Bauern fordern entschlossene Aktionen zur Beendigung der Milchkrise

Wilhelm Brüggemeier Wilhelm Brüggemeier
Bild: WLV
Die Bauern in Westfalen-Lippe verlangen von der Bundesregierung, dem Lebensmitteleinzelhandel und den heimischen Molkereien größere Anstrengungen zur Beendigung der Krise am Milchmarkt. Nur wenn sich Politik und die gesamte Wertschöpfungskette ihrer Verantwortung stellten, könne nach Ansicht des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV) die dringend erforderliche Erholung der Erzeugerpreise erreicht werden.

„Schon seit dem Herbst 2014 leiden unsere Milchbauern unter ruinösen Milchpreisen und erhalten aktuell für den Liter Milch einen Grundpreis zwischen 24 und 27 Cent. Dies deckt nicht einmal die Produktionskosten. Wir brauchen jetzt entschlossene Schritte zur Verbesserung der Rahmenbedingungen im Markt, sonst werden viele Betriebe ihre Milchkühe verkaufen müssen“, so WLV-Vizepräsident Wilhelm Brüggemeier in Münster.

Nach Einschätzung des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands hat der hoch konzentrierte deutsche Lebensmitteleinzelhandel (LEH) seine Gewinnspanne bei Milchprodukten in den letzten Monaten angesichts eines hohen Angebots an Milch deutlich zu Lasten der Milchbauern ausgeweitet. Zugleich verlange der LEH fast wöchentlich von den Milchbauern neue Anstrengungen bei der Umsetzung strengerer Nachhaltigkeitsstandards – ohne die dadurch entstehenden höheren Produktionskosten auszugleichen.

„Wer ständig die Messlatte beim Tierwohl oder sonstigen Nachhaltigkeitskriterien erhöht, der muss auch bereit sein, diesen Mehrwert zu bezahlen. Dazu bieten die in Kürze beginnenden Preisverhandlungen bei Trinkmilch zwischen den Molkereien und dem LEH eine sehr gute Gelegenheit“, so Brüggemeier.

Zugleich fordert der WLV auch von den Molkereien ein stärkeres und verantwortungsvolleres Auftreten. Diese müssten die anstehenden Preisverhandlungen dazu nutzen, höhere Erlöse beim Handel durchzusetzen und dürften sich nicht gegenseitig unterbieten. Die aktuelle Preismisere im Milchmarkt ist nach Ansicht des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands ganz wesentlich die Folge politischer Konflikte - namentlich der Ukraine-Krise und der daraus resultierenden wechselseitigen Embargos zwischen der Russischen Föderation und der Europäischen Union. Der Verband fordert daher auch politische Initiativen zur Beilegung der wirtschaftlichen Folgen dieses Konflikts.

Allein der Verlust des russischen Absatzmarktes bedeutet für die heimischen Milcherzeuger nach Experten-schätzung einen Erlösrückgang von vier Cent je Kilogramm Milch. „Es kann nicht sein, dass dieser politische Konflikt weiter auf dem Rücken von uns Bauern ausgetragen wird, ohne dass wir wirksame Hilfen zur Überwindung von Liquiditätsengpässen erhalten. Wir brauchen keine staatlichen Eingriffe in den Milchmarkt, aber im Steuerrecht eine deutliche Erhöhung des Freibetrages für Landwirte und endlich eine Risikoausgleichsrücklage“, betonte Brüggemeier.

Letztlich müssten sich aus Sicht des WLV auch die Milchbauern selbst noch besser auf Marktschwankungen vorbereiten. Um künftig schwankende Milchpreise besser betrieblich abpuffern zu können, müsste verstärkt über Preissicherungen über Warenterminmärkte und neue vertragliche Regelungen zwischen Milchbauern und Molkereien nachgedacht werden.

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13 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Doris Peitinger · 1.
    Wenn es nicht derart schlimme Auswirkungen hätte

    könnte man über diese Dauerbeschallung mit einer total verqueren Marktsicht nur den Kopf schütteln und den Herren mal einen Ein-Tageskurs in Marktwirtschaft spendieren. Der Markt richtet sich nach Angebot und Nachfrage und sicher nicht danach, dass die nachgelagerten Stufen um Fairness angebettelt werden. Oder man permanent das Russlandembargo vorschiebt, obwohl dies durch andere Exporte längst wettgemacht wird. Oder über Auflagen jammert, die man selbst eingeführt hat, damit der Wasserkopf noch ausgeweitet werden kann. Alles nur, um zu kaschieren, dass man gar nichts ändern will an der dauernden Überproduktion und dem Preisverfall! Die Menge muss runter!

