Sonderregal für heimische Milch?

Die Milchkrise war ein zentraler Punkt des Spitzengespräches zwischen dem Thüringer Bauernverband und der Landesregierung in Erfurt. Landwirtschaftsministerin Birgit Keller schlug dabei ein Sonderregal mit heimischen Milchprodukten vor. Obwohl konkrete Ergebnisse ausblieben, bewerteten Verband und Regierung das Treffen als positiv, berichtet die Ostthüringer Zeitung.
 
Etwa 15 Agrarbetriebe im Freistaat hätten ihre Milchproduktion im vorigen Jahr eingestellt. Inzwischen seien „noch ein paar“ dazu gekommen, sagte Walter Pfeifer, Vize-Geschäftsführer des Thüringer Bauernverbands. Und der Ausblick bleibe düster: Laut einer aktuellen Analyse seien EU-weit im letzten Dreivierteljahr noch einmal 4,6 Millionen Tonnen Milch mehr erzeugt worden als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. „Es ist einfach zu viel Milch da“, resümierte Pfeifer.
 
Landwirtschaftsministerin Birgit Keller hatte im Spitzengespräch einen Runden Tisch Milch vorgeschlagen, besetzt mit allem Marktbeteiligten vom Erzeuger bis zum Verbraucher. In Thüringer Supermärkten könnte zudem künftig ein Sonderregal mit heimischen Milchprodukten stehen, zu auskömmlichen Preisen für hiesige Bauern. Pfeifer äußerte sich aber skeptisch, ob der Handel sich derart hineindirigieren lasse und ob der Mehraufwand auch preislich abgebildet werde.
 
Keller will sich bei der nächsten Agrarministerkonferenz dafür einsetzen, dass die EU weiterhin Hilfsgelder für Landwirte auszahlt. Die soll der Bund künftig besser an die Länder ausreichen, damit jene die Gelder zielgenauer an die Bauern geben können. Keller kündigte aus eigener Regie an: Für die Auszahlung von EU-Beihilfen sollen die Verwaltungsabläufe vereinfacht werden.

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3 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Gerd Uken · 1.
    und wie wurde die

    Faire Milch torpediert -hat jetzt ein Umdenken stattgefunden oder nur in Thüringen? Regionalität ist ja nicht verkehrt aber es muss sich auch im Portmonee des Erzeuger wiederfinden.1 cent sind dafür zu wenig..

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  2. von Gerhard Steffek · 2.
    Spätes Resüme!

    "Es ist einfach zuviel da", resümierte Pfeiffer. Schlaue Erkenntnis und zudem zu spät. Es ist zuviel da, aber auch zuwenig. Zuwenig an Alternativen. Was für Auswege hat der Landwirt? Auf was kann er ausweichen? Mit was kann er sein Geld verdienen? Mit großem Fleiß wurden doch ständig mögliche Alternativen zunichte gemacht. Rapsöl in den Tank, was gab es da für einen Aufschrei. "Tank oder Teller", waren da die großen Überschriften in den Boulevardzeitungen. Allen voran die BILD. Was aber auch nur eine verlogene Argumentation war. Biogasanlagen! Was wurde dagegen gewettert. Selbst unter den Landwirten! Wahrscheinlich werden es aber jetzt die Biogasbauern sein, die überleben werden. Doch auch die Biogasanlagen wurden von Gabriel an die Wand gefahren, nur weil die großen Versorger um ihren Kommerz besorgt waren. Erstaunlich ist aber eigentlich, dass sich ausgerechnet die Politiker und Bauernverbände aus den ostdeutschen Bundesländer jetzt sosehr um ihre Landwirtschaft kümmern. Aber ein aufgegebener Betrieb mit 1.000 ha reißt eben ein viel größeres Loch in die Landschaft und der Kasse des Bauernverbands als der "kleine" Betrieb es im Westen oder gar Süden der Republik es tut. Da muss dann selbst die SPD aktiv werden, da es dann um die landwirtschaftlichen Arbeitskräfte geht und nicht um den "Klassenfeind" landwirtschaftlicher Unternehmer.

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  3. von Christian Bothe · 3.
    Milch...

    Gute Idee,Frau Keller.Aber ich denke der marktbeherrschende LEH lacht sich über die Idee des Sonderregales kaputt...Die regionale Listung von Produkten mit THZ hatte schon vor 20 Jahren nicht funktioniert,da der LEH eine ganz andere Philosophie hat.

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