Mut machen geht anders!

Marcus Arden Marcus Arden
Bild: Heil

Ein Kommentar von Marcus Arden

Wer als Sauenhalter die Abschlusspressekonferenz zur Agrarministerkonferenz zum Thema Ferkelkastration verfolgt, verliert langsam auch das letzte Zutrauen in die Lösungskompetenz der Politik. Anstatt zu handeln, attackiert man sich untereinander. SPD gegen Grüne, Grüne gegen CDU und SPD usw.

Wenig schmeichelhaft verhält sich auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner: Sie fühlt sich beim Thema Kastration gar nicht zuständig, teilt die Ministerin verdutzten Zuhörern mit. Das seien die Regierungsfraktionen, schiebt sie den Schwarzen Peter an den Bundestag weiter. Damit macht es sich die Bundesministerin ziemlich leicht, wie ein Blick in das Grundgesetz belegt. In Artikel 76 steht: „Gesetzesvorlagen werden beim Bundestag durch die Bundesregierung, aus der Mitte des Bundestages oder durch den Bundesrat eingebracht.“ Klöckner könnte also auch handeln, wenn sie denn wollte. Offenbar will sie nicht.

Die deutschen Ferkelerzeuger indes drohen in dem Hickhack langsam aber sicher unterzugehen. Keiner nimmt die berechtigten Existenzsorgen der vielen tausend Sauenhalter ernst. Sie sind zum Spielball geworden, der munter zwischen Politik, Schlachtkonzernen und Lebensmitteleinzelhandel hin und her getreten wird. Überhaupt nicht ins Bild passt da die Aussage von Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsministerin Prof. Claudia Dalbert. „Sie wissen seit Jahren, was auf Sie zukommt“, behauptete die Ministerin gestern vor dem Start der Agrarministerkonferenz in Bad Sassendorf vor protestierenden Landwirten. Genau das wissen die Bauern eben nicht!

Gebetsmühlenartig wird ihnen von den Schlachtern und dem Lebensmitteleinzelhandel gesagt, dass Eberfleisch und Fleisch von immunokastrierten Tieren nicht zu vermarkten ist. Nur wenige Landwirte sind deshalb auf den „Eber-Zug“ aufgesprungen und haben das Abenteuer „Mast von intakten männlichen Tieren“ gewagt. Alle anderen, die auf praktikable, bezahlbare Alternativen gehofft haben, stehen weiterhin voll im Regen. Denn praxisnahe Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration werden den Bauern verwehrt, während dänische und holländische Ferkel immer stärker zum deutschen Standardferkel mit Migrationshintergrund werden.

Bleibt zu hoffen, dass die Regierungsfraktionen CDU/CSU und SPD sich doch noch zusammenraufen und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner Anfang Oktober auffordern, einen Regelungsvorschlag auf den Tisch zu legen. Dann wäre sie definitiv zuständig.

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16 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Heinrich Vinnemann · 1.

    Das politische Berlin ist noch viel schlimmer als das kleine Bonn unter einer politischen Dunstglocke. Keiner merkt mehr , was den Menschen wirklich unter den Nägeln brennt. Die AfD wird davon leider profitieren. Die grosse Koalition ist heute mehrheitsmässig schon eine Minderheitsregierung. Das Parlament ist unfähig seinem Auftrag als Vertreter des Volkes eine für alle tragbare Lösung in vielen politischen Bereichen zu finden, gerecht zu werden. Dies ist die Katastrophe der letzten Jahre. Politische Schreihälse haben in fast allen Bereichen die Meinungsführerschaft übernommen. Die Presse versagt vollends, da sie nur noch Auflage und Radau schaut und die wirklichen Probleme nicht zu sehen in der Lage ist. Eine der Gruppen sind die Bauern , die wie im Schachspiel von den Hauptprotagonisten mal eben geopfert werden.

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  2. von Karl-Heinz Mohrmann · 2.

