Tierschutzstiftung warnt vor Tierwohl-Stufen 1 und 2 des Handels

Kastenstände Kastenstände
Bild: top agrar

Echtes Tierwohl fängt nach Ansicht der Stiftung Vier Pfoten bei den Haltungskompassen und -kennzeichnungen von Lidl, Netto, Aldi und Penny eigentlich erst ab Stufe 3 an. Im Gegenzug warnen die Tierschützer vor den Stufen 1 „Stallhaltung“ (Netto: „Konventionelle Stallhaltung“) und 2 „Stallhaltung plus“ (Netto: „Nachhaltige Stallhaltung“). Die Stufe 1 würde lediglich dem gesetzlichen Mindeststandard entsprechen. Auch Stufe 2 beinhalte keine nennenswerten Vorteile für die Tiere, so der Verein am Montag.
 
Man sehe zwar sieht in den Initiativen des Handels eine positive Signalwirkung an die Politik, endlich zu handeln und eine Kennzeichnung nach Haltungsform der Tiere für alle tierischen Produkte in Deutschland zu etablieren. Doch bei allen vier Discountern würden Produkte, die mit den Stufen 1 und 2 ausgezeichnet werden, so produziert, dass es den Tieren nicht gut geht, meint Ina Müller-Arnke. Diese Stufen erfüllen ihrer Ansicht nach nicht einmal die Mindest-Tierschutzkriterien, die ein Tier braucht.
 
Bei Schweinen in den Formen „Stallhaltung“ und „Stallhaltung plus“ würden z.B. weiterhin die Schwänze kupiert, es gebe nicht genügend Licht und Spaltenböden seien erlaubt, kritisiert Müller-Arnke. „Sauen werden monatelang in körperengen Metallkäfigen eingezwängt, in denen sie sich nicht umdrehen können. Dort müssen sie ihre Ferkel zur Welt bringen.“
 
Laut der Tierschützerin fehlt es an allem, was ein Schwein braucht: „Statt ihnen Stroh zum Wühlen und Heu oder Silage zum Fressen anzubieten, steht den Tieren als Beschäftigungsmaterial lediglich ein Stück Holz zur Verfügung. Außerdem bekommen die Tiere extrem wenig Platz: weniger als einen Quadratmeter bis zu einem Gewicht von 110 kg“, so Müller-Arnke weiter. Bei einer artgemäßen Haltung hätten die Tiere dagegen keine Verhaltensstörungen wie Schwanzbeißen und dann wäre das Abschneiden von Ringelschwänzen nicht notwendig. „Verbraucher, die wirklich etwas für mehr Tierwohl tun möchten, sollten, wenn sie nicht auf Fleisch verzichten wollen, nur solches kaufen, das mit den Stufen 3 oder 4 gekennzeichnet ist“, erklärt Müller-Arnke.
 
Vier Pfoten fordert für eine bessere Schweinehaltung mindestens 40 Prozent mehr Platz pro Tier und das Verbot, Körperteile wie Ringelschwänze abzuschneiden. Raufutter wie Heu, Stroh, Silage muss verpflichtend sein. Die wochenlange Dauerfixierung von Sauen im Kastenstand muss verboten und auf maximal vier Tage nach der Geburt begrenzt werden.
 
Dieses Mindestmaß an Tierschutz müsse nicht nur für alle privaten Initiativen, sondern vor allem für das geplante staatliche Label von Bundesministerin Klöckner gelten. Sonst stehe Tierwohl auf der Verpackung, ohne dass sich für die Tiere im Stall wirklich etwas ändert.

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2 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Erwin Schmidbauer · 1.
    Positiv Denken

    Man kann es den NGOs nicht verdenken, dass sie Stufe 1 und 2 als zu wenig empfinden, sonst würden sie ja ihre eigene Vorstellung über Bord werfen. Effektiv betreiben diese Organiationen doch Werbung für Stufe 3 und 4. Und damit wird es interessant, ob sie mit dieser Werbung auch die Käufer davon überzeugen können, vermehrt diese Stufen trotz des höheren Preises zu kaufen. Es wird spannend! Aber ich zweifle daran, dass es funktioniert.

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  2. von Gerhard Steffek · 2.
    Es geht schon los -

    bzw. weiter. Diesen Tierschutzfuzzis kann man es nicht recht machen. Es ist nie genug! Wie denn auch, leben sie doch davon anderen das Leben schwer zu machen. Wieso machen sie es aber nicht selber? Wie wäre es mit einem Musterbetrieb ihrer Colour? Haben sie Angst davor an der Realität zu scheitern? "Die beste Methode, einen Narren von seinem Irrtum zu überzeugen, besteht darin, ihn seine Dummheiten ausführen zu lassen", erkannte schon Josh Billings, ein us-amerik. Schriftsteller. Sie hätten ja damit auch die Gelegenheit der "etablierten Landwirtschaft" zu zeigen das es besser geht. Das diese die "Narren" wären.

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