Stahl zu Milcherzeugern: „Branchenorganisation bringt nichts“

Peter Stahl berichtete auf der Jahresversammlung der Bayern MeG recht offen von seinen Ansichten (Video unten).
Bild: Laura Kneip

Der Vorsitzende des Milchindustrieverbands, Peter Stahl, findet bei der Jahresversammlung der Bayern MeG klare Worte zur Organisation des Sektors – und prognostiziert einen unaufhaltsamen Strukturwandel.

Geschäftsführer Markus Seemüller eröffnete die Jahresversammlung der Bayern MeG mit einem Appell: Er sei verwundert, dass sich der Milchindustrieverband (MIV) gegen eine Branchenorganisation sträube. Lasse man einfach den Markt walten, sei unvorhersehbar, was in 25 Jahren an Strukturen übrig ist. „Es wäre mir lieber, wenn wir uns als Branche verstehen und die Herausforderungen gemeinsam meistern“, so Seemüller.

Der Vorsitzende der Bayern MeG, Hans Maier, forderte Bewegung in der Branche: Man habe sich im letzten Jahr mit vielen Interessensverbänden der Milcherzeuger (u.a. Bauernverband – d. Red.) getroffen, um ein geschlossenes Auftreten gegenüber der Politik zu organisieren. Leider habe es aber viel zu wenige Ergebnisse gegeben, so Maier. „Lasst uns endlich Altes abhaken und Brücken bauen“, rief er auf.

Peter Stahl (MIV) erteilte der Bayern MeG, die bereits jeden sechsten Liter Milch aus Deutschland repräsentiert, jedoch eine Absage.

Seemüller Bayern MeG-Geschäftsführer Markus Seemüller ist verwundert, dass Stahl eine Branchenorganisation ablehnt.
Bild: Liste
Eine Branchenorganisation nutze nichts. Man könne damit nicht bessere Preise garantieren, weil Europa 15% mehr Milch produziert, als es verbraucht, und damit im internationalen Wettbewerb mithalten müsse. Da helfe ein nationaler Zusammenschluss nicht. Ebensowenig sei es sinnvoll, wenn eine Branchenorganisation einheitliche Standards mit dem Lebensmitteleinzehandel aushandelt. Man nehme den Molkereien damit die Möglichkeit, Marken über besondere Qualitätskriterien wie GVO-freie Produktion aufzuauen.Die am MIV beteiligten Molkereien werden stattdessen eine Sektorstrategie Milch 2030 ausarbeiten, wie sie das Deutsche Milchkontor (DMK) jüngst vorgeschlagen hatte.

Ohnehin geht Stahl davon aus, dass der Strukturwandel bei den Milchviehbetrieben nicht aufzuhalten ist. Er verordnete sich in seinem Vortrag selbst als christlich und „der FDP nahestehend.“

Wie die Molkereien zum Höfesterben stehen und ob die Intervention noch Sinn hat, fragten wir ihn vor der Kamera (siehe Video unten).

Die Bayern MeG bündelt mittlerweile 15.000 Milcherzeuger aus 10 Bundesländern und 5 Mrd. kg Milch pro Jahr. Dies bedeutet einen Anstieg um 10% im Jahr 2017. „An der Bayern MeG kommt man nicht mehr vorbei“, sagte ein Vorstand am Rande der Veranstaltung.


8 Leserkommentare Kommentieren

  1. von Anton Perkl · 1.
    Eine Branchenorganisation kann den Markt nicht aushebeln,sie wird eine reine Diskusionsplattform sein,in der Molkereiinteressen

    vertreten werden .Die Schweiz hat hier jahrelange Erfahrung. Dort bringts auch nicht viel.

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  2. von Matthias Zahn · 2.
    Selber Denken!

    Wir Bauern müssen aufhören ständig alle ändern um ihre Meinung zu fragen. Wir brauchen eine eigene Strategie, die unseren Bedürfnissen entspