agro prax: "Wir erwarten eine Entschuldigung vom VW-Konzern!"

 Dr. med. vet. Jürgen Rothert, Tierarzt, Dipl.-Ing. agr. und Geschäftsführer von agro prax Gesellschaft für Tiermedizin und Betriebsbegleitung mbH. Foto: agro prax
Im folgenden lesen Sie einen offenen Brief von der Tierarztpraxis agro prax an den VW-Konzern:

Hallo!

Einige von Euch mögen in den landwirtschaftlichen Medien über die Website der Autostadt gelesen haben. Viele Kunden und auch die Mitarbeiter der agro prax haben gefragt, wie wir damit umgehen wollen.

Deshalb hat die Geschäftsführung der agro prax folgendes Schreiben an den Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen und den Minister für Wirtschaft des Landes Niedersachsen, beide Mitglied im Aufsichtsrat der VW AG, Herrn Bernd Osterloh, Mitglied des Aufsichtsrates, Herrn Stephan Grühsem, Leiter der Konzernkommunikation VW und Herrn Wachs, Sprecher der Geschäftsführung der Autostadt GmbH geschickt:

Damen und Herren!

Mein Name ist Jürgen Rothert. Ich bin Agraringenieur, Tierarzt und einer der Geschäftsführer der agro prax Gesellschaft für Tiermedizin und Betriebsbegleitung mbH in Ankum im Landkreis Osnabrück.

Mit 16 Tierärzten und 2 Agraringenieuren begleiten wir Milchviehbetriebe in Deutschland und helfen Ihnen mit gesunden Kühen und mit bestem Kuhkomfort Milch von hervorragender Qualität zu erzeugen, was unsere Kunden auch leisten. Die Milch ist das am besten kontrollierte Lebensmittel.

Unser Fuhrpark besteht zur Zeit aus 15 VW T5, 2 VW Passat, 1 VW Caddy Maxi (Turnover alle 3,5 Jahre).

Auf der Website der Autostadt GmbH waren folgende Passagen veröffentlicht:

„Tierische Milch enthält alle Medikamente, mit denen das milchgebende Tier behandelt oder gefüttert wurde: Antibiotika, Wurmkuren. Diese werden im Darm nicht aufgeschlossen und gelangen teilweise direkt ins Blut. Durch die Verfütterung genveränderter Futterpflanzen ist ein Gesundheitsrisiko für die Verbraucher auch bei Milchprodukten nicht auszuschließen. Wer diese Risiken minimieren möchte, sollte konsequent nur Bio-Produkte verwenden.“

Mit dieser Behauptung, die Sie in keiner Weise belegen können und die jeden Milchkuhhalter der Straftat bezichtigt, verurteilen und beleidigen Sie jeden Milchkuhhalter und alle, die in dieser Produktionskette involviert sind.

„Andererseits schluckt die Landwirtschaft enorme Mengen an Rohstoffen, Energie und Fläche. Gleichzeitig produziert sie beträchtliche Emissionen. Der Rohstoffverbrauch, die Energiegewinnung, der Wasserverbrauch sowie die Abfalllagerung und Entsorgung haben massive negative Auswirkungen unter Anderem auf Biodiversität, Klima, Gewässer und Böden. Wenn wir essen, konsumieren wir also gleichzeitig immer auch ein Stück natürlicher Ressourcen.“

Dass ein Unternehmen, wie der VW-Konzern, der Autos wie den VW Tuareg oder Porsche produziert, die die Menschen nicht gebrauchen, aber die Massen Treibstoff verbrauchen, der mit Industrieanlagen, Teststrecken oder Entertainmenttempeln wie der Autostadt, mit Geländeteststrecken Masse Fläche verbraucht und versiegelt, sich hier zum Richter aufspielt, ist unerhört.

Dass ein Unternehmen, das für jedes der 10.000.000 gefertigten Fahrzeuge über 400 m3 Wasser verbraucht, feststellt, dass eine Kuh jeden Tag 60-80 l Wasser trinkt; dabei vergessen Sie auch noch, dass das getrunkene Wasser direkt als hochwertiges Nahrungsmittel Milch dem Menschen dient oder als Gülle wieder dem Boden zugeführt wird.

