Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest bei uns nur noch Frage der Zeit?!

Mastschweine Mastschweine
Bild: Archiv

Auch in Deutschland wird früher oder später die Afrikanische Schweinepest ankommen, entweder eingeschleppt über infizierte Wildschweine aus Polen oder Tschechien – evt. per Jagdtourismus – oder durch die unbedachte Einfuhr von Lebensmitteln. Da ist sich z.B. der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit, Christoph Mettenleiter, sicher: „Ein kontaminiertes Schinkenbrötchen kann reichen, um die Afrikanische Schweinepest hier einzubringen“, sagte er jüngst.

Auch die Zeitung WELT ist zusammen mit N24 der Meinung, dass ein Ausbruch bei uns unabwendbar sei und dann extrem teuer werde. Die Schweinebauern in ganz Deutschland seien in höchster Alarmbereitschaft. Das Bundeslandwirtschaftsministerium bereite sich intensiv auf den Ausbruch der Seuche vor und Schlachtbetriebe hätten Notfallpläne in den Schubladen, heißt es.

Krüsken geht von Milliardenschäden aus

DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken stellte in der "Süddeutschen Zeitung" klar:  "Die Seuche kommt näher". Die Folgen eines Ausbruchs wären immens. Breite sich der Erreger in Deutschland aus, drohe ein "wirtschaftlich katastrophales Szenario". Exportländer würden Schweinefleisch nicht mehr abnehmen, in Deutschland würden die Preise drastisch fallen.

Die möglichen Schäden für die deutsche Landwirtschaft liegen laut Krüsken "bei zwei bis drei Milliarden Euro pro Jahr". Rechne man die Kosten für die Seuchenbekämpfung und die gesamte Ernährungsbranche hinzu, lande man schnell in "zweistelliger Milliardenhöhe". Der Verband befürchtet eine neue Existenzkrise für viele Unternehmen.

Auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) warnt, dass eine Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest nach Deutschland „schwere wirtschaftliche Folgen“ für alle Schweinehalter mit sich brächte . Wirtschaftliche Schäden drohen auch Schlachtereien, Spediteuren und allen Fleisch verarbeitenden Betrieben, berichtet die WELT weiter.

Katastrophe für deutsche Schweinehochburgen

Die Gesamtzahl an schlachtreifen Mastschweinen in Deutschland mit mehr als 50 kg betrug laut den Berechnungen des Thünen-Instituts vor rund einem Jahr 12,25 Mio. Tiere. Die meisten Betriebe befinden sich in Nordrhein-Westfalen, die meisten Mastschweine in Niedersachsen. Der Durchschnittsbestand in Deutschland pro Betrieb betrug 574 Schweine, in den alten Bundesländern 541 und in den neuen Bundesländern 1833, also fast dreimal so viel.

In den alten Bundesländern hat Schleswig-Holstein mit 816 Tieren den höchsten Durchschnittsbestand pro Hof gefolgt von Niedersachsen mit 766 und Nordrhein-Westfalen mit 565, so die Zeitung weiter. Spitzenreiter in den neuen Bundesländern ist Mecklenburg-Vorpommern mit im Schnitt 2406 Mastschweinen pro Betrieb. Vereinzelt sind es aber viel mehr. Deutschland ist neben Spanien einer der größten Schweinefleischexporteure der Welt.

Pro gekeultes Schwein wurde beim letzten Seuchenzug in Nordrhein-Westfalen vor mehr als zehn Jahren nach Angaben des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) eine Entschädigung von 188,37 Euro gezahlt. Darin sind die Kosten für das Töten, das Reinigen und Desinfizieren sowie die Tierkörperbeseitigung enthalten. Im schlechtesten Fall kostet die Entsorgung der Tiere einen dreistelligen Millionenbetrag.

Denn wenn der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in einem Betrieb amtlich festgestellt worden ist, müssen alle Schweine sofort getötet und korrekt beseitigt werden. Dafür gibt es dann finanzielle Entschädigungen aus dem staatlichen Tierseuchenfonds.

Dazu kommen dann aber noch Ausgaben für Reinigung und Neubesetzung der Ställe. So kommen bei größeren Betrieben schnell Kosten von weit mehr als 100.000 Euro zusammen. Andere Bauern, die mit ihren bis dahin gesunden Tieren zum Beispiel in Lieferverbotszonen liegen, gehen leer aus, wenn sie nicht privat gegen Tierseuchen versichert sind. Und diese Versicherungen sind teuer.

Osteuropäer verstärken Gegenmaßnahmen

Das wissen auch die osteuropäischen Länder und unternehmen inzwischen alles, um eine Verbreitung zu stoppen. Laut Angaben der obersten polnischen Veterinärbehörde wurden allein zwischen dem 20. und 24. Dezember 45 neue Ausbrüche der Seuche bei Wildschweinen bestätigt. Jäger bekommen nun sechs Tage Sonderurlaub für die Bejagung. Und in Tschechien würden Scharfschützen der Polizei nachts zur Schwarzwildjagd eingesetzt, heißt es.

Die deutschen Bundesländer setzen hingegen zunehmend auf Abschussprämien, die die heimischen Jäger ermutigen sollen, trotz fallender Preise für Wildbret der Schwarzkittel häufiger auf die Jagd zu gehen. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es 25 Euro pro Tier extra, in Bayern 20 Euro.

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Leserkommentare Kommentieren

  1. von Martin Telgmann · 1.
    Nachtjagdhilfsmittel

    Wenn alle die (ASP) als großes Problem ansehen sollte die Politik, die in Deutschland verbotenen Nachtjagdhilfsmittel legalisieren (Kraft Gesetz) um die Schwarzwildjagd zu erleichtern. "Lange Rede hat kein Sinn"

    Das meinen unsere Leser:
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