Milchmengenreduzierung: WLV fühlt sich überrumpelt von Ministerin

Wilhelm Brüggemeier Wilhelm Brüggemeier
Bild: WLV

„Völlig überraschend und für mich nicht nachvollziehbar hat sich die NRW-Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking am vergangenen Freitag auf der Agrarministerkonferenz in Münster für eine temporäre, obligatorische und entschädigungslose Milchmengenreduzierung im Krisenfall ausgesprochen“, so Wilhelm Brüggemeier, Vizepräsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV).

Bei diesem milchpolitischen Thema ginge es um eine Grundsatzfrage: „Wollen und unterstützen wir unternehmerische Entscheidungen jedes einzelnen Milcherzeugers oder machen wir uns für staatliche Reglementierungen stark“, unterstreicht Brüggemeier seinen Ärger über das Abstimmungsverhalten von NRW.
 
Nach Auffassung des WLV sollte die Ministerin die Entscheidung über die Gestaltung der Lieferbeziehungen und der Mengenplanung den beteiligten Milcherzeugern und Molkereien überlassen. Die allermeisten Milcherzeuger in Westfalen-Lippe stünden für Vertragsfreiheit und wollten keine staatlichen Eingriffe in die Milchmenge. Denn dazu müsste wieder ein quotenähnliches System aufgebaut werden, mit dem gesamten administrativen Regelungswerk über Mengenkontrollen für jeden einzelnen Milchviehbetrieb bis hin zu einem Sanktionsmechanismus bei Nichteinhaltung der Vorgaben.

Zudem blieben die Fragen, wann eine Krise auszurufen sei und ob eine Mengendrosselung für alle Molkereien gelte. Also auch beispielsweise für Nischenmolkereien, die Milch suchten und eine gute Auszahlung erwirtschaften.

Diese wichtigen Fragen gelte es gemeinsam mit dem Berufsstand zu erörtern, bevor man Position über milchpolitische Grundsatzfragen bezieht, so Brüggemeier. Dies sei eigentlich auch das Ansinnen gewesen, mit der die Ministerin ihr Amt angetreten habe.

Das steht im Protokoll der AMK:

Im Abschlussprotokoll der Agrarministerkonferenz heißt es wörtlich: "Die Minister der Agrarressorts der Länder stellen mit Blick auf die weiterhin hohen Magermilchpulverbestände in der Intervention fest, dass das derzeitige Sicherheitsnetz in der GMO um schnell wirkende Notfallmaßnahmen ergänzt werden muss, um im Krisenfall Verwerfungen auf dem Milchmarkt zukünftig besser begegnen zu können. Sie halten die Aufnahme eines Instruments, mit dem die Milchmenge EU-weit, temporär, obligatorisch und entschädigungslos reduziert wird, für dringend erforderlich und bitten den Bund, sich auf europäischer Ebene für eine entsprechende Erweiterung der GMO einzusetzen, um als Ultima Ratio ein wirksames Kriseninstrument in der Hand zu haben."Dafür gestimmt hatten: Hessen, Bayern, Berlin, Bremen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

RLV warnt vor "Milchquote light"

Melkstand Melkstand
Bild: Archiv
Auch der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) warnt vor einer Rückkehr zu einer Quote „light“.
„Während Brüssel in der letzten Preismisere Anreize zur freiwilligen Mengendisziplin auf den Weg gebracht hat, diskutieren hierzulande Agrarminister eine entschädigungslose Mengenreduktion“, so die Kritik von Paul-Christian Küskens, Vizepräsident des RLV und Milchviehhalter aus Niederkrüchten.

Durch eine „Quote light“ würden viele Milcherzeuger zudem unnötig benachteiligt. Eine wirkliche Stabilisierung der Erzeugerpreise konnte schon mit der 2015 ausgelaufenen Mengenregulierung nicht erreicht werden. Küskens: „Eine Rückkehr zu staatlichen Markteingriffen auf Erzeugerebene wurde von den Agrarministern aus guten Gründen immer ausgeschlossen. Verlässlichkeit sieht für mich anders aus.“

Für den Umgang mit Preisrisiken bedürfe es keiner staatlichen Pauschallösungen, sondern Maßnahmen, die zum Marktumfeld der jeweiligen Molkerei und ihren Genossen bzw. Lieferanten passten. Überlegungen einzelner Molkereien zeigten, wie über gezielte Anreize Produktionsmengen verändert oder Elemente der Preisabsicherung etabliert werden können.

