Dürre2018: Hitzewelle setzt EU-Rindfleischmarkt unter Druck

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Bild: top agrar

In den vergangenen Wochen haben die Schlachtrinderpreise in der Europäischen Union teilweise deutlich nachgegeben. Analysten machen dafür auch die Hitzewelle verantwortlich, die einerseits den Appetit der Verbraucher auf Rindfleisch dämpft, andererseits das Schlachtrinderangebot steigen lässt.

Angesichts verdorrter Weiden und einer wahrscheinlich kleineren Maisernte wird die Versorgungslage mit Blick auf das Winterfutter immer knapper, und einige Landwirte beginnen bereits damit, ihre Bestände abzustocken. Die erwartete Grundfutterknappheit in Deutschland habe in einigen Regionen eine hohe Abgabebereitschaft an Schlachtkühen zur Folge, was es den Schlachtunternehmen ermögliche, die Einkaufspreise weiter nach unten zu drücken, berichtete kürzlich die Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Nach Angaben der Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI) sind in den vergangenen Juliwochen etwa 20 % mehr Kühe geschlachtet worden als im Vorjahreszeitraum; zugleich seien die Schlachtkuhpreise für die Klasse O3 innerhalb eines Monats um fast 40 Cent abgestürzt. Ähnlich sah die Entwicklung in Irland aus, wo nach Angaben des Direktors des Fleischindustrieverbandes (MII), Cormac Healy, das Rinderschlachtangebot im Juli um 11 % über dem Vorjahresmonat lag und laut EU-Kommission die Kuhpreise seit Mitte Juni um fast 13 % auf knapp 2,99 Euro/kg SG eingebrochen sind.

„Zusätzliche Schlachtrinder kommen in den EU-Regionen auf den Markt, die ähnliche Dürreprobleme wie Irland haben, was zu einer Überschusssituation am Binnenmarkt führt“, erläuterte Healy. Vielfach seien die Schlachtbetriebe gezwungen, Rindfleisch einzufrieren, was im Vergleich zur Frischfleischvermarktung einen Wertverlust bedeute.

Nach Angaben der EU-Kommission sind die Jungbullenpreise für Tiere der Handelsklasse R3 von Mitte Juni bis Ende Juli um durchschnittlich 1,8 % auf 370,80 Euro/100 kg SG gefallen; bei Schlachtfärsen gab es einen Abschlag von 2,5 % auf 283,87 Euro/100 kg SG. Die Schlachtkühe O3 verloren im gleichen Zeitraum 4,5 % an Wert und erlösten zuletzt 293,73 Euro/100 kg.
 
Mehr Drittlandsfleisch am Binnenmarkt

Die gegenwärtige Preisschwäche am EU-Rindermarkt ist laut Analysten aber nicht nur dem dürrebedingt gestiegenen heimischen Angebot bei schwachem Verbrauch geschuldet, sondern auch den höheren Importen. Laut Daten der EU-Kommission gelangten von Januar bis Mai 142 150 t Rindfleisch aus Drittstaaten auf den Binnenmarkt; das waren fast 20 100 t oder 16,5 % mehr als im Vorjahreszeitraum.

Verantwortlich für die größere Liefermenge waren vor allem Brasilien und Argentinien, die ihre Exporte in die EU um jeweils rund ein Drittel auf 58 930 t beziehungsweise 25 490 t steigerten. Hinzu kommt, dass die Importeure in den Mitgliedstaaten das Rindfleisch aus Übersee auch günstiger einkaufen konnten. Der Wert einer eingeführten Tonne lag in den ersten fünf Monaten 2018 im Mittel bei 5 656 Euro; gegenüber der Vorjahresperiode waren das 759 Euro oder 11,8 % weniger.

Auf der anderen Seite brachten die EU-Rindfleischexporte dem Markt bisher weniger Entlastung als 2017. Zwar nahm die Ausfuhr von Lebendrindern - ausgedrückt in Schlachtgewicht - gegenüber den ersten fünf Monaten des Vorjahres um 5,8 % auf 97 170 t zu, doch war gleichzeitig der Drittlandsabsatz von Fleisch einschließlich Nebenerzeugnissen um 8,7 % auf 202 310 t rückläufig. Sowohl die Kunden in Asien als auch die Abnehmer in Afrika bestellten unter dem Strich weniger Rindfleisch in der Gemeinschaft.

Ein Lichtblick waren hingegen die wieder möglichen Lieferungen in die Türkei, darunter vor allem Rinderviertel, deren Ausfuhrmenge sich insgesamt auf fast 17 500 t belief. Auch nach Südafrika und Chile konnte deutlich mehr Ware verkauft werden, jedoch hatten diese Märkte jeweils nur einen Anteil von weniger als 3 % an den Gesamtausfuhren.

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