    Wenn Merkel geht wird auch ihre Ziehtochter Klöckner mit ihr untergehen

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  3. von Jörg Meyer · 3.
    Die "Kritiker der modernen Landwirtschaft" gehen ja nicht nach hause und hören auf

    wenn Sie bekommen würden was sie heute fordern, mal unabhängig von der Sinnhaftigkeit! Hier hat sich eine profitable "Gutmenschenindustrie" entwickelt mit attraktiven Arbeitsplätzen von den NGOs bis in die Ministerien! Wenn die heutigen Forderungen abgearbeitet sind werden neue kommen und danach wieder neue und immer so weiter! Wer hofft das Ganze wird vorübergehen und wenn er sich wegduckt ohne ihn und seinen Betrieb zu treffen der irrt! Nur wenn wir endlich dem ganzen auch deutliche Worte hinterlegt mit Expertise entgegensetzen und eine heftige Diskussion mit dem Risiko der "politischen Niederlage" nicht scheuen nur dann wird das ganze langsam weniger werden, weil auch die "Anderen" immer öfters verlieren werden wenn sie zuviel fordern . Mit dem Willen zum Konsenz mit den Kritikern werden wir immer verlieren, leider! Auf der anderen Seite müssen wir aber auch offensiv dem "Normalbürger" entgegenkommen mit Offentlichkeitsarbeit etc...

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  4. von Wilhelm Grimm · 4.
    Frau Klöckner am Scheideweg.

    Bis jetzt hat sie die Landwirtschaft ganz gut vertreten. In dieser Frage wird sie sich auf Geheiß der CDU-Spitze mit Frau Schulze einigen müssen.. Aber CDU/CSU und SPD haben sich auf dem Nebenkriegsschauplatz Maaßen bereits gefetzt wie die Kesselflicker. Und die NABU-Schulz wird keinen Millimeter ihrer NABU-Vorgaben opfern. Diese Regierung ist zu serösen Entscheidungen nicht in der Lage. Und Frau Klöckner auch nicht.. Eine sachgerechte Lösung wird es nur geben, wenn das BMEL die landwirtschaftlichen Themen federführend allein entscheiden darf.

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  5. von Matthias Zahn · 5.
    @Kremershof

    Beim gemeinsamen Auftreten wirds schwierig. Ein drittel ist gedanklich schon aus der Landwirtschaft ausgestiegen. Ein weiteres drittel hat die Situation so akzeptiert und die Flucht nach vorne angetreten inklusive einer massiven Verschuldung der Betriebe und einer so hohen Arbeitsbelastung, dass man über das was man tut gar nicht mehr nachdenkt. Und von dem drittel das übrig bleibt, ist nur ein Bruchteil politisch aktiv..... und das wars dann auch schon..... um eine breite Bewegung zu bekommen muss die Situation erst noch schlechter werden.....

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  6. von Torsten Kremershof · 6.
    Landwirtschaft muss endlich geschlossen auftreten.

    Egal ob bei der Ferkelkastration, Düngerverordnung, Pflanzenschutz, Geschlechtsbestimmung von Eiern , Milchmarkt Politik , Klimaschutz , Nitrat Debatte, Reform der Lsvg, ........ Etc PP. Die Politik schafft keine tragfähigen Lösungen , sondern nur neue unlösbare Probleme . Die entscheidende Frage bei allen diesen Problemlösungsversuchen ist doch die Wirtschaftlichkeit im europäischen und internationalen Wettbewerb. Darauf gibt es von der Politik keinerlei Antwort. Wir Landwirte dienen nur noch als Spielball einer kollabierenden Gesellschaft und profilierungssüchtigen Politiker Gilde ohne jedweden Sachverstand . Ich empfehle jedem Berufskollegen einmal als Beispiel einen Blick in die TRwS 792 zu werfen . Diese ,wie auch viele andere hochbürokratischen Verordnungen aus Brüssel oder Berlin , zeigt eindeutig das die Politik schon lange jedwede wirtschaftliche und fachliche Vernunft verloren hat. Auch die Dürre Katastrophe ist nicht annähernd politisch gelöst. Denn die Dürre ist ja immer noch nicht vorbei . Die wenigen Niederschläge die es vor dem bevorstehenden Vegetationsende gegeben hat werden die fehlenden Erträge nicht mehr bringen. Auch der drohende Ausbruch der Asp mit Keulung betrofener Gebiete wird wohl kaum von diesen Möchtegern-Experten gelöst werden können. Fazit : Die Politik ist nicht mehr, auch nur annähernd in der Lage , die meist selbstgebastelten Probleme zu lösen. Wenn der Berufsstand nicht endlich geschlossen auftritt und sich massiv Gehör verschafft , notfalls auch durch behördlichen Ungehorsam und einen Agrar- Streik um endlich wirtschaftlich tragbare Lösungen auszuhandeln , dann werden wir alle wirtschaftlich den Bach runter gehen und im internationalen Wettbewerb ersticken .

