Sachsen besorgt über Milchpreis-Entwicklung

Kühe Besorgt sieht der sächsische Bauernverband die aktuellen Entwicklungen auf dem Milchmarkt.
Bild: Archiv

Als äußerst angespannt und existenzgefährdend bezeichnet der Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes (SLB), Wolfgang Vogel, die aktuelle Situation auf dem Milchmarkt. Nach einem vergleichsweise auskömmlichen Jahr 2017 befinden sich die Milchpreise derzeit erneut auf einer rasanten Talfahrt. Als Ursachen dafür sieht der SLB die Kaufzurückhaltung bei Butter und das anhaltende Nachfragetief bei Magermilchpulver. „Aufgrund dieser Marktsituation ist eine rentable Milcherzeugung nicht mehr möglich und die Liquidität unserer Betriebe gefährdet“, so Bauernpräsident Vogel.
 
Das sehe die überwiegende Mehrheit der sächsischen Milcherzeuger nicht anders. Während die größte sächsische Molkerei ihren Grundpreis je Kilogramm Milch mit Jahresbeginn schon einmal um 3,5 Cent gesenkt habe, werde einen Monat später der Preis nochmals um 3,5 Cent gekürzt. Damit sanken die Preise von Silvester bis Anfang Februar um 20 %, so der SLB.
 
„Nur um Kunden anzulocken treibt der Handel den Butterpreis aggressiv in den Keller“, erläuterte Vogel. „Das wirkt sich unmittelbar auf unsere Erzeugerpreise für Milch aus, die mit weniger als 30 Cent Grundpreis nicht mehr die realen Produktionskosten entsprechen.“
 
Einen weiteren Aspekt der Preispolitik des Handels, der sich auf die gesamte Gesellschaft auswirkt, bringt der Vorsitzende des Fachausschusses Milch beim SLB, Hubertus Schroth, ins Spiel. „Bei derart niedrigen Preisen fehlt uns Landwirten das Geld für Investitionen“, erklärt er. Damit werde die gesellschaftliche Diskussion für mehr Tierwohl ad absurdum geführt. „Hinzu kommt der Verlust an Wertschöpfung für den ländlichen Raum insgesamt“, so Schroth.
 
Zwar freue es den Kunden im Supermarkt, wenn er für Milch, Butter, Joghurt et cetera nur wenige Cent bezahlen müsse. Den Landwirten gefährde diese Preispolitik jedoch die Existenz. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes ist die Anzahl der Milchkühe in Sachsen von 1990 bis heute um mehr als die Hälfte gesunken. Auch die Anzahl der noch 530 Milcherzeuger in Sachsen sinkt weiter.
 
Die sächsischen Milchbauern erwarten von der kommenden Bundesregierung nicht nur eine einseitige Diskussion über mehr Tierwohl und Klimaschutz, sondern auch darüber, wie diese gesellschaftlichen Anliegen finanziert werden sollen. „Es kann nicht sein, mit immer mehr Auflagen und Forderungen unsere Milchviehhaltung zu belegen und gleichzeitig der „Geiz-ist-geil“-Mentalität des Handels freien Lauf zu lassen.  Wie kann diese Gesellschaft immer mehr Tierwohl wollen und an der Ladentheke sich dem Preis dafür verweigern? Diesen Widerspruch hat die künftige Bundesregierung zu lösen. Ich fordere deshalb endlich eine gesellschaftliche Diskussion darüber“, so Vogel am Rande der Winterschulung der Interessengemeinschaft der Erzeugerzusammenschlüsse in Sachsen, an der auch DBV-Milchpräsident Karsten Schmal teilnahm.

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12 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Ottmar Ilchmann · 1.
    Keine Ahnung

    Der Bauernverband sollte mal eine gemeinsame Linie abstimmen! Sind die Preise jetzt "augenblicklich stabil" (Schmal), oder ist die aktuelle Situation auf dem Milchmarkt "äußerst angespannt und existenzbedrohend" (Vogel). Hoffentlich folgt die Politik diesmal nicht den Vorgaben eines Verbandes, der durch so extreme Unterschiede in der Wahrnehmung der Realität seine Unkenntnis und Konzeptlosigkeit in Sachen Milch so deutlich demonstriert.

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  2. von Otto Klapfenberger · 2.
    Molkereigenossenschaften

    Herr Rößle, bin mir gerade nicht ganz sicher wie hoch der Marktanteil der Molkereigenossenschaften ist, und in wie weit diese bereit wären den Weg der Bündelung durch Erzeugergemeinschaften mitzugehen... "Bei nicht kostendeckenden Preisen hören auch "große" Betriebe auf." Nun bisher wurden die überschuldeten "großen" Betriebe zum Großteil an außerlandwirtschaftliche Besitzer veräußert, die dann in noch größeren Strukturen, oder wie bisher weiter werkeln.

