Bauer Willi über Kastration und Vermarktung männlicher Schweine

Wie soll zukünftig die Vermarktung von männlichen Schweinen aussehen? Auf der Seite von „Wir sind Tierarzt“ ist dazu ein Beitrag erschienen, der die aktuelle Situation in Europa beschreibt. Bauer Willi hat dies tabellarisch auf www.bauerwilli.com zusammengefasst:

Kastration

Zu erkennen ist laut Bauer Willi, dass sich kaum einer mit Narkose beschäftigt, außer in den Niederlanden, die mit der sehr fragwürdigen, ja sogar tierquälerischen aber billigen Narkose mittels CO2 arbeiten. Zum Teil wird auch mit lokaler Betäubung gearbeitet. Und weiter schreibt er:

"Die Impfung (meist mit Improvac) hat in Belgien eine große Bedeutung, die Niederlande und Dänemark hingegen sehen darin keine Lösung. Alle anderen Staaten machen dazu keine Aussage, was so zu interpretieren ist, dass auch sie sich damit nicht beschäftigen wollen. Bei einigen deutschen Bio-Verbänden ist Improvac erlaubt, Rewe, Edeka und der Tierschutzbund stehen der Impfung ebenfalls offen gegenüber.

Die Verabreichung von Schmerzmittel mit Langzeitwirkung spielt auch nur in wenigen Staaten eine Rolle, in Österreich ist sie freiwillig.

Bei der Ebermast gibt es zwei große Lager: Staaten, die voll darauf setzen, wiederum andere, in denen derzeit die Ebermast derzeit (noch) keine große Rolle spielt.

In vielen Staaten wird auch weiterhin ohne Schmerzmittel oder andere Verfahren kastriert, obwohl sich die EU in der „Brüsseler Erklärung“ von 2011 darauf verständigt hat, grundsätzlich auf die Ferkelkastration zu verzichten. Nicht alle Staaten haben diese Erklärung unterschrieben.

So weit die Beschreibung des Ist-Zustandes. Doch wer kümmert sich jetzt um eine Vereinheitlichung?
Von vielen unbemerkt hat ein Discounter bereits in 2015 eine Entscheidung getroffen: seit Anfang 2015 akzeptiert LIDL beim Frischfleisch (neben weiblichen Tieren) nur noch unkastrierte männliche Tiere (wir haben bereits darüber berichtet). Werbung machen sie damit (aus verständlichen Gründen) nicht. Von Auffälligkeiten beim Verkauf wurde bisher nichts bekannt, folglich scheint der Kunde zufrieden zu sein.

Meine persönliche Meinung: auf lange Sicht führt an der Ebermast kein Weg vorbei. Aber ihr könnt das gerne anders sehen. Dann sagt mir auch, warum…

Euer Bauer Willi"

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6 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Gerhard Steffek · 1.
    Postfaktisch!

    Die ganze Diskussion ist doch wieder nur "Postfaktisch". Angeleiert durch die Tierwelt humanisierende "Tierschützer", die anscheinend zuviel Walt Disney Filme etc. pp. gesehen haben. Wie hier Paul Siewecke und Henrik Plaas-Beisemann bemerkten, ich selber auch schon geschrieben, der größte Streß den das Ferkel hat, hat es durch das Einfangen. Die Kastration bemerkt es anscheinend gar nicht, beobachtet man die Reaktion des Ferkels hernach. Der Vorschlag von Paul Siewecke die Tiere vorher ruhigzustellen ist zwar nicht schlecht, aber wie soll es geschehen, da die Ferkel zu dem Zeitpunkt zum Großteil noch Saugferkel sind? Sind die Schlachtgewichte niedriger wie eventuell in England besteht die Gefahr, dass das Fleisch zu weich ist, siehe Spanferkel, und der Metzger dadurch Probleme bekommt. Nicht umsonst nimmt man auch beim Rind für Hackfleisch und Wurst das Fleisch der älteren Milchkühe (und verarscht die Konsumenten wie Mc Donald mit seinem Simmentaller Rind). Die Immunokastration wird uns definitiv auf die Füße fallen, da bin ich mir so sicher wie mit dem Amen in der Kirche. Es stellt sich aber auch die Frage, wieso kommen die Discounter jetzt auf die Idee, sich hier wegen Eberfleisch zu engagieren ohne es zu puplizieren. Was haben sie davon? Normal heißt es ja: "tue Gutes und rede darüber". Aber das hier? Es ist auf alle Fälle ein gutes Beispiel, wie sehr der Verbraucher manipuliert wird.

