Rewe-Manager Breloh: „Verbraucher muss Tierwohl-Anstrengungen am Preis erkennen können“

Gruppenbild Dr. Lutz Wagner, Dr. Gereon Schulze Althoff, Dr. Jörg Bauer, Dr. Ludger Breloh, Dr. Dirk Hesse, Bernd Bröring
Bild: Bröring

Über die vielen ungelösten Probleme in der Schweineproduktion wie etwa die Ferkelkastration, die ASP oder den Kastenstand diskutierten über 400 Teilnehmer am 25. September bei der Veranstaltung „Fokus Schwein“ in Twistringen. Eingeladen hatte die Bröring Unternehmensgruppe aus Dinklage.
 
Dr. Ludger Breloh, Bereichsleiter Strategie & Innovation im Agrarsektor der REWE Group, sieht in der Einführung der freiwilligen Haltungskennzeichnung in vier Stufen durch den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) eine gute Möglichkeit, die Forderung der Verbraucher nach mehr Tierwohl umzusetzen. Seiner Meinung nach muss das Fleisch aus den Stufen jeweils teurer werden als die vorherige Stufe, ein Verramschen des Fleisches dürfe nicht passieren.  „Anhand des Preises muss der Verbraucher unsere Mehranstrengung in Richtung Tierwohl erkennen können, sonst macht sich die ganze Branche unglaubwürdig.“
 
Hinsichtlich des noch immer ungelösten Problems der Ferkelkastration gab Dr. Breloh zu, dass die Branche die Landwirte darüber im Unklaren gelassen habe, wie dieses Problem gelöst werden kann. Um die deutsche Schweinehaltung zu schützen, wäre für ihn auch ein praktikabler Weg, das privatwirtschaftliche QS-Siegel so zu verändern, dass nur noch Fleisch, welches nach deutschem Recht produziert wurde, das QS-Siegel tragen dürfe.
 
Auch ein konsequentes 4xD, also Ferkel geboren, aufgezogen, gemästet und geschlachtet in Deutschland könnte eine Lösung sein, um die Auswirkungen der EU-weit uneinheitlichen Regelung in der Ferkelkastration für die deutschen Landwirte auszugleichen.
 
Mehrkosten für Tierschutz auf Verbraucher umlegen
 
Auch das Problem Afrikanische Schweinepest (ASP) - besonders seit den aktuellen ASP-Wildschweinfunden in Belgien - ist eine Bedrohung für die deutsche Schweineproduktion, erklärte Dr. Gereon Schulze Althoff, Leiter Qualitätsmanagement und Veterinärwesen bei der Tönnies Gruppe. „Wir arbeiten gerade mit Hochdruck daran, dass im Falle eines ASP-Nachweises in Deutschland der Export weitergehen kann. Einige Länder wie z.B. die EU, USA und Kanada haben damit kein Problem, aber Japan, Korea und China müssen wir noch überzeugen.“
 
Hinsichtlich der Ferkelkastration wäre Tönnies glücklich über eine Fristverlängerung, damit vor allem der sogenannte 4. Weg, also die Lokalanästhesie, bis zur Praxisreife gebracht werden kann. „Der 4. Weg wäre für uns gut, weil die Ebermast und Improvac es nötig machen, weiterhin geruchsauffällige Eber am Schlachtband erkennen zu müssen, was sehr aufwändig ist. Zudem können wir mit Improvac geimpfte Tiere nicht in jedes Land exportieren.“
 
Die Warenströme nach unterschiedlichen Kriterien zu trennen wie den Haltungskompassstufen 1 bis 4 und dann auch noch nach mit und ohne Improvac geimpften Tiere sei eine große logistische Herausforderung und auch mit Mehrkosten verbunden. Da derzeit die Kosten für mehr Tierschutz nur über die Vermarktung der Edelteilstücke im LEH zu decken sind, plädierte auch Dr. Gereon Schulze Althoff dafür, zukünftig auch für mehr Glaubwürdigkeit die Kosten an den Verbraucher weiterzugeben.   

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2 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Norbert Post · 1.

    Das ist mal ein sehr guter Kommentar, der alles auf den Punkt bringt. Vom Geld verdienen redet in letzter Zeit in der. Schweinehaltung keiner mehr, nur noch was alles geleistet werden muss, damit man überhaupt noch Schweine halten darf.

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  2. von Diedrich Stroman · 2.
    Heiße Luft!

    Da stehen sie in Reih und Glied, die Ausbeuter der Landwirtschaft, Hauspreisschlachter und gnadenloser veramscher von Fleisch und Wurst mit Dauertiefpreisen im Sortiment versuchen uns Bauern den Weg zu zeigen, frage mich blos wohin, von auskömmlicher Entlohnung der Landwirtschaft redet keiner und über das wegbrechen der bäuerlichen Landwirtschaft angefangen bei den Sauenhaltern kommt auch nur lauwarmes Gefasel! Die Herren machen sich am meisten Gedanken um sich selber wie sie den ganzen Wirrwarr den sie werbewirksam verkündet haben, Tierwohl dreimal D Ebermast und noch mehr Kennzeichnungspflichten vom Schlachtband bis zum Dumpingangebot unterbringen können, und was das alles kostet!!und es wird so sein zahlen muß der Erzeuger des Rohstoffes so wie bei den Vorkosten die auch der Landwirt bezahlt da sind Schlachhöfe schmerzfrei! Im Moment weden die zusätzlichen Mautgebühren auch nach unten getreten und da steht einer der sich nicht wehren kann!!Das ganze nennt sich dann abgeschaffte soziale Marktwirtschaft!!!!!

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