Die aktuellen Preise entlasten, reichen aber nicht aus

Milchforum Das Berliner Milchfourm war mit rund 500 Gästen sehr gut besucht.
Bild: Liste
Der Milchmarkt 2017 ist gegenüber dem Vorjahr in einer deutlich besseren Verfassung. Das ist gut für Milcherzeuger und Molkereien. Allerdings sind die Verwertungen sehr unterschiedlich. Das sagte Peter Stahl von der Molkerei Hochland und Vorsitzender des Milchindustrie-Verbandes (MIV) auf der Pressekonferenz des Berliner Milchforums.
 
Die deutschen Milcherzeuger haben letztes Jahr 31,3 Mio. Tonnen Milch an deutsche Molkereien geliefert. Das waren im Tagesdurchschnitt 0,8 % weniger als im Vorjahr. Die Gehalte an Inhaltstoffen haben sich dagegen leicht erhöht. Der saisonale Anstieg der Milchanlieferung in Deutschland setzt sich derzeit weiter fort. Der Rückstand gegenüber dem Vorjahr hat sich zuletzt auf 2,8 % etwas verringert.
 
Die Milchpreise sind seit Spätsommer 2016 gestiegen und bewegen sich im März überwiegend zwischen 30 bis 35 ct/kg (netto bei 4,0 % Fett und 3,4 % Eiweiß), berichtet der MIV. Damit würden sie mehr als 20 % über den Märzpreisen 2016 liegen. Auffällig sei die deutliche Spreizung zwischen Nord und Süd und zwischen den einzelnen Molkereien einer Region. Dies beruht nicht zuletzt auf der Produktionsausrichtung der einzelnen Unternehmen, so Stahl.
 
Lediglich bei Biomilch habe sich 2016 das Preisniveau relativ stabil gehalten –  obwohl die Anlieferung von Biomilch in Deutschland im Jahr 2016 stärker als in den Vorjahren im Tagesdurchschnitt um 8,3 % gestiegen sei. Insbesondere die Herstellung von Bio-Konsummilch (+12,5 %) und Bio-Käse (+8,6 %) sei gestiegen. Dennoch würden in der erfolgreichen Nische Bio nur 2,54 % der gesamten Milchanlieferung in Deutschland erzeugt.
 
Stahl führte aus, dass den Molkereien durchaus bewusst sei, dass das erreichte Preisniveau die finanzielle Situation auf Seiten der Milcherzeuger zunächst entlaste, aber bislang nicht ausreiche, um damit die letzte Tiefpreisphase auszugleichen und Rücklagen für volatile Märkte zu bilden.
 
In der Markteinschätzung stellt der MIV fest, dass insbesondere bei Butter der Nachfrage ein ausreichendes, aber für die Jahreszeit vergleichsweise geringes Angebot, gegenübersteht. Die Milchpreise würden somit insbesondere über den Fettmarkt gestützt. Die Nachfrage nach abgepackter Butter schätzt der Verband bei dem derzeitigen Preisniveau als gut eint. Hinzu komme noch Kaufinteresse aus Drittländern, sodass Unsicherheit über die Verfügbarkeit in der zweiten Jahreshälfte bestehe.
 
Im weißen Sortiment war im Jahr 2016 ein leichtes Wachstum zu beobachten, berichtet der MIV weiter. Die Herstellung von Milchmischerzeugnissen und Milchgetränken mit Zusätzen sowie die Konsummilchherstellung, die in den letzten vier Jahre kontinuierliche Rückgänge zu verzeichnen hatte, konnten ausgeweitet werden. Am Markt für Schnittkäse sei das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage weiter recht ausgeglichen. Die Bestände in den Reifelagern befänden sich auf einem normalen Niveau und hätten zuletzt etwas abgenommen. Die Anbieter würden anhaltend von steigenden Exportmöglichkeiten in Drittländer berichten, wozu auch der schwache Euro mit beiträgt. Die Preise für Schnittkäse tendieren derzeit uneinheitlich, hätten sich zuletzt aber beruhigt.
 
Schwierig verhalte sich weiter der Markt für Magermilchpulver. Die weltweite Nachfrage verlaufe abwartend meist aus bestehenden Kontrakten heraus. Auch die Versuche der EU, Magermilchpulver aus den Beständen der Intervention zu verkaufen, waren nicht erfolgreich. „Hier liegt es nun auch in den Händen der EU, durch angemessene Maßnahmen die Interventionsbestände zu reduzieren. Unter dem Aspekt der humanitären Unterstützung sei beispielsweise die Unterstützung von Bedürftigen innerhalb oder auch außerhalb Europas in die Überlegung mit einzubeziehen“, regte Stahl an.
 
Eine verlässliche Prognose für das weitere Jahr 2017 sei nach wie vor schwierig. Für die nächsten Monate würden sich stabile Märkte für Butter abzeichnen, bei gleichzeitig zum Teil schwächeren internationalen Notierungen bei Pulver. Stahl: „Wir sehen eine saisonal steigende Milcherzeugung auf der Nordhalbkugel. Der Erzeugung wird neben den bislang guten Entwicklungen im Exportgeschäft daher eine Schlüsselrolle für die Entwicklung des Gesamtmarktes zukommen. Nicht nur der Markt an sich, aufgrund von Angebot und Nachfrage, sondern auch die einzelnen Verwertungen werden uns mit einer hohen Volatilität zunächst weiter begleiten.“

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9 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Doris Peitinger · 1.