Dieser Beitrag ist also gelinde gesagt dumm.

Ihre fragwürdigen Beiträge verwundern umso mehr, da VW aus Niedersachen stammt, welches seine Wohlstand in den letzten Jahrzehnten aus der professionellen Landwirtschaft und deren nachgelagerter Industrie bezieht, und als Flächenland zudem maßgeblich zur Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln beiträgt.

Die Mitarbeiter der agro prax GmbH, Tierärzte und Agraringenieure, die jeden Tag ihre Arbeit engagiert  sensibel dem Tier und dem Verbraucher gegenüber tun, haben mir mitgeteilt, dass sie in Zukunft nicht mehr in Fahrzeug eines Herstellers fahren möchten, der sie und ihre Arbeit einer Straftat bezichtigt und beleidigt, selbst aber die Ressourcen der Erde über alle Massen verbraucht und schädigt.

Unsere Mitarbeiter baten die Geschäftsführung der agro prax GmbH für die Erweiterung und Ergänzung unseres Fuhrparks keine VW-Fahrzeuge mehr zu kaufen.

Wir stehen in diesem Kontext in enger Kommunikation mit unseren Kunden und Kollegen (überwiegend Niedersachsen), die ebenfalls viele VW-Fahrzeuge fahren.

Wir erwarten von Ihnen, dass sich der VW-Konzern in den wesentlichen Medien unseres Landes bei den Landwirten und allen anderen, die betroffen sind, entschuldigt.

Wir werden nun schon über die Verbreitung dieses Briefes an viele Landwirte, landwirtschaftliche Medien und Nahrungsmittelbetriebe dazu beitragen, dass die Betroffenen überlegen, ob ein VW oder anderes Fahrzeug des Konzerns noch das Fahrzeug Ihrer Wahl sein kann.

Viele Grüße

von der Geschäftsführung der agro prax

Bisher bei top agrar dazu erschienen:

Rukwied: Kein Verständnis für Greenwashing-Kampagne der VW-Autostadt (18.4.15)

Landvolk bietet VW-Autostadt Nachhilfe in Sachen Tierhaltung an (16.4.15)

Unerhört: VW weist Kunden auf "Gefahren" tierischer Produkte hin (15.4.15)




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8 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Slowfoot · 1.
    http://www.nwzonline.de/politik/6000-hoefe-am-pranger-zu-viel-antibiotika-6000-hoefe-am-pranger_a_27,0,367480837.html

    Sowas kommt bei solchen Hetzkampagnen gegen die Tierhalter heraus und Meyer reibt sich die Hände, endlich hat er was gegen die Bauern in der Hand....... Die Teufelsaustreibung kann beginnen!

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  2. von preuße · 2.

    Sehr geehrtes agro-prax Team: Danke für diese deutlichen Worte. Meine Unterstützung haben Sie! Mich interessiert es im übrigen überhaupt nicht, ob der Humbug den VW dort über seine Autostadt verbreitet hat eine gezielte Kampagne war oder auf unwissenheit fußt. Wenn die Kampagne so gewollt war, dann ist das schlicht eine vorsätzliche Verleumdung. Nach deutschem Recht eigentlich strafbar, aber da sind einige bei den Dtrafverfolgungsbehörden wohl wieder gleicher.....fürchte ich zumindest. So, wie es nämlich dargestellt wird, hat es nichts mit einer persönlichen Meinung zu tun. Sollte der Humbug auf Unwissenheit beruhen, ist der Skandal nicht minder zu bewerten, denn von Dingen wo ich keine Ahnung habe, habe ich den Mund zu halten. Das gilt auch für VW!

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  3. von schorse77 · 3.
    Verwirrter Kommentar

    Und noch so ein verwirrter Kommentar, hat doch null und garnix mit dem Thema des Berichtes zu tun. Kann diese rumgejammere über Molkerein und DBV und das das alles unsere Feinde sind nicht mehr hören! Das grenzt ja an Verfolgungswahn...