Diskussionen zur Einführung einer verpflichtenden Preis-Mengen-Relation nach Artikel 148 der Gemeinsamen Marktorganisation müssten daher Raum lassen für die Gestaltung krisenfester Lieferbeziehungen durch die Marktbeteiligten selber, so der Vizepräsident. Darüber hinaus gehende planwirtschaftliche Markteingriffe sind nach Einschätzung von Küskens nicht geeignet, um in globalen Produktmärkten Mengendruck und Preisverfall entscheidend zu beeinflussen.

Kritisch sieht der RLV auch die Ergebnisse der jüngsten Kontraktverhandlungen mit Aldi über die „weiße Linie“. Während die Butterpreise anziehen, sollen die Preise für Trinkmilch fallen. Mit dem aktuellen Marktverlauf, abzulesen etwa am jüngsten Rohstoffwert für Milch, steht der Abschluss bei der „weißen Linie“ nicht im Einklang. Nach wie vor scheinen hier die bestehenden Strukturen nicht ausreichend, um in Preisrunden mit dem Einzelhandel auf Augenhöhe zu agieren.

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17 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Gerd Uken · 1.
    Es ist noch gar nicht lange her

    https://www.topagrar.com/news/Rind-Rindernews-Landvolk-zum-Milchmarkt-Kein-Anlass-zu-Pessimismus-9137135.html Das sich die Preise jetzt auf niedrigem Niveau ein halbes Jahr lang halten werden ist klar. Aber getreu dem Motto“ Es hätte schlimmer kommen können!“

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  2. von Hans Nagl · 2.
    Frage ??

    Liebe Kollegen warum zählt ihr immer noch Mitgliedsbeiträge für Brüggemaier und Co. ???

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  3. von Fritz Sassenscheid · 3.
    vvon Fritz Sassenscheidt Senjor Milchpolitik des W L V

    Diese alten Bauerfürsten und Inhaber Verbandspolitischer Erbhöfe haben doch noch nie das Wohl der Bauern im Sinn gehabt.Sie waren und sind die Erfüllungsgehilfen derer die Preisdruck wollen und denen jedes Mittel recht ist Wie ist sonst zu erklären das die Milchquotenregelung garnicht greifen konnte weil durch Härtefall Regelung Pachten Kaufen Leasen die Milch Anlieferung laufend erhöht wurde.Dies hatte doch nur ein Ziel die Politik des Preisdrucks fort zu setzen. Und wohlgemerkt diese Akteure waren und sind unsere Bauern Verbandsvertreter. Selbst der vom B D M organisierte Milch Streik sollte Torpediert werden was aber nicht gelungen ist. Die zu frühe Beendigung ist aber gelungen weil der Bund Deutscher Milchvieh Halter es nicht für Möglich gehalten hat vom D B V so belogen zu werden.Mein Eindruck war Leider richtig als Aldi und Sonnleitner D B V im Fernsehen das Ende des Milchsteiks ankündigten der Bauernverband wird alles Unternehmen das es keinen zweiten Milchstreik gibt bzw. die Bauern dem BDM noch einmal folgen werden. So konnte mann nun die Politik des Preisdrucks fortsetzen.Dazu passt auch sich wehement sich für den Fall der Milchquote ein zu Setzen.Die ganze Tierwohl Debatte hat doch nur ein Ziel das noch mehr Bauern zur Aufgabe gezwungen werden weil nicht dafür sorgt das der Markt die erhöhten Aufwendungen entlohnt.Ganz im Gegenteil es kommen doch schon Forderungen Tierwohlmaßnahmen finanziell zu Fördern.Alles nach dem alten Muster mann hat wieder ein Sieb durch das die jetzt Kleinen (80 Kühe) durchfallen.Was viele schon vergessen haben der Beginn der Betriebsprämie war eine Entkopplung der Preise in der Form das die Preise für landwirtschaftliche Produkte gesenkt wurden zum Wohle der Verbraucher.Diese Zahlungen uns Bauern jetzt als Wohltaten des Staates vorzuhalten ist eine Frechheit .Damit der Verbraucher billig Einkaufen kann Förderung der Überproduktion deshalb will mann auch keine Steuerung der Milchmenge ganz im Gegenteil es werden sogar Stallbauten gefördert.Und die Methan Hysterie wird zu Geschlossenen Ställen mit Luft Reinigungs Anlagen führen und in Größen mit eigenem Tierarzt alles unter Verschluß. Zur AMK Konferenz ist zu Sagen man soll nicht zu blauäugig sein mann kann gut etwas bejahen im sicheren Wissen auf den Bauernverband ist Verlass der verhindert schon vernünftige Lösungen und die Mitläufer im Bauernverband Helfen eifrig mit Dazu noch ein Satz die Dümmsten Kälber Wählen ihre Metzger selber

