Tierschützer prangern unzureichende Betäubung bei der Schlachtung an

Schlachthof Schlachthof
Bild: Archiv

Die schwarz-gelbe Landesregierung von Nordrhein-Westfalen könnte nach Ansicht von Grünen und SPD das „Leid von 510.000 Schweinen“ jährlich bei der Schlachtung vermeiden, wenn sie nur wolle.

Norwich Rüße, Tierschutzexperte der Grünen im Landtag, hält die  Erklärungen von den unvermeidlichen schwarzen Schafen unter den Schlachtern „für gefährlich, weil sie verschleiern, wie viel das Land, die Kommunen und die betroffenen Unternehmen tun könnten, um das gewaltige Tierleid auf Schlachthöfen zu reduzieren“, kritisiert der Politiker nach einem Bericht der WELT. In Wirklichkeit könnte die Landesregierung die Qualen beim Betäuben, Stechen und Aufhängen der Tiere deutlich reduzieren – ohne gleich eine fleischfreie Gesellschaft auszurufen.

Hintergrund war die Kritik an der unzureichenden Betäubung auf dem Schlachthof Düren. Tierrechtler vom Verein „SOKO Tierschutz“ hatten sich anonym als Metzger auf dem Schlachthof eingeschmuggelt und im Oktober und November heimlich Filmaufnahmen und Beobachtungen gemacht. Zu sehen waren unbetäubte Schweine am Haken, die so den Herzstich erhielten und noch zappelnd zum Brühbad befördert wurden.

Vergangene Woche nun gab Umweltministerin Christina Schulze Föcking (CDU) bekannt, welche Konsequenzen Land, Kreis und Schlachtunternehmen aus dem dokumentierten Tierleid gezogen haben. Für Kritiker erstaunlich sei dabei gewesen, wie einfach sich das Tierschutzniveau auf diesem einen Schlachthof schlagartig massiv erhöhen ließ. Dass es dennoch auf etlichen Schlachthöfen solche Szenen gebe, zeige laut Tierschützern, dass schlicht der Wille der Politik fehlt, dies zu ändern.

Tierschützer sprechen von hohen Fehlraten

Laut Landestierschutzverband soll fast jeder dritte Bolzenschuss, der ein Rind töten oder betäuben soll, fehlerhaft. Dieser Schuss wird pro Jahr auf rund 700.000 Rinder in NRW abgefeuert. Betäube er das Tier nicht erfolgreich würden die Rinder bei vollem Bewusstsein an den Haken gehängt und aufgeschnitten, heißt es.
Ähnlich ergehe es manchen der rund 17 Millionen Schweine, die jährlich in NRW geschlachtet werden. Sie sollen durch Elektroschock oder CO2-Dusche betäubt werden, bevor sie am Stecher vorbeigefahren werden. Der muss in wenigen Sekunden ihre Halsschlagader aufstechen, damit sie entbluten. Doch weder der Stich noch die Betäubung würden immer sitzen.

Und so erwachten Schweine gelegentlich, während sie in heißem Wasser gebrüht oder maschinell enthaart werden. Die Schätzungen der Bundesregierung, der Landkreise und der Tierschützer gehen laut der WELT von mindestens drei Prozent aus. Das wären auf NRW heruntergerechnet etwa 510.000 Schweine pro Jahr.

Konkrete Maßnahmen in Düren

Eine wichtige Maßnahme zum Tierschutz ergriff das Dürener Schlachtunternehmen nun selbst: Es senkte den Zeitdruck auf die Stecher und Schlachter und ordnete an, nur noch 25 statt 35 Tiere pro Stunde zu töten. Das entspricht einer alten Forderung aller Tierschutzverbände, den Zeitdruck auf Schlachthöfen zu senken und insbesondere die Akkordarbeit abzuschaffen, damit die Mitarbeiter etwas sorgfältiger arbeiten und die Fehlerquote senken können.

Auch die Überwachung auf dem Schlachthof wird laut der WELT erheblich verbessert. Bislang kontrollierten Tierärzte die Schlachtungen nur stichprobenartig. Und gerade bei den heikelsten Vorgängen, dem Betäuben, Töten und Entbluten, waren sie oft gar nicht zugegen. Die Kontrollpflicht beschränkt sich auf die anschließende Fleischschau, also den Anblick des fertig geschlachteten Tierkörpers. Fortan werden die Experten in Düren aber lückenlos den gesamten Schlachtvorgang beobachten.