    Leider hat Herr Stahl bei seiner ganzen Betrachtung wohl bewußt vergessen, über die Beeinflussung des Milchpreises durch die Molkereien zu sprechen. Wäre interessant zu erfahren, wieviele Millionen Bauerngelder allein Hochland in den Aufbau von Tochterunternehmen und Beteiligungen in östliche Nachbarländer gesteckt hat! Um diesem System zu entkommen, müssen die Bauern sich selbst helfen. Ansonsten werden sie weiterhin nur vorgeführt!

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  2. von Franz Josef Aussel · 2.
    Milchpreis ist LEH egal

    Die Höhe des Milchpreises ist dem LEH in soweit egal,solange die Konkurrenz nicht billiger beliefert wird! Es scheitert nur an der Unfähigkeit der Molkereien, vernünftige Angebote abzugeben. Da müssen wir Milcherzeuger Druck ausüben, entweder durch Kündigung oder durch weniger Milch ! Der Versuch über die Vertreterversammlung scheitert über die 75% Hürde und/ oder durch geschicktes Beinflussen der Vertreter seitens des Aufsichtsrates. Speziell beim DMK wird die Milch nur an die GmbH abgeliefert, und was dann noch übrigbleibt an Geld dürfen die Lieferanten haben! Diese System führt dazu, das sich die GmbH garnicht bemüht, eine hohe Wertschöpfung zu erreichen.

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  3. von Gerd Schuette · 3.

    Die Preise bedauern aber alles blockieren was die Position der Milchbauern in der Kette verbessern könnte...

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  4. von Gerd Uken · 4.
    @@Karl-Heinz

    Mal abwarten spätestens in einem Jahr müssen die Synergieeffekte sich ja bemerkbar machen-man kann kostengünstiger sammeln wenn man seine eigenen Sammelwagen auslastet und die "teuren " Spediteure dazwischen wegboxt. Außerdem spart man Fernzüge und Personal-ich lern schon mal Rumänisch,man kann ja nicht wissen wozu das noch mal gut sein kann.

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  5. von Gerd Uken · 5.
    Dazu hätte man nicht zum Milchforum

    Fahren brauchen. Die Märkte sind volatil Die Entwicklung hängt von Ozeanien ab Trockenheit ElNino etc.... Man muss jetzt mit 32 Cent Rücklagen bilden für den Herbst denn dann haben wir so viel Milch u.Butter in der Intervention..... Auf Boerderij steht ein Artikel da muss jemand 140 GV abstecken,wer nun meint es werde Kühe geschlachtet weit gefehlt-Jungvieh wird abgestoßen..... Wenn die Molkereien dauerhaft einen besseren Rohstoff Preis für die Erzeuger wollten,dann würden sie die Menge beschränken so wir R F/C es gemacht hat. Aber es geht einzig und allein um Auslastung, Marktanteile und man drückt den Einkaufspreis wo man kann und sei es in der Erfassung der Milch!

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  6. von Karl-Heinz Mohrmann · 6.

    Was will Herr Stahl sagen? Das Frankreich und Holland 3 Cent mehr bezahlen wird normal? Das Ammerland 5 Cent mehr bezahlt als DMK wird normal? Das Arla und Friesland 5-6 Cent mehr bezahlen als DMK wird normal? Große Schwankungen werden normal? Nur wenn DBV MIV und DRV es schaffen das die Vorgaben des Bundeskartellamts nicht umgesetzt werden, nur dann wird es für die Milcherzeuger normal.

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  7. von Karl-Heinz Mohrmann · 7.

    Liebe Milchbauernfamilien! Ich frage mich was muss noch alles passieren damit auch der letzte erkennt das nur Wir Milcherzeuger ein Interesse an guten Milchpreisen haben! Die Molkerein brauchen möglichst geringe Preise um ohne viel Aufwand alle Überschüsse auf dem Weltmarkt verkauft zu bekommen. Wir Milchbauern müssen uns in Erzeugergemeinschaften vor den Genossenschaften zusammenschließen. Genau so wie es das Bundeskartellamt fordert. Das Bundeskartellamt erkennt ein klares Machtgefälle zu Ungunsten der Milchbauernfamilien in deren Folge die Erzeuger das alleinige wirtschaftliche Risiko tragen und doch nur Resteempfänger sind. Diese MIV Mitteilung zeigt das alles so bleiben soll wie es ist.

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  8. von Steffen Hinrichs · 8.
    Was sind die Lehren aus dem Milchforum ?

    Alles bleibt wie es ist und die Milchbauern stehen weiter als Restgeldempfänger da ,obwohl sie 365 Tage im Jahr für die größte Nachhaltigkeit sorgen sollen !

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  9. von Willy Toft · 9.
    Man hat das Gefühl, dass da System hinter steckt!

    Der Handel treibt ein böses Spiel mit den Milchbauern, die Meiereien müssen angeblich mitmachen, der Milchpreis bleibt auf einem Niveau, wo gerade das "Nötigste" abgedeckt ist. Vollkosten sind nicht abgedeckt! Auf die nächste Preis- Runde bin ich gespannt, da wird vermutlich wieder Preisdruck im Frühjahr aufkommen, damit wir wieder ein halbes Jahr noch knapper hingehalten werden! Gerade die gut aufgestellten Betriebe, mit hoher finanzieller Belastung bekommen die Enden nicht zusammen. Sollen diese Betriebe, wo diese sich um Kuh- Tierwohl ectr. gekümmert haben, als erstes Liquidiert werden? Ein Schelm der Böses dahinter vermutet? Die Meiereien und Milcherzeuger müssen aufeinander zugehen, und gemeinsam "auftreten", sonst bleiben wir Milchviehhalter, weiterhin Sklaven dieses "Systems".

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