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  7. von Matthias Zahn · 7.
    Frau Klöckners Haltung ist nachvollziehbar

    Ebenso machte auch Frau Dr. Hartwig neulich auf einer Milchwirtschaftlichen Veranstaltung deutlich, dass BMEL sehe sich als "Zuschauer Beobachter" des Marktes. Und nicht als Akteur. Immer schön mitreden aber keinerlei Verantwortung übernehmen. Diese Haltung wird noch vielen Schweine- und Milchviehhaltern die Existenz kosten. Da die Übermacht der abnehmenden Seite und des Handels zu groß ist und die Bauern hier zuwenig entgegensetzen können. Es wäre eigentlich die Aufgabe der Politik dieses Missverhältnis durch politische Entscheidungen zu korrigieren. Aber dieser Verantwortung entziehen sich unsere Politiker zunehmend!

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  8. von Wilhelm Gebken · 8.
    Was will man denn von Politikerdarstellern anderes erwarten?

    Niemand von den in Deutschland an Entscheidungen beteiligten Schauspielern hat sein Abgeordnetenmandat oder seinen Ministerposten bekommen, weil er eine klare, auf guter Ausbildung, fundiertem Wissen, eigenem Denken und Lebenserfahrung beruhender Meinung hat und diese auch in einer demokratischen Debattenkultur vertreten könnte und dürfte! Alle hier benannten und beteiligten Schauspieler haben ihren Posten, weil ihr einziges Talent darin besteht, das Postengeschacher im Hinterzimmer zu ihren eigenen Gunsten zu entscheiden. Die auf diese Art erfolgte "Auslese der in diesem Bereich Fittesten" macht sich immer negativer in der Politik bemerkbar: Diese Leute wurden gewählt, weil Sie stellvertretend für den Souverän Richtungsentscheidungen treffen sollen. Exakt das aber können sie nicht. Erstens weil dies nicht ihren Fähigkeiten entspricht und zweitens weil schon ein potentieller Nachfolger mit dem Messer in der Hand hinter ihrem Rücken steht und auf Fehler wartet. Dieses negative Muster betrifft nicht nur die Ferkelkastration,es betrifft alle kleinen und großen Probleme, die sich teilweise seit mehr als 30 Jahren zu einem riesigen Problemberg aufgestaut haben und sich natürlich irgendwann Bahn brechen werden.

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  9. von Willy Toft · 9.
    Jeder versucht die Schuld bei den Anderen zu suchen!

    Es gibt nur 2 Wege, die "Gangbar" wären, entweder alles so zu belassen, oder die Lokalanästhesie wie es unsere Nachbarländer vormachen!! Backhaus ist am nächsten dran, er kennt die Problematik!

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  10. von Anton Schulze Grotthoff · 10.
    Politische Karriere

    wenn man wie Frau Klöckner noch weiter politische Karriere mache will,dann kann sie sich scheinbar nicht mit dem unbeliebten und unbequemen Thema Ferkelkastration bekleckern .Schade für den Berufsstand,wenn genügend politisches Rückgrad fehlt!!

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  11. von Wilhelm Grimm · 11.
    Wir sollen aufeinander zu gehen, so lautet die Aufforderung aus der Medienlandschaft.

    Auf wen denn und auf was denn????? Selbst aus unseren eigenen Reihen gab und gibt es diese Ratschläge. Das ist unrealistisch und naiv.

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  12. von Harald Finzel · 12.

    Bei der Bundestagswahl 2017 hat die rechtspopulistische AfD in der Gesamtbevölkerung 13 % erreicht. Von den Landwirten wurde sie mit 8 % nur unterdurchschnittlich gewählt. Ich fürchte, dass sich letzteres bei den kommenden Wahlen ändern wird.

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  13. von Döring KG Borken · 13.

    Genau wie bei der Düngevrerordnung! Nur hier sorgte Brüssel für Einigungsdruck! Und jetzt?

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  14. von Georg Rensmann · 14.
    Ich kann der

    Thomas u. Helmut Gahse GbR nur zustimmen, genau so banal ist es was die AfD so stark macht. Wenn es so weiter geht haben wir auch die vielen Splitterparteien wie in Italien. Dort hakt es auch ständig. Und wo es hakt nimmt man den Menschen auch den Mut das es besser wird.

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  15. von Jens Haman · 15.

    Jetzt kann man Frau Klöckner genau einschätzen. Wenn es ernsthaft bedrohlich wird, dann rettet sie ihren Allerwertesten statt den derer, für die sie zuständig ist! Wer sich auf die Politik verlässt, der ist nun mal verlassen!

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  16. von Thomas u. Helmut Gahse GbR · 16.
    Theater

    Genau solches politische Theater verhilft der AFD zu Ihren Stimmen.

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