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  4. von Dieter Müller · 4.
    Irgend wie schaut Wilhlem Brüggmeier so aus, wie ...

    (...)Damit nicht die Milcherzeuger/innen weiter ohne Gewinnbringende Preise dastehen, muss in dere Krise eine automatische Mengenanpassung erfolgen. Ministerin Schulze Föcking hat da echt dazugelernt. (...) Die Ministerin möchte auch zukünftig, möglichst flächendeckend, noch Milchwirtschaft erhalten. Mann kann nur hoffen, dass sie bei ihrem Kurs bleibt.

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  5. von Eike Bruns · 5.
    Dem Fachverband gefolgt! Gut! Richtig gemacht.

    Das jetzt so ein Protokollsatz existiert ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Es ist für aktive Milchviehalter ein wichtiges Signal das die Politik jetzt den Argumenten von Fachverbänden folgt. Wie würde es wohl aussehen wenn jetzt der NABU Agrarpolitik machen würde. Wir sollten jetzt aber darauf hinwirken dass dieser Punkt nicht im Sande verläuft. Sondern in Brüssel druck machen - Hogan hat sich ja auch schon mal in diese Richtung geäußert. In Brüssel gibt es erwiesener maßen viele Verbände die Lobbyarbeit leisten, z.B. einer der in Deutschland ca. 1,5 Mio. Landbewohner bündelt. Diese haben natürlich mehrheitlich andere Interessen als aktive Milcherzeuger. Auch wurde (und hier stimme ich ausnahmsweise mal nicht mit dem BDV/Küsken überein) ein Stück weit Verlässlichkeit demonstriert, weil die Problemlösung für schlechte Milchpreise endlich mal konkretisiert wurde. Schön das es in der Politik doch noch Verlässlichkeit gibt.

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  6. von Willy Toft · 6.
    Die Ministerin kann einfach nicht Tatenlos zusehen!

    Das letzte Reduktionsprogramm hat ja zumindest bei der Menge etwas gegriffen, was sich dann auch positiv ausgewirkt hat. Es wäre auch eine unternehmerische Entscheidung, wenn man bis zum Abwinken der Bank, ständig am Markt vorbei produziert!

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  7. von Gerd Uken · 7.
    Hat es denn eine diesbezügliche Umfrage des WLV

    vorher gegeben oder woher weiß er das die allermeisten „Mitglieder“ für Vertragsfreiheit stünden ! Es gab auch eine Studie der EU die besagte das nur 6% Differenz war zwischen Befürworter und Gegner des Ausstieges 2015. Das Ziel aller Milcherzeuger müsste doch ein kostendeckender Milchpreis sein und der liegt jenseits von dem was wir jetzt bekommen. Der Weg dorthin scheint aber unbegreiflich -für einige , sonst würde er nicht so reagieren. Ein Tip noch vielleicht redet man selber mal mit der Ministerin ??

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  8. von Kirsten Wosnitza · 8.
    Offensichtlich nicht aufgepasst

    Hat der WLV. Ansonsten wäre ihm die unbürokratische Abwicklung der Reduktionsprogramme in der letzten Krise positiv aufgefallen. Was nicht sein darf, das kann auch nicht sein....