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  2. von Josef Holschbach · 2.
    eberfleisch

    ein freund von mir ,sagte er habe von lidl schweinefleisch in den mülleimer geworfen da das fleisch nach schweineklo (so wörtlich) gestunken habe damit stehe er nicht alleine da. er würde bei lidl kein schweinefleisch mehr kaufen.

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  3. von Bernhard Randler · 3.
    Hallo Willi

    Hallo , habe vergangene Woche Gulaschfleisch bei Aldi gekauft. Hat gestunken wie Bahnhofsklo. Konnte man nicht essen. Auf Reklamation bei Aldi Süd haben die es weitergeleitet an den Hersteller. Obwohl Aldi Eberfleisch in die Regale nimmt haben Sie bei Reklamationen keines verkauft!! Der schwarze Peter wird einfach weitergegeben. Von diesem ein grosses Entschuldigungsschreiben mit dem Hinweis, dass sie es nicht erklären können was da wohl passiert ist. Das Wort Eber wurde peinlichst vermieden obwohl ich darauf hingewiesen habe. Bekam noch ein ganz tolles Kochbuch geschenkt damit ich wohl meine Klappe halte. Geruchssensible Menschen werden wohl den Schweinefleischverzehr stark reduzieren in Zukunft. Mfg B. Randler

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  4. von Wilhelm Gebken · 4.
    Schlachtgewicht

    Ich bin mir nicht 100% sicher, aber die obige Liste sollte durch die Schlachtgewichte in den jeweiligen Ländern ergänzt werden. M. W. werden Schweine in Großbritannien bereits mit ca. 70 kg geschlachtet, also vor der Geschlechtsreife. Ebergeruch und Rangkämpfe sind somit kein Thema. Die Alternative für uns wäre also: früher schlachten, was dann natürlich wieder die Grün/Linken auf den Plan rufen würde, die ja auch heute schon argumentieren, dass Schlachtschweine noch ihr Milchzähne hätten.

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  5. von Henrik Plaas-Beisemann · 5.
    Bauer Willi

    Ich habe eine oder besser gesagt zwei schöne Narben am linken Daumen. Da habe ich mir mit vierzehn ein Skalpell beim Kastrieren durch den Daumen geschoben. Ich habe es im ersten Moment nicht bemerkt und ich habe damals weiterkastriert. Das zum Thema Schmerz durch den Skalpellschnitt. Ich glaube wie mein Vorredner auch, dass das Hauptproblem der Stress durch das Einfangen ist. Improvac wird mit Sicherheit irgendwann als Hormonfleisch betitelt.

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  6. von Paul Siewecke · 6.
    Wer einmal einen "Stinker" in der Bratpfanne hatte...

    der wird wissen, warum eine zuverlässige Verhinderung des Ebergeruchs sinnvoll ist. Auch gab es schon Fälle, in denen unsachgemäß mit Eberduftspray umgegangen wurde, was von den Betroffenen (inklusive zuständigem Amtsgericht) dann als Körperverletzung gewertet wurde. Weder die Ebermast mit Kontrolle bei der Schlachtung noch die Improvac-Impfung schließen zu 100% aus, dass entsprechendes Fleisch in die Nahrungskette gelangt. Hinzu kommen die Risiken der Ebermast für die Tiere (vermehrt Rangkämpfe mit entsprechenden Verletzungen=Schmerzen!) und die nicht restlos geklärten Risiken durch eventuelle Rückstände der Immunokastration. Es bleibt also nur die bisher zuverlässigste Methode, die chirurgische Entfernung der Hoden! Dazu wird zukünftig gefordert, dass dies unter Schmerzausschaltung geschehen soll. Es wird aber völlig verkannt, dass der größte Stress für die Ferkel durch das Einfangen und Fixieren entsteht. Was also spricht dagegen, die Tiere ruhigzustellen (Beruhigungsmittel im Futter), dann die Kastration durchzuführen und mit Schmerzmitteln zu versorgen (örtlich). Dazu reicht normalerweise eine Einweisung durch den Tierarzt und gut is!

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