Lidl: Konkreter Kriterien-Katalog für Milchbauern

Lidl verschärft die Anforderungen an Milcherzeuger und Molkereien.
Bild: Archiv

Schlechter Milchpreis, schlechte Stimmung und jetzt auch noch das: In einem mehrseitigen Brief an die Molkereien formuliert Lidl glasklar, welche Anforderungen der Discounter künftig an die Molkereien und vor allem die Milcherzeuger stellt. Und macht sofort deutlich: "Wir distanzieren uns von Lieferanten, die diese Grundanforderungen nicht befolgen."

Lidl nennt den Kriterien-Katalog "Grundanforderungen für Lieferanten bei der Herstellung von Molkereiprodukten und Käse". Mit dem nächsten Kontraktwechsel im Frühjahr 2016 sowie bei allen künftigen Abschlüssen setzt das Unternehmen die Einhaltung der aufgeführten Parameter voraus. Das gelte für die Molkereien und die Milcherzeuger. Alle Anforderungen beziehen sich auf die in Deutschland gelisteten Produkte.

Der Kriterien-Katalog für Milcherzeuger ist auf etwa zwei DIN A4-Seiten formuliert. Die Molkerei bzw. Käserei muss die Einhaltung sicherstellen. Beispielsweise müssen sie dafür sorgen, dass (Auswahl)

  • externe Zertifizierungsgesellschaften (z.B. QM-Milch) die Milchviehebtriebe nach einem definiertem Standard regelmäßig auditieren und dass die Milcherzeuger Tierwohlaspekte, insbesondere in Bezug auf Tiergesundheit, Haltung und Fütterung in ihren Ställen beachten und umsetzen.
  • Milcherzeuger den vorbeugenden Einsatz von Antibiotika vermeiden. Sie sollten Antibiotika nur auf Veranlassung eines Tierarztes bei einer therapeutischen Therapie anwenden. Die Anwendungen sind schriftlich, leserlich und nachvollziehbar zu dokumentieren.
  • Milcherzeuger die Hornanlagen junger Kälber nur nach dem aktuellen veterinärmedizinischen Erkenntnissen schonend veröden.
  • der Einsatz homöopathischer Behandlungsmethoden gefördert wird.
  • die Klauen der Milchkühe regelmäßig fachgerecht gepflegt werden und hierüber Nachweise geführt werden.
  • Vorkehrungen gegen die Übertragung von Seuchen und Tierkrankheiten getroffen werden und beispielsweise Überschuhe oder Einwegmäntel zur Vermeidung der Ausbrüche vorhanden sind.
  • die Grundfuttergewinnung optimiert wird, um den Import von Kraftfuttermitteln zu reduzieren bzw. ganz zu vermeiden.
  • die Belegung von Kuhställen artgerecht erfolgt und eine Überbelegung dauerhaft vermieden wird.
Die Anforderungen an die Molkerei bzw. Käserei sind auf etwa einer Seite formuliert. Darin behält sich Lidl unter anderem vor, dass autorisierte Institute auch unangekündigt freien Zugang zu den Verarbeitungsbetrieben für die Lidl-Auditierung bekommen.

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12 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Andreas Schmid · 1.
    Warum?

    meckert der BDM nicht, daß das kostenlos geschehen soll? Wo bleibt da der BV, der meint, das Auflagen auch zu einem höheren Preis führen soll? Bei diesen Auflagen muss LIDL mindestens 5cent mehr als Aldi den Bauern durchreichen! Hier fehlt ganz klar der Aufschrei, dass die einen Bauern für den gleichen Preis mehr als die anderen malochen müssen.

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  2. von Reinhard Schnell · 2.
    Lidl auslisten

    Lidl einfach auslisten. Keine Milchprodukte mehr für diese Fantasten. Deswegen wird keiner mehr oder weniger Milchprodukte verbrauchen.

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  3. von Albert Maier · 3.
    Getriebene

    Die Bauern sind längst zu Getriebenen mutiert. Getrieben von allen Seiten, von den Beratern, Kontrolleuren, Audits, Tier-und Umweltschützern, Banken, dem LEH, den Molkereien und Verbauchern und auch von ihren eigenen Verbänden. Und es geht lustig weiter, kein Ende in Sicht.

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  4. von Alfred Gmelch · 4.
    Was regen wir uns denn so auf?

    Wer zahlt, der schafft auch an. Lidl & Co. können sich es doch leisten, denn wir parieren doch auch immer sehr brav. Solange wir mit unserer Lobby (Bauernverband) diese Machenschaften noch unterstützen, wird sich bestimmt nichts, aber auch gar nichts ändern. Anscheinend sind noch viel zu viele Milchbauern zufrieden mit den ständig steigenden Auflagen und den dafür anscheinend noch "recht ordentlich" bezahlten Milchpreisen. Alles erdenkliche wird unternommen, um den Anforderungen unserer "Marktpartner" gerecht zu werden, nur dem eigentlichen Übel, dass wir nicht die Ton angebenden in dem Marktspiel sind, dem werden wir nicht gerecht. Es wird zwar in den Berichten unserer Berater oder Vertreter das Grundübel: "ÜBERPRODUKTION" genannt und womöglich auch erkannt, doch es werden keine Lösungen vorgestellt und mitgetragen. Das Marktkrisenmanagement des BDM und EMB als einziges brauchbares Instrument wird buchstäblich mit Füssen getreten, nicht nur von der Politik, sondern auch von der Mehrzahl der Milchbauern und dem Bauernverband. Wobei jeder vernünftig denkende Milchbauer mittlerweile deutlich erkennen müsste, das dieses die einzige Möglichkeit ist, sich aus dem Hamsterrad der derzeitigen Marktkrise zu befreien. Hätten wir einen VERKÄUFERMARKT und keinen KÄUFERMARKT, wie zurzeit, könnten wir die Regeln am Markt auch mitbestimmen und sich nicht immer nur gängeln zu lassen.