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  3. von Rudolf Rößle · 3.
    @Klapfenberger

    gut gemanagte Erzeugergemeinschaften könnten sehr wohl die erzeugte Mengen Steuern und gewinnbringend vermarkten. Nur die Landwirte sind noch nicht bereit sich zu bündeln und sich marktorientiert zu verhalten. Bei unseren Einkaufsgemeinschaften besteht ein gutes Miteinander. Bei nicht kostendeckenden Preisen hören auch "große" Betriebe auf.

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  4. von Gerd Schuette · 4.

    Immerhin hat Herr Vogel, im Gegensatz zu Herrn Schmal, erkannt dass die Lage auf dem Milchmarkt "äußerst angespannt" und "existensgefährdend" ist.

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  5. von Otto Klapfenberger · 5.
    weniger liefern

    ist zwar immer schön gesagt, aber wer genau bei knapp 70.000 Betrieben soll da Einzelbetrieblich die Menge reduzieren? Die einen reduzieren und halten den Preis stabil die andern geben Vollgas, und die anderen weiter reduzieren müssen? Wer glaubt den wirklich das 70.000 Betriebe freiwillig reduzieren? Klappt bei den Rüben wie man sieht auch nicht. Mehr Rüben und 30% weniger Preis. Auch die restliche Wirtschaft schafft das auch nicht. Es gibt solange einen Preiskampf bis nur noch ein paar Firmen einer Branche übrig bleiben, die dann quasi den Preis absprechen wie es eben Aldi, Lidl, Edeka und Rewe ja auch machen. Nur eine Quote kann den Markt für alle regeln. Alternativ wird es solange einen "Strukturwandel" bis die restlichen Betriebe derart groß sind und die Preise (mit)bestimmen können!

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  6. von Bernhard ten Veen · 6.
    völliger Blödsinn...

    Kein wunder dass die Verbraucher sich bei 2 € und/oder mehr sich beim Kauf zurückhalten. Machen die Bauern doch auch wenn der Dünger "zu teuer" ist... Ganz normal. Was nicht normal ist, ist die Tatsache,dass Milchlieferanten immer NUR von "Kriese" reden und allein in Ihrem Interresse immer noch mehr liefern. anstatt nachzudenken und sich auf das gegenwärtige beschränken... neee...muss ja mehr als mein Nachbar haben... mit weniger und dafür Stabiler und weniger Kostenintensiv. man...hört auf zu jammern.

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  7. von Franz Utz · 7.
    Und

    Gestern war das Butterregal ausverkauft. Soviel zur kaufzurückhaltung,die DBv ler sollten sich mal der Wahrheit stellen und nicht immer alles falsch interpretieren und rausposaunen.

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  8. von Jan Peter · 8.

    Leistung noch mehr steigern. Noch mehr Soja verfüttern. Mit weniger Kühen mehr melken. Dann läuft die Uhr richtig. Wie kann man nur stolz auf 10.000l und mehr Stalldurchschnitt sein? Wann kapieren das endlich mal mein Berufskollegen. Weniger ist oft mehr.

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  9. von Steffen Hinrichs · 9.
    Weniger kann auch mehr sein !

    Aber da ja jeder lieber durchschnittlich 6 % mehr liefert für 30cent statt weniger für 40cent wird sich da nichts ändern !

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  10. von Gerd Uken · 10.
    ich sehe das ja schon mal positiv

    Das der Herr Schmal an der Weiterbildung teilnimmt - vielleicht kommt ja noch einer drauf , das man nicht am Markt vorbeiproduzieren sollte....... alles andere ist Makulatur und hilft nichts.

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  11. von Gerd Schuette · 11.

    Herr Vogel beschreibt die IST-Situation und sieht als Ursache die Kaufzurückhaltung der Kunden. - mit anderen Worten: es wird mehr produziert als nachgefragt. Das eine Senkung der Produktion, das Mengenreduzierungsmaßnahmen, die passende Antwort auf die Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage ist, darauf kommt Herr Vogel nicht. Wie er überhaupt keinen Lösungsansatz für das Milchmarktproblem anzubieten hat. Statt dessen schwenkt er um auf einen anderen Themenbereich. Dieser ist ebenfalls wichtig, löst jedoch das grundsätzliche Problem, der Marktüberversorgung mit Milch, nicht.

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  12. von Karl-Heinz Mohrmann · 12.

    Herr Schmal vom DBV hat docj gerade gesagt der Milchmarkt läuft noch gut. Es besteht kein Grund irgendetwas zu ändern. Jeder soll soviel melken wie er kann.

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