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  4. von Franzi13 · 4.
    Ich erwarte schon längst eine Entschuldigung vom DBV!

    Für das beanachteiligen von Grünland und Milchviehbetrieben. Man hat dieser Verband uns schon hintergangen und richtig viel Geld gekostet. Und so wie es aussieht weiterhin Geld , Nerven und Zeit kaputt macht.

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  5. von ramsdorf · 5.
    Völlig Richtig,

    es kann nicht sein das eine Minderheit aus BDM und ABL hier den Moralapostel geben ohne selber mal im Ansatz zu begreifen was da von VW für ein Bock geschossen wurde. Ganz zu schweigen das die genau so mit betroffen sind. Hier hat sich einer VW in den Brief die Meinung gegeigt, und ich gehe jede Wette darauf ein das er der Deutschen Landwirtschaft fast Komplett aus der Seele gesprochen hat! Mit den letzten Rest an "Nörglern aus Leidenschaft" muss man halt mit Leben

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  6. von schorse77 · 6.
    Schnauze langsam voll...

    Ich weiß nicht welche Interesse hier manche Kommentarschreiber verfolgen. Alles was nicht vom AbL kommt ist anscheinend grundsätzlich schlecht. Für mich ist VW in dieser Sache schon verantwortlich für das was dort geschrieben wurde. Und ich habe es satt als Landwirt immer nur als Bösewicht dargestellt zu werden. Und jetzt noch von einem Konzern wie VW, der mit seinen Produkten wirklich kein ökologisches Gewissen für sich beanspruchen kann, an den Pranger gestellt zu werden ist das aller Letzte! nIch kann nur alle aufrufen sich an einem VW-Boykott zu beteiligen!alle besche

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  7. von detmarkleensang · 7.
    Ich lasse mir doch nicht von einem Dienstleister

    sagen, von wem ich wie angeblich beleidigt worden sein soll! Wer hat diese Tierarztpraxis ermächtigt, für alle Bauern zu sprechen? Die schwerwiegendsten Vorwürfe aus der VW-Autostadt-Kantine gegen die Landwirtschaft waren auf Unwissenheit begründet. Ich lasse mich doch nicht von der Dummheit anderer Menschen beleidigen! Wie tief wäre ich da denn wohl gesunken, wenn es anders wäre? Wie wenig Selbstbewusstsein und wie viel Schwäche würde ich dadurch wohl zeigen? Und was sollen diese peinlichen Boykott-Aufrufe gegen VW und seine Autos? Die Autostadt ist eine eigene Firma und hat mit der Fahrzeugproduktion nichts zu tun. Die dortige Kantine wird noch mal von einer anderen Firma betrieben. Die könnte man ja vielleicht sinnhaft boykottieren. Aber VW? Ich finde es in höchstem Maße peinlich, dass solch ein Beschwerdebrief ausgerechnet an überhaupt nicht für die angemahnten Äußerungen zuständige verschickt wurde. Was für ein armseliges Bild geben wir durch solch eine Aktion ab in der Öffentlichkeit? Es wird ein wenig am Image der Landwirtschaft gekratzt und spontan jammern und schimpfen Bauernverband, Tierärzte und Bäuerlein gegen einen Konzern, unter dessen Dach sich mal einer aus Unwissenheit so geäußert hat!? Wie sehr muss jemand, der derlei tut, mit dem Rücken an der Wand stehen? Demnächst boykottieren die Bauern wohl auch noch die Milchanlieferung an ihre Molkerei, weil die einen Handelsvertrag mit Edeka hat, nur weil dort in einer Filiale ein Lagerarbeiter gesagt hat, er möge diese Milch nicht? Wäre in der Logik nur konsequent. Und wäre eine konsequente Abschaffung der Landwirtschaft durch die Bauern selber. So doof muss man erstmal sein...

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  8. von ramsdorf · 8.
    Klasse!

    Lieber DBV, hier seit ihr auch mit sehr deutlichen Worten gefragt!

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