Schwanzbeißen gibt Fachleuten Rätsel auf

Schweineschwanz Für das Schwanzbeißen gibt es immer noch kein Patentrezept
Bild: Kremling

Die Landwirtschaftlichen Lehranstalten in Triesdorf in Mittelfranken beschäftigen sich seit vielen Jahren mit dem Thema Tierschutz und Tierwohl in der Schweinehaltung. Die Triesdorfer Sauen gebären zum Beispiel längst nicht mehr in fest montierten Ferkelschutzkörben aus Stahlrohr, sondern in Bewegungsbuchten, berichtet der Bayerische Rundfunk.
 
Eine Fixierung sei bei Bedarf zwar möglich, in der Regel würden die Sauen aber frei umherlaufen. Der Nachteil: Der Tierhalter muss seine Schweine stets und ständig im Blick haben und nötigenfalls eingreifen, damit die Ferkel nicht von den Sauen erdrückt werden.
 
Schon Anfang der 1990er Jahre begann man in Triesdorf, Schweine in Kaltställen und auf Stroh zu halten. Die Sauen mögen zwar frisches Stroh, es belastet die Tiere aber auch mit Staub und Schimmelpilzsporen, und es fällt bei dieser Haltungsweise viel Mist an, mit dem die Schweine in Kontakt kommen, erklärt Landwirtschaftsmeister Roberto Kurth dem BR weiter. Die Triesdorfer Ausbilder bekommen deshalb öfter Befunde am Schlachthof, die eigentlich nicht sein sollten: Spulwürmer. In puncto Stallhygiene ist Stroh demnach offenbar nicht das Gelbe vom Ei.

Die Argumente von Tierschützern, dass Stroh als Beschäftigungsmaterial Schwanzbeißen verhindere, lassen sich laut den Fachleuten nicht bestätigen. Grundsätzlich wird in Triesdorf zwar die Sauenhaltung mit Stroheinstreu in Gruppen und mit viel Bewegung gefördert. Und die Schwänze der Zuchtsauen werden grundsätzlich nicht wie sonst üblich mit glühender Klinge kurz nach der Geburt gekürzt. Dennoch haben auch in Triesdorf im Schnitt 30 Prozent der Schweine, wenn sie das Erwachsenenalter erreicht haben, nur noch einen kurzen Schwanz. Vor allem in der Aufwuchsphase würden sie sich die Schwänze abbeißen, so Kurth. Dabei spielt es offenbar keine Rolle, ob sie auf Stroh oder Spaltenboden gehalten wurden. Den Ausbildern gibt das Schwanzbeißen der jungen Schweine nach wie vor Rätsel auf.

Neuer Futterverteilwagen im Test
 
Aktuell wird im Triesdorfer Ausbildungsbetrieb ein Futtermischwagen für den Schweinestall getestet. Dabei handelt es sich um Spezialfahrzeug, mit dem Maissilage zusammen mit anderen Futterkomponenten als fertige Mischration an die Sauen verteilt wird. Sauen mögen Mais, der schmeckt, beruhigt und beschäftigt sie vor allem länger als herkömmlicher Fertigfutterbrei. Bislang gibt es solche Futtermischwagen

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Leserkommentare Kommentieren

  1. von Erwin Schmidbauer · 1.
    Es gab doch mal einen Versuch

    in dem war Schwanzbeissen mit dem Fehlen tierischer Futterkomponenten assoziiert. Würde irgendwie auch passen, Schwänze sind nun mal auch tierische Produkte.

    Das meinen unsere Leser:
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