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  5. von Heiko Dierks · 5.

    ... ich habe soeben mit der Post den neuen QS Kriterienkatalog erhalten. Was da jetzt verlangt wird das ist unter aller Kanone. Das sind wohl irgendwelche Theoretiker die nicht den Unterschied zwischen einer Kuh und einem Schwein kennen, die sich so einen Mist ausdenken...

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  6. von Gerd Kempken · 6.

    Geht Lidl so auch mit seinen anderen Lieferanten um?? Ich glaube nicht dass dem chinesischen Hersteller seine Qualifikation zur Produktion von zB Elektrogeräten inFrage gestellt wird, Hauptsache billig. Bei uns wird dann auf QM noch einer draufgesattelt und zusätzlich stellt man unsere grundsolide Ausbildung noch in Zweifel. Ich vermisse schon lange und in letzter Zeit im besonderen ,eine Reaktion unserer Berufsvertretung,oder gibt es beim einen oder anderen gewisse Verflechtungen mit dem Handel Anders lässt sich diese Gelassenheit/Gleichgültigkeit einfach nicht erklären.

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  7. von Herbert Schamberger · 7.

    Hier wird den Landwirten wieder klarer Menschenverstand und qualifizierte Ausbildung aberkannt

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  8. von Gerhard Steffek · 8.
    Träumt weiter Leute!

    Jetzt lässt der Handel die Katze aus dem Sack und will sich als Retter der geknechteten Milchkuh profilieren. Auf dem Rücken der Bauern und zu Lasten der Bauern. Da fällt mir nur ein Wort ein. "Bauernopfer". Auf die Dauer fehlt dann nur noch das Aldi, Lidl & Co. Bauernhöfe unter Vertrag nehmen und diesen genau vorschreiben wie der Betrieb zu führen ist.

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  9. von Willy Toft · 9.
    Da machen wir schon jahrelang,

    wollen die uns jetzt endlich mal ordentlich dafür bezahlen? Das finde ich gut, dass Lidl uns endlich aus den Preistal holt.Nur Weihnachten haben wir gerade gehabt, dürfen wir schon im laufenden Jahr mit kleinen Geschenken rechnen? Ich hoffe doch sehr stark, dass der Handel sich bald besinnt, und dem ganzen Höfe-sterben mal ein Ende setzt. Forderungen sind schnell erhoben, nur die Belohnung für hohe Auflagen sollten irgendwie beim Erzeuger ankommen.

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  10. von Detmar Kleensang · 10.
    Wie konnte das passieren?

    Rukwied hatte doch immer so einen guten Draht zu Lidl. Hat er dies hier nicht kommen sehen? Oder war er womöglich gar daran beteiligt? Oder wo bleibt der Aufschrei des Bauernverbandes? Macht Rukwied die Abwendung dieses Forderungskataloges zur Chefsache? Oder belässt er es, zu Ungunsten der Bauern, dabei? Tja, mein lieber Bauernverband samt Rukwied: Das ist Marktwirtschaft! Wenn so reichlich vorhanden ist das die Milchwirtschaft schon auf staatliche Eingriffe wie Liquiditätssicherung und Exportoffensiven angewiesen ist, dann kann sich der Käufer die Rosinen rauspicken und Forderungen stellen. Wenn Lidl sieht, dass der Bauernverband den Bauern mehr Auflagen aufbürden kann, etwa durch dessen Initiative Tierwohl oder QM 2.0, dann ist da in Lidl's Augen offensichtlich noch Luft bei den Bauern, noch mehr tun zu können, noch mehr Auflagen zu erfüllen. Und wenn Lidl das so sieht, dann werden Aldi, Edeka und alle anderen dies auch bald so sehen. Die Preise bilden sich am Markt, die Anforderungen werden von denen gestellt, die überreichlich Angebote erhalten. So ist unsere Marktwirtschaft eben. Die kennt nur Kosten, Gewinne und Margen. Eine "soziale Verantwortung", wie sie der Bauernverband beim marktteilnehmenden Handel sieht, gibt es nicht! Solange zu viel Milch auf dem Markt ist werden immer die Abnehmer der bäuerlich erzeugten Milch deutlich mehr Anforderungen an die Bauern stellen können als Bauern und Bauernverband an Molkereien und Lebensmitteleinzelhandel.

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  11. von Bernd Lohse · 11.
    Und was ist Lidl bereit dafür zu bezahlen ???

    Wahrscheinlich gar nichts ! Die massive Überproduktion macht nicht nur die Preis kaputt, nein - sie führt auch noch zu extra Forderungen, weil man sich jetzt ja aussuchen kann, wem man gnädiger Weise die Plörre abnimmt !

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  12. von Christian Göttsch · 12.
    Endlich!

    Zu schön: Die Auflagen erfüllen die meisten Betriebe ja sowieso schon - endlich wird das nun auch bezahlt. Immerhin ein Grundpreis der sich an den Vollkosten der Durchschnittsbetriebe orientiert. Oder etwa nicht? Bitte das nächste Mal den ganzen Text veröffentlichen. Und ich glaube jetzt wieder an den Weihnachtsmann! C.G.

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