Reaktionen zu den aktuellen Trinkmilch-Abschlüssen

Milchregal Seit dieser Woche ist Butter teurer und Trinkmilch günstiger.
Bild: Archiv

Die aktuellen Preissenkungen für Produkte der Weißen Linie (top agrar berichtete) sorgen für zahlreiche Reaktionen in der Branche: Der BDM fordert, Milchpreis-Senkungen zu vermeiden, der BBV sieht einen Widerspruch zu den steigenden Anforderungen beim Tierwohl.

Die aktuellen Preissenkungen um bis zu 9 Cent für Trinkmilch dürfen nach Ansicht des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter BDM nicht zu weiteren Absenkungen des Erzeugerpreises führen – insbesondere, da gleichzeitig der Preis für das 250 g-Stück Butter um 20 Cent gestiegen ist. Vielmehr müssen die Milcherzeugerpreise, die aktuell bei rund 30 Cent liegen, sofort deutlich steigen, schreibt der BDM in einer Mitteilung.
 
„Die Trinkmilchabschlüsse sind ein wichtiger Gradmesser der Milchmarktentwicklung und müssen daher als deutliche Warnung verstanden werden“, erklärt BDM-Vorsitzender Stefan Mann. Aktuell steigende Milchanlieferungen würden für Marktdruck sorgen, der dazu führe, dass sich die Molkereien im Wettbewerb um Regalplätze im Handel gegenseitig unterbieten. Der Handel profitiere von diesem Unterbietungswettbewerb und gebe die erzielten Preisabschläge an die Kunden weiter. Die Zeche würden dann üblicherweise die Milchviehhalter zahlen, die für ihre Milch nur das erhalten, was nach Abzug der Margen von Molkereien und Handel übrigbleibe.
 
„Für uns Milchviehhalter ist es daher elementar, dass sich der Milchmarkt weitestgehend im Gleichgewicht befindet“, so Stefan Mann weiter. „Drückende Übermengen – so wie auch die auf EU-Ebene immer noch eingelagerten Milchpulverberge – sind Gift für die Erzeugerpreise. Die völlig unterschiedliche Interessenlage zwischen Molkereien und Milchviehhaltern – möglichst günstiger Rohstoffeinkaufspreis versus möglichst hoher Milcherzeugerpreis - führt angesichts des bestehenden Marktmachtgefälles zu Ungunsten der Milchviehhalter aber ganz überwiegend dazu, dass immer etwas zu viel Milchmenge auf dem Markt ist. Damit diese Situation nicht zur Dauerschieflage für die Milchviehhalter wird, sind die Molkereien, aber auch die Politik gefordert.  Mit verbindlichen Verträgen sowie der Installierung eines effizienten Marktkriseninstruments auf EU-Ebene, mit dem Krisen durch stufenweise Anpassungen des EU-Milchangebots an die reale Nachfrage effektiv und vor allem frühzeitig entgegengewirkt werden kann, muss für einen ausgeglichenen Milchmarkt gesorgt werden. 
Das ist der wichtigste Schritt dahin, dass die Milchviehhalter auf Augenhöhe am Wettbewerb teilnehmen können und das Marktrisiko gerechter entlang der Wertschöpfungskette verteilt wird.“

Die Kreisbäuerinnen und Kreisobmänner des Bayerischen Bauernverbandes erklären: „Die Preissenkungen sind ein verheerendes Signal für unsere Milchbauern. Auf der einen Seite steigen die Anforderungen an die Milchviehhalter permanent, zum Beispiel beim Tierwohl, auf der anderen Seite sinken die Verkaufspreise überdimensional. Das passt nicht zusammen und zerstört unsere regionale Landwirtschaft. Der Lebensmitteleinzelhandel spielt seine Marktmacht auf Kosten unserer Betriebe aus, denn die massive Preissenkung ist mit dem Marktgeschehen nicht erklärbar!“

Kritisch sieht auch der Rheinische Landwirtschaftsverband RLV  die Ergebnisse der jüngsten Kontraktverhandlungen. Während die Butterpreise anziehen, sollen die Preise für Trinkmilch fallen. Mit dem aktuellen Marktverlauf, abzulesen etwa am jüngsten Rohstoffwert für Milch, stehe der Abschluss bei der „weißen Linie“ nicht im Einklang. Nach wie vor scheinen hier die bestehenden Strukturen nicht ausreichend, um in Preisrunden mit dem Einzelhandel auf Augenhöhe zu agieren, so der RLV.

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4 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Karl-Heinz Mohrmann · 1.

    DBV und MIV und DRV und die Landesbauernverbände klagen und klagen und klagen. Eigene Lösungsvorschläge haben sie allerdings seit Jahren keine. Stattdessen werden alle Vorschläge der AMK des Kartellamts und der EU kommission blockiert zerredet und schlecht gemacht. Schämt euch ihr (...)

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  2. von Gerhard Steffek · 2.
    effizientes Marktkriseninstrument!!!

    es gab eines, aber das hat man leichtfertig abgeschafft. Wie hieß es damals noch so großkotzig: "Wenn ALDI zickt, dann geht die Milch nach China". Man sollte vorsichtig sein mit Aussagen, die man nicht sicher einhalten kann. Genauso wie die Aussage mit den "nicht ausreichenden bestehenden Strukturen". Wann haben wir ausreichende Strukturen? Wenn es nur noch soviel landwirtschaftliche Betriebe gibt, wie es der Anzahl der LEH's entspricht, damit man mit ALDI, LIDL und Co. auf "Augenhöhe" verhandeln kann? Folgt man den Gesetzen des Marktes, dann wird das so geschehen. Egal, wie sehr man die "bäuerliche Landwirtschaft" beteuert, beim Geld hört sich nunmal die Freundschaft auf.

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  3. von Willy Toft · 3.
    Es ist immer wieder das gleiche Spiel des Handels, und die Mengen drücken auch!

    Wer sagt es den "Unternehmern", dass sie reduzieren müssen! Das ist wie beim Pokern, wer das meiste Geld hat, überlebt die Anderen. Ob das so gewollt ist, kann sich jeder selbst beantworten.

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  4. von Gerd Schuette · 4.

    Die Landesverbände des DBV beklagen zwar die schlechten Abschlüsse bei Trinkmilch und auch den Schuldigen haben sie schnell ausgemacht. Lösungen haben sie jedoch nicht zu bieten.

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