im Beitrag "Sind niederländische Masken besser?" aus der top agrar Ausgabe 3/2018.

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Leserkommentare Kommentieren

  1. von Gerhard Steffek · 1.
    Qualität aus Deutschland!

    Kommt hier mal wieder die Geiz ist Geil Mentalität zum Tragen, wenn man über die Hintertür versucht die Einkaufspreise zu drücken, auf Teufel komm raus auf Kosten der Qualität und des Tierwohls (Stichwort Streßresistenz). Es sind wirklich falsche Signal, wenn die Schlachter nur noch auf "Billig" Wert legen. Mag es dem deutschen Sparbrötchen recht und billig sein, aber andere Länder legen doch noch mehr Wert auf Qualität und im eigenen Land macht man sich auch wieder angreifbar. Ja klar, die Schlachter sind da wieder außen vor, es betrifft ja dann wieder nur die Bauern, die die "Tierqäler" sind. Vion, Tönnies und Co. sollten nicht vergessen, daß Qualität schon immer das Markenzeichen der deutschen Wirtschaft war. Qualität "Made in Germany" hat Deutschland groß und zur führenden Industrienation gemacht. Billigen Schund sollten wir denen überlassen, die es nicht besser können. Ich denke, so jeder hat schon mal die Erfahrung gemacht, daß "Billig" sehr schnell teuer werden kann. Außerdem sollten sich die deutschen Mäster fragen - wieso kann Vion in Holland anders?

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