Neue Studie: Ökologische Ebermast funktioniert, aber …

Bioschwein Bioschwein
Bild: BÖLN

Eine bedarfsgerechte und zugleich wirtschaftliche Fütterung von Ebern ist unter den Bedingungen des ökologischen Landbaus grundsätzlich möglich. Zudem liegt der Anteil von Tieren mit unerwünschtem Ebergeruch bei ökologischer Haltung deutlich niedriger als im konventionellen Bereich.

Das sind die zentralen Ergebnisse einer 3-jährigen Studie der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, der Universität Kassel und der Hochschule Ostwestfalen-Lippe, die vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) finanziert wurde.
 
Ziel der Studie war es, ein Konzept zur ökologischen Ebermast zu entwickeln, das sich in Bezug auf eine ökologische Fütterung und Haltung am Bedarf von Jungebern orientiert. Zudem wurde die Verarbeitungseignung von Eberfleisch aus ökologischer Haltung untersucht. Im Bereich der Erzeugung sollte vor allem die Zahl geruchsauffälliger Tiere minimiert werden, da diese schwer zu verarbeiten beziehungsweise nicht vermarktungsfähig sind. Da eine Ferkelkastration im ökologischen Landbau ohne Betäubung oder Schmerzmittel nicht zulässig ist, versucht man seit längerem, die Ebermast zu optimieren.
 
Die Studie wurde auf fünf Praxis-Biobetrieben durchgeführt. Drei Betriebe fütterten die Eber mit den jeweils für die Ebermast optimierten betriebsüblichen Rationen, die auch die Vergleichsgruppen mit Börgen erhielten. Zwei weitere Betriebe setzten ein spezielles Biofuttermittel ein, das zuvor in einer Testphase im Rahmen der Studie entwickelt wurde und auf den höheren Eiweißbedarf von Ebern zugeschnitten war.
 
Unabhängig vom eingesetzten Futtermittel hatten die Eber im Vergleich zur Kontrollgruppe mit Börgen auf allen Betrieben schlechtere Tageszunahmen und längere Mastzeiten, überzeugten jedoch durch deutlich höhere Magerfleischanteile. Ein Effekt, der auch aus der konventionellen Ebermast bekannt ist. Insgesamt variierten die Mast- und Schlachtleistungen der Eber zwischen den Betrieben sehr stark, wobei mit dem vorab entwickelten Testfutter tendenziell bessere Ergebnisse erzielt wurden.
 
Entscheidenden Einfluss auf den Masterfolg hat nach Einschätzung der Forscher vor allem die Qualität des betrieblichen Managements. Eine betriebswirtschaftliche Auswertung auf einem Betrieb ergab, dass bei Einsatz des eiweißreichen Testfutters eine annähernd gleiche Futterverwertung bei Ebern und Börgen erzielen werden kann. Daraus schließen die Forscher, dass bei gutem Management eine wirtschaftliche Ebermast grundsätzlich möglich ist.
 
Der Anteil geruchsauffälliger Eber lag in der Studie bei durchschnittlich 1,4 Prozent und damit deutlich niedriger als im konventionellen Bereich, wo ein Anteil von fünf bis zehn Prozent üblich ist. Ein Einfluss des Futtermittels oder der Fütterungsstrategie auf den Anteil auffälliger Tiere konnte nicht nachgewiesen werden. Deshalb vermuten die Wissenschaftler, dass die niedrige Zahl geruchsauffälliger Eber vor allem auf der extensiven ökologischen Haltung mit mehr Platz, Einstreu und Raufuttergaben für die Einzeltiere beruht. Das könnte die Bildung von Stresshormonen verringern, die allgemein für die Ausbildung von geruchsauffälligem Fleisch verantwortlich gemacht werden.
 
Eine flächendeckende Einführung der ökologischen Ebermast ist jedoch trotz der vielversprechenden Ergebnisse mit Risiken verbunden, da es auf der Verarbeitungsstufe nicht gelang, ausschließlich verlässlich geruchsfreie Endprodukte herzustellen. Die Untersuchungen zur Verarbeitung von auffälligem Eberfleisch ergaben, dass sich das Fleisch eher für Produkte eignet, die nicht zum Warmverzehr vorgesehen sind.
 

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