Ferkelkastration - Dalbert zu Bauern: „Sie wissen seit Jahren, was auf Sie zukommt!"

Prof Claudia Dalbert Prof Claudia Dalbert
Bild: Deter

Mutig darf die Entscheidung von Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert (Grüne) bezeichnet werden, als Gegnerin der Fristverlängerung für die betäubungslose Ferkelkastration vor die wütenden Sauenhalter zu treten. Rund 2000 demonstrierten am Donnerstag vor dem Tagungshotel in Bad Sassendorf. Hart und kompromisslos verdeutlichte die Ministerin, dass sie ihre Haltung auch nicht ändern werde. Wörtlich sagte sie:

„Ich vertrete die Landesregierung in Sachsen-Anhalt und die Länder, die sich dann auch im Bundesrat dagegen (Anm. d. Red. die Fristverlängerung) ausgesprochen haben, das Tierschutzgesetz hier nochmal um zwei Jahre die Deadline zu verlängern, weil wir sagen, es gibt Wege, wie Sie mit der Kastration der Ferkel umgehen können und ich finde, das Wichtigste für Sie als Wirtschaftsunternehmen ist Verlässlichkeit, und bei der Ferkelkastration wussten Sie alle, was kommt und Sie wussten, es ist nochmal verlängert worden. Und Sie müssen sich einrichten.

Der Lebensmitteleinzelhandel ist ja an vielen Stellen schon weiter als Sie. Deswegen die herzliche Bitte von mir, stellen Sie sich darauf ein! Darauf, was auch der Verbraucher will. Es wird keine Verlängerung geben!“ (Buh-Rufe, Dalbert zum neben ihr stehenden Landvolk-Präsidenten Schulte to Brinke: „Ich weiß was Sie wollen, aber wir wollen das nicht“)

„Und lassen Sie mich noch eins zur Verlässlichkeit sagen: Es geht nicht nur um die Ferkelkastration, sondern es geht auch um die Nutztierhaltungsverordnung. Und da würde ich mir wünschen, dass die Bundesregierung auch endlich mal Nägel mit Köpfen macht, weil ich weiß von vielen Betrieben bei mir im Land, die wollen ihre Schweinehaltung auf Gruppenhaltung umstellen und die fragen mich dann, wenn ich es so mache, ist das dann in zehn Jahren auch noch gültig. Und da kann ich nur sagen: Ich kann es euch nicht sagen, weil die Nutztierhaltungsverordnung verändert werden muss. Insofern werden Sie auch bei uns immer einen Partner haben, wenn es um Verlässlichkeit geht. (Gelächter)
 
Da brauchen Sie gar nicht zu lachen. Verlässlichkeit ist wichtig und bei der Ferkelkastration wissen Sie seit Jahren, was auf Sie zukommt.“

Weitere Redner waren NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Essen sowie die oberen Vertreter von RLV, WLV, HBV und ISN.

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Klöckner noch nicht vor Ort
 
Noch nicht anwesend in Bad Sassendorf war Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Sie ließ aber von ihrer Pressestelle ausrichten, dass über 60 Tagesordnungspunkte, von Afrikanischer Schweinepest bis zur WTO auf dem Plan stünden. Zur Kastration sagte sie aber nichts.

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9 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Wilhelm Grimm · 1.
    Es stimmt Wilhelm Gebken, es wird noch schlimmer werden.

    Das Fachrecht spielt in der Politik keine Rolle und stört bei den ständigen Eingriffen in das Eigentum.

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  2. von Christian Bothe · 2.

    Nicht aufregen,die Dame ist Psychologin und als LW- Ministerin in SA tätig ohne etwas davon zu verstehen.Die Kollegen dort hatten bei deren Ernennung schon einige „Geschütze“ aufgefahren.Hat aber leider nichts genutzt...

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  3. von Willy Toft · 3.
    Die Ferkelerzeuger erklären der Politik, was machbar ist, und nicht geht!

    Da hören sich anscheinend die Kontrahenten nicht mehr richtig zu, oder ist es Absicht die Ferkelerzeugung zu schaden! Die Ferkelerzeuger machen alles Gangbare mit, nur die Bedenkenträger der Politik leisten hier gerade einen Bärendienst für den Mainstream!

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  4. von Wilhelm Grimm · 4.
    Wir wissen seit Jahren,

    aber die Politik hat die Gebrauchsanweisung nicht liefern können.

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  5. von Wilhelm Gebken · 5.
    Kolegen, Ihr wisst jetzt was auf Euch zukommt, nicht nur bei den Ferkeln:

    Da gibt es eine Verwaltung, als Volksvertretung kann man sowas ja nicht bezeichnen und ordnet etwas an, was gar nicht umzusetzen ist. Wenn dann der Tag X gekommen ist, wird einfach lappidar gesagt: " Sie wussten seit Jahren was auf Sie zukommt. Sie hätten gem. unserer Anordnung in der Zeit die eierlegende Wollmilchsau erfinden müssen. Das haben Sie nicht gemacht, daher müssen Sie jetzt untergehen." Genauso läuft es beim Diesel und ganz vielen anderen Dingen. Und: Es wird noch schlimmer werden!

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  6. von Paul Siewecke · 6.
    Korrektur...

    Es sollte heißen: ...das will (vorläufig) auch der Verbraucher..... Da ist mir leider ein Wort abhanden gekommen!

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  7. von Paul Siewecke · 7.
    Der Verbraucher will....

    keine betäubungslose Ferkelkastration aber auch kein Schnitzel, das aus der Pfanne nach Schweineklo stinkt. Eber funktioniert nicht wirklich wegen des nötigen Endgewichtes und der kurz vorher einsetzenden Geschlechtsreife mit den dazugehörigen Rangkämpfen. Kastrieren mit Betäubung, da spielen die Veterinäre nicht mit. Alles steuert auf Improvac als einzige Alternative hin... das will (vorläufig!) aber auch In wie fern diese ganze Debatte mit Hilfe der Sozialen Netzwerke durch die "Hochinteressierten" am Improvac-Einsatz (Hersteller Zoetis, bis 2013 eine Tochter von Pfizer, damit also genügend Lobbyisten unterwegs!) angeschoben wurde, wissen nur die Begünstigten selbst....

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  8. von Wolfgang Daiber · 8.
    Aufruf zum Stinkeressen

    An die Adresse der Frau Professorin,das was sie von sich geben ist eine Frechheit sondersgleichen.Sie bekommen eine Einladung zum Stinkerfleisch essen.Dann merken Sie überhaupt von was reden,und was sie der Bürgern zumuten wollen. Dieses ganze Thema ist ein" Politisches Schmierenstück" par Exellance um bei ihrem politischen Klientel gut dazustehen. In was für einer Bananenrepublik leben wir eigentlich,dieses Land ist nicht mehr mein Land

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  9. von Hermann Stroemer · 9.
    Die Politik

    weiß auch seit Jahren, dass Vermarktung und Umsetzung der Alternativen unzureichend sind. Und sie darf dann auch nicht rumjammern, wenn gerade wieder die Kleinen in den Sack hauen und die Ferkel aus Dänemark und anderen Ländern hergekarrt werden...

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