Außerdem ist auf dem Hof nun – auch auf Drängen des Landes – ein externer Gutachter aktiv, der die Abläufe kontrolliert. Grünen-Experte Norwich Rüße argumentiert seit Jahren, wenn der für die Kontrolle zuständige Veterinär aus einem anderen Kreis käme, würde das seine Unabhängigkeit erhöhen. Wenn Veterinäre eines Landkreises dagegen ein Unternehmen ihres eigenen Kreises kontrollieren müssten, drohten sie unter Druck ihres Arbeitgebers zu geraten – der im Schlachthof vornehmlich den Steuerzahler und Jobgaranten sehe.

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6 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Markus Grehl · 1.
    Fehler im Bericht.

    Zur Entblutung wird kein Herzstich gesetzt. Das Herz wird beim Entblutestich definitiv nicht verletzt! Der Bolzenschuss ist auch nicht zum Töten eines Tieres vorgesehen! Er dient lediglich zu Betäubung. Der Tod des Tieres tritt durch den Blutverlust ein. Die Schweine erhalten auch keine CO2- Dusche sondern werden in eine CO2- Atmosphäre verbracht. Solche Bericht in einer Fachzeitschrift lassen an der Fachkompetenz der Autoren zweifeln.

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  2. von Richard Huber · 2.
    Wenn endlich das

    religiöse Töten, sprich Schächten mit Ausbluten, verboten ist, dann können wir uns um die Tötung in den Schlachthöfen kümmern. Wenn endlich verboten wird, dass der Hummer durch kochendes Wasser getötet wird, auch dann können wir reden. Wenn endlich verboten wird, dass die ach so toll schmeckenden Mehlwürmer durch einfrieren getötet werden, dann können wir weiter reden. Falls dann noch das Halten von Katzen und Hunden in Wohnungen und Häusern, überheizt und auf glatten Böden, verboten wird, dann macht das Gespräch endlich richtig Spaß.

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  3. von Gerhard Steffek · 3.
    Alles braucht seine Zeit!

    Dieser Bericht zeigt nur wieder auf mit welcher Masche diese grünen Gutmenschen arbeiten. Der jetzigen neuen Regierung hier einen eklatanten Verstoß gegen Tierschutzgesetz vorzuwerfen ist doch nur infam. Gleichzeitig aber auch dumm und selbstentlarvend. Dieser Bericht zeigt bei genauerer Betrachtung doch nur das Rot-Grün, die sieben Jahre am Ruder waren und genügend Zeit gehabt hätten diese Mißstände abzustellen, ihre Hausaufgaben nicht gemacht hatten. Jetzt bei der neuen Regierung hatte die SOKO Tierschutz wahrscheinlich die Zeit gebraucht um entsprechende Aufnahmen machen zu können. Außerdem durfte es nicht zu zeitnah nach dem Regierungswechsel sein, da es sonst zu offensichtlich gewesen wäre das die rot-grüne Regierung hier schon geschlampt hat. Jetzt damit rauszurücken ist nur wieder die übliche Masche Tierleid bewußt hinzunehmen um es unliebsamen Gegner in die Schuhe schieben zu können. Es ist schon traurig genug, wenn dies auch nur einem Schwein oder Rind passieren würde, aber es ist wirklich schon abgrundtief infam damit seine "Spielchen" zu treiben.

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  4. von Heinrich Esser · 4.

    Die Erkenntnisse aus dem Dürener Schlachthof wurden im Oktober und November erlangt. Da war die Wahl schon lange gelaufen.

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  5. von Eike Bruns · 5.
    Wikipedia: Laschet seit 30. Juni neue Regierung

    Ich bin selbst kein Schweinehalter aber wenn das Wahr ist, ist das ein dolles Ding: Sieben Jahre haben Rot/Grün in NRW regiert´. Ist hier denn jetzt Verschleppung einer Straftat, unterlassenen Hilfeleistung, Amtsmissbrauch, ja sogar evtl. Korruption im Spiel. Die neue Regierung hat noch in der Einarbeitungsphase Vorschläge gemacht um dieses abzustellen. Es ist mal wieder ein Beispiel wie gewisse politische Kreise Tier Leid in kauf nehmen, nur um im Falle einer Abwahl "Munition" für den politischen Gegner zu haben. Hierfür sollte der Gesetzgeber ein Strafmaß festsetzen damit in Zukunft sofort bei Verdacht gehandelt werden kann und vor allem wenn wieder PETA Grün und Co erst den richtigen Zeitpunkt abwarten dieses Verschleppen Strafrechtlich belangt werden kann-IM SINNE DES WIRKLICHEN TIERSCHUTZ.

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  6. von Armin Brader · 6.

    Der Wolf tötet jeden Tag ohne Betäubung, wobei ich als praktizierender Landwirt von meinem Schlächter erwarte das er meinen Tieren möglichst wenig Streß bereitet!

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