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  9. von Albert Maier · 9.
    Richtige Lösungen im Sinne ....

    .... der Milcherzeuger wird es erst geben, wenn sich der DBV und seine Landesverbände aus der Milchpolitik zurückzieht.

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  10. von Steffen Hinrichs · 10.
    Was hat der WLV denn für Lösungsansätze ?!

    Wo bleiben die Branchenlösungen ,Sektorstrategien,usw. .... ?

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  11. von Petra Hoffmann-Hochhardt · 11.
    Welch Unverfrorenheit,

    dass eine Ministerin sich gedanklich mit Lösungsansätzen auseinandersetzt, die der antiquitierten und sachlich völlig unzureichenden Argumentation des Herrn Brüggemeier und seines Alt-Herren-Verbandes nicht entspricht. Ich wünsche Frau Schulze-Föcking starke Nerven und ein stabiles Rückgrat!

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  12. von Ottmar Ilchmann · 12.
    Vertreter welcher Interessen?

    Es ist sehr erfreulich, dass sich die meisten Agrarministerinnen und -minister in einer parteiübergreifenden Koalition der Vernunft für ein mengenbegrenzendes Kriseninstrument ausgesprochen haben. Dafür gebührt ihnen der Dank der Milchbäuerinnen und -bauern! Würde Herr Brüggemeier in dieser Frage die Interessen der Mitglieder seines Verbandes vertreten, würde er sich über diesen Beschluss der AMK freuen. Stattdessen betreibt er das Geschäft derer, die ein Interesse an ständig wiederkehrenden Niedrigpreisphasen und billiger Milch haben: Molkereien, Verarbeiter und Einzelhandel. Immerhin eine klare Positionierung.

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  13. von Christian Kraus · 13.

    Jede Krise findet einzig und allein auf dem Bankkonto der Milchbauern statt. Anstatt zu kritisieren das uns Bauern in Krisen effektiv geholfen werden kann den Markt in ein Gleichgewicht zu bringen sollte sich dieser Verband schämen.

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  14. von Gerd Uken · 14.
    Der BV

    Kapiert es einfach nicht für den ist es immer Noch eine Quote . Wir sprechen von einer Mengensteuerung im Krisenfall! Wer eine Quote möchte der soll dann zu Friesland Campina liefern ab 2019 die setzen Sie in A B Molkerei Quote um

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  15. von Gerd Schuette · 15.
    Wessen Interessen vertreten WLV und RLV?

    Eine temporäre Milchmengenreduzierung im Krisenfall hat nichts, aber auch gar nichts mit der Milchquote gemein. Die Betitelung "Quote light" dient allein dazu von Inhalten abzulenken und Stimmung zu machen. Auch den Aufwand als "Quotenähnlich" zu bezeichnen ist irreführend, das Milchmengenreduktionsprogramm 2016 hatte nur minimalen Verwaltungsaufwand.

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  16. von Matthias Zahn · 16.
    Ach ja,

    unternehmerisches Denken und Handeln darf nicht am Hahn des Milchtankes aufhören....

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  17. von Matthias Zahn · 17.
    WLV selbst Schuld an der Misere

    Durch die Jahrelange Blockadehaltung der ganzen Bauernverbände und dem steten abblocken jeglicher Marktwirtschaftlicher Ansätze haben diese eine politische Lösung selbst provoziert! Anstatt nur schlaue Reden zu schwingen, hätten die Bauernverbände schon lange (vor dem Quotenausstieg) an Lösungsvorschlägen arbeiten können. Nun nimmt die Politik wieder die Fäden in die Hand. Nicht weil sie es unbedingt möchte, sondern weil klar wurde, dass diese Milchbranche unfähig ist, eigene Lösungen zu gestalten! Also lieber WLV, schluss mit dem gejammer, Ärmel hoch krempeln und anpacken. Noch besteht die Möglichkeit eigene Ansätze um zu setzen! Ehrlicherweise muss man sagen, der einzige Vorschlag der vorliegt, ist der des BDM! Die Bauernverbände haben es ja bis jetzt versäumt Zukunftsstrategien für die Milchbauern zu entwickeln.

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