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  2. von Willy Toft · 2.
    Die Meiereien müssen sagen was die Milch kostet

    nicht der Weltmarkt kann hier die Messlatte sein, denn das ist ein Überschuss-preis!!!!! Überschuss, was nichts einbringt muss man auch nicht erzeugen, werden jetzt einige sagen, womit sie wahrscheinlich recht haben. Wir können nicht auf das Anspringen der Weltweiten Nachfrage warten, jetzt muss dem Handel klar gemacht werden, das die Wertschöpfungskette in einer Rezession endet, wenn weiterhin unter den Produktionskosten bei uns Landwirten eingekauft wird. Diese Einsicht kommt wahrscheinlich wieder viel zu spät bei den Verantwortlichen an. Also fahren wir weiter gegen die Wand, und nehmen auch andere Branchen mit, die von uns leben.

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  3. von Detmar Kleensang · 3.
    Eine tolle Aussage von WLV-Brüggemeier!

    „Wer ständig die Messlatte beim Tierwohl oder sonstigen Nachhaltigkeitskriterien erhöht, der muss auch bereit sein, diesen Mehrwert zu bezahlen." Ich erinnere daran, dass der DBV (zu dem auch der WLV gehört) die Messlatte beim Tierwohl und sonstigen Nachhaltigkeitskriterien selber ständig erhöht hat. Erst mit QM und QS, dann mit der Initiative Tierwohl und nun noch mit QM 2.0. Alles Programme aus dem Hause des Deutschen Bauernverbandes, in dem die Landesbauernverbände wie etwa der WLV, aber auch die vor- und nachgelagerte Industrie wie Raiffeisen und die Molkereien, Mitglied sind. Diese haben ständig die Messlatte für die Bauern höher gelegt. Und wer derlei tut muss nun auch bereit sein, diesen Mehrwert zu bezahlen! Dann mal los, werter Bauernverband! Bezahlt uns all diesen Sch..., der uns nichts bringt außer höhere Erzeugungskosten und Bürokratie/Verwaltung/Arbeitszeit! Nich immer nur von anderen fordern, sondern selber mit gutem Beispiel vorangehen! Bezahlt ihr uns Bauern diesen Mehrwert nicht (aus der Verbandskasse!), so betrügt ihr die Bauern und macht euch öffentlich unglaubwürdig und lächerlich!

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  4. von Karl Watermann · 4.
    Wo ist eigentlich die Task Force des DBV

    um ihrer Verbandspitze in diesen schwierigen Zeiten den Rücken zu stärken. Möchte keiner diese verkorkste Politik mit seinem Namen verteidigen oder kommen doch langsam Zweifel am eingeschlagenen Kurs der Weltmarkteroberung? Oder sind es die Zweifel am Erfolg der vorgeschlagenen Maßnahmen? Ich würde es gern verstehen, welche Gründe hier überwiegen!

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  5. von Karl Watermann · 5.
    Marktwirtschaft heißt

    Angebot und Nachfrage regeln den Preis. Der Preis regelt die Menge und die Menge regelt den Preis. So haben die WLV Leute es uns immer erklärt, ist ja logisch nachvollziehbar. Nur die selben Leute wollen diese einfachsten Regeln nun nicht mehr wahr haben und pochen auf die Verantwortung der Wertschöpfungskette . Ach, der dümmste Spruch von diesen Leuten: "Schlechte Preise sind die Voraussetzung für gute Preise."

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  6. von Bernd Lohse · 6.
    Alle müssen handeln. . . .

    nur der Bauernverband nicht. Der sitzt die Sache stur aus !

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  7. von Erwin Schneiderbauer · 7.
    Tja, da wirds wohl ein bischen brutaler werden (müssen)!

    Anders geht's nicht, die Art und Weise wird die jeweilige Situation mit sich bringen.............

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  8. von Matthias Zahn · 8.
    kaum zu glauben

    Zitat oben: "Die Bauern in Westfalen-Lippe verlangen von der Bundesregierung, dem Lebensmitteleinzelhandel und den heimischen Molkereien größere Anstrengungen zur Beendigung der Krise am Milchmarkt." (Anm. d. Verf.: Die Bauern melken mehr als verbraucht wird, was sollen die anderen da machen?) Wie sollen sie denn die Krise beenden? Mehr bezahlen obwohl die Bauern den Markt tot melken? Damit sie nachher nochmehr melken? Ich gebe Ihnen gerne meinen bereits erwähnten Rat nochmal mit. Fragen Sie doch mal bei der NASA nach wie es denn mit der Erkundung neuer Welten aussieht-vielleicht geht da noch was im Absatz. Ansonsten ist zuviel, bleibt zuviel! Die Menge muss runter! So oder so.......

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  9. von Eike Bruns · 9.
    Wenn Sie schon Russland anführen Herr Brüggemeier,

    sollten Sie auch sagen das nach "Expertenmeinung" ein wesentlicher Teil dieser 4 Cent durch geringere Einkaufspreise für Kraftfutter, Diesel, Dünger etc. kompensiert wurde weiter brauch ja kein Bauer mehr diese enormen Quotenkosten (bei mir o,00 Cent je Liter) tragen - also bei Gesamtbetrachtung Russland bitte nicht mehr nennen. Wenn Sie es aber doch tun und damit begründen das wir mit jetzt 24- 27 Cent oder mit Russland 28 - 31 Cent, dann aber den höheren oben genannten Kosten, nicht wirtschaften können, müssen Sie auch sagen das wir zu Weltmarkt Preisen nicht produzieren können. Und hier fängt es an mit der schrägen Sichtweise des Bauernverbandes. Wir haben jetzt die TTIP Verhandlungen, nicht nur dort sollten wir ein Europäisches Landwirtschaftsmodel vertreten. Dann können wir vernünftige Preise im EU Raum erhalten und gesellschaftliche Ansprüche erfüllen zu Weltmarktpreisen und EU Anforderungen kann in der EU keiner rentabel Landwirtschaft betreiben. Darum Menge runter und zum Kosten sparen schon mal aus dem DBV austreten. Er vertritt nicht alle Bauern wir aber, fälschlicher Weise von der Politik, als Bauernvertretung gesehen.

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  10. von Eibo Eiben · 10.
    Bauern fordern ...

    ... siehe @G. Schütte - bei "Stallbauten" haben wir politische Maßnahmen (Bauförderung -> 20% in etwa), wenn`s um die Marktkräfte (Angebot und Nachfrage) geht, da ist wohl keiner, der den "Finger" krumm macht! - Wir haben Zustände, die kein Betrieb über "kurz oder lang" "verkraften" kann - nein, mit jedem Monat mehr, wir "verdienen" bereits 14 Monate "kein" Geld, wird die Lage "alarmierender"! - Von Nachhaltigkeit der betrieblichen "Abläufe" kann auch nicht mehr gesprochen werden; bei einem Milchpreis, der nur noch die Futterkosten deckt, kann nicht mehr optimal gewirtschaftet werden, nein, es wird nur noch das "Nötigste" investiert - aber da ist auch noch eine Familie zu ernähren, die Verpächter, die Fremd-AK, die Darlehen, alles müsste bezahlt werden, das "wie" wird immer schwieriger ... - das "Fatale", nicht einmal ein Licht am Ende des Tunnels ist sichtbar, kein Land in Sicht ... - und da ist das "Latein" von Herrn Brüggemann auch nicht hilfreich; ...

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  11. von Hans-Heinrich Meyer · 11.
    70´er

    wie wärs mit der guten alten Abschlachtprämie für Milchkühe evtl. kombiniert mit vorzeitigem Altersgeld?!

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  12. von Alfred Gmelch · 12.
    Wo sind denn die Lösungen?

    Verehrter Herr Brüggemeier ständige Bestandsaufnahme, ohne Lösungen aufzuzeigen, alleine ist schon bald lästig. Das haben wir alle schon begriffen, dass wir eine Krise haben. Es kann doch wirklich niemand erwarten, dass ein normal denkender Mensch, Prokurist, Einkäufer (oder Konzern, LEH Lidl, Aldi und Co.) der ein Produkt im Überfluss angeboten bekommt, dabei auf freiwilliger Basis einen höheren Preis bezahlt, als er muss. Noch dazu, wenn sich die Veräußerer oder Anbieter dieses Produktes gerade zu in ihrem Angebot vehement unterbieten. Genauso verhalten wir uns gerade beim "MILCH ABLIEFERN". Wir haben keinen VERKÄUFERMARKT sondern einen reinen KÄUFERMARKT

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  13. von Gerd Schuette · 13.
    Und täglich grüßt das Murmeltier...

    Die Menge muss runter!

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