Repräsentativstudie: Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung wird zunehmend kritisch gesehen

Klaus-Peter Schöppner Klaus-Peter Schöppner stellte die Umfrageergebnisse auf der Grünen Woche vor
Bild: Deter

Den Einsatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung empfinden immer mehr Deutsche als bedrohlich. Das ist ein Ergebnis einer aktuellen Repräsentativ-Untersuchung von Mente>Factum aus der 1. Januarwoche 2018. Danach halten 80 % der Befragten die Gefährdung durch Antibiotika für sehr groß.

Insbesondere junge Menschen sehen hier ein echtes Problem (86 %). Gleichzeitig nehmen die Vorbehalte in der Bevölkerung gegen die Fleischbranche trotz eines steigenden Fleischverzehrs weiter zu. Fast die Hälfte der Befragten fühlt sich von Wurst- und Fleischproduzenten mit ihren Bedenken nicht ernst genommen (49 %) und 68 % erkennen im Umgang mit Antibiotika keinen verantwortungsvollen Umgang.

„Die Ergebnisse machen deutlich, dass es höchste Zeit wird, dass wir als Fleisch- und Wurstproduzenten unsere Haltung gegenüber den Verbrauchern ändern und jetzt handeln müssen“, ordnet Hans-Ewald Reinert, Geschäftsführer der Reinert Privat-Fleischerei, die Ergebnisse ein. In der aktuellen Untersuchung sprechen immer noch 55 % der Befragten den Fleisch- und Wurstproduzenten ihr Vertrauen aus. Damit liegen Fleischerzeuger und Produzenten laut GPRA-Vertrauensindex auf Augenhöhe mit der übrigen Lebensmittelindustrie (45 % Vertrauen in die Ehrlichkeit der Aussagen).

Allerdings hat die Branche in den vergangenen Jahren bereits deutlich an Vertrauen in der Öffentlichkeit verloren. So ist der Indexwert von 64 im Jahr 2010 auf 45 im Jahr 2017 gesunken (Quelle: GPRA-Vertrauensindex).

„Mit der Antibiotikathematik ist erneut ein Problem aus der Massentierhaltung beim Verbraucher angekommen. Die Fleischbranche sollte die Ängste in der Bevölkerung ernst nehmen, ansonsten droht weiterer Vertrauensverlust“, kommentiert Klaus-Peter Schöppner, Geschäftsführer Mente>Factum, die Ergebnisse der Befragung.

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3 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Erwin Schmidbauer · 1.
    Schizophren

    80 % der Befragten haben bedenken bei einem Antibiotikaeinsatz bei Nutztieren, aber selbst wird viel zu oft zum Arzt gelaufen und die Verschreibung von Antibiotika gefordert. Hier zeigt sich ein akuter Widerspruch zwischen Fremdforderung und Eigenverhalten. Kann man den Verbrauchern nicht ganz vernüftig klar machen, dass man bei Tieren auch Antibiotika braucht, wenn diese krank sind? Schliesslich verwenden sie auch bei Krankheit Antibiotika und die Erkrankungen dürften wohl keine Folge der "Massenmenschenhaltung" sein, oder täuschen wir uns da alle? Oder ist die Ignoranz der Verbraucher schon so weit fortgeschritten, dass sie für Argumente nicht mehr zugänglich sind? Meiner Meinung nach wären hier alle gefordert, Aufklärungsarbeit zu leisten.

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  2. von Gerhard Steffek · 2.
    Vertrauensverlust?

    Vielleicht ist das ganze ganz einfach damit zu begründen, daß auch die Fleischbranche ständig am Verbraucher vorbeikommuniziert hat. Anstatt dem Verbraucher ständig irgendwelche anheimeligen heile Weltszenarien vorzugauckeln, wäre es vielleicht besser gewesen ihm klarzulegen das der Bauer, sowohl auch der Metzger, einen verantwortungsvollen Umgang mit den Tieren pflegen, anstatt sich von irgendwelchen selbsternannten Weltverbesserern in die Schmuddelecke drängen zu lassen. Qualität hat seinen Preis. Das fatale an der Geschichte ist aber, das diese Qualität heute für einen Schleuderpreis zu haben ist, da schlichtweg zu viel da ist. Nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern EU- und auch Weltweit. Wie H-B Muenzebrock schon geschrieben hat, wenn der deutsche Bauer nicht liefert, dann liefert es ein anderer. Dies sprach übrigens heute Christian Schmidt im Morgenmagazin an. Er sagte da zu Recht, daß wir hohe Standards im Tierwohl haben. Wenn aber diese nicht bezahlt werden dann führt das dazu das der deutsche Landwirt aufhört und wir dann die Ware aus Ländern mit weniger Tierwohl bekommen. Nur ist er mir mit dieser Aussage immer "zu leise", nicht deutlich genug. Sie muß ja schließlich auch beim Verbraucher ankommen. Wobei auch dem Handel ein gehöriger Teil an Schuld zukommt. Solange der seine Lieferanten auspreßt wie eine Zitrone, solange kann der Quadratur des Kreises wie es der Verbraucher wünscht, Tierwohl und bäuerliche Landwirtschaft, nicht Rechnung getragen werden. Abgesehen davon stellt sich zusätzlich die Frage: ist es tatsächlich der Wunsch des "gemeinen" Verbrauchers, oder ist es nur der Wunsch einiger Weltverbesserer, bzw. Vertreter eigener Interessen, die nur ständig den Verbraucher als Alibi vor sich herschieben. Da gilt es dann, auch von Seiten der Fleischindustrie, diesen den Wind aus den Segeln zu nehmen.

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  3. von Heinrich-Bernhard Muenzebrock · 3.
    Vertrauen muss bezahlt werden

    Verbraucher fordern kein Antibiotika, mehr Platz für die Tiere (am besten mit Auslauf), weniger Gülle, weniger Emissionen durch Tiere usw.. Wenn ich etwas fordere muss ich auf der anderen Seite auch bereit sein mehr zu zahlen!!! - da scheiden sich die Geister. Die Statistik im Beitrag ist das Papier nicht wert worauf sie gedruckt wurde. Ich habe schon mehrfach angemerkt, dass Wünsche- und das Verhalten der Verbraucher zwei Paar Schuhe sind. Für 80% der Verbraucher ist der Preis für das Fleisch an der Ladentheke oder im Kühlregal wichtig. Die Bestätigung meiner These liefern die Discounter: Sie konnten ihren Umsatz weiter ausbauen. Schweine kann man sicherlich auch ohne den Einsatz von Antibiotika mästen. Man kann den Tieren auch wesentlich mehr Platz anbieten. Dafür müssen die Landwirte aber auch entlohnt werden. Auf der anderen Seite würde der Selbstversorgungsgrad unter 100 Prozent fallen und die Verbraucher müssten mit Engpässen rechnen. Der Irrsinn nimmt seinen Lauf: um diese "Unterversorgung" auszugleichen wird Fleisch importiert. Wir würden Marktanteile verlieren, die Verbraucher sind satt, die Margen der Handelsriesen und Schlachter werden größer usw. Am Ende sind die deutschen Landwirte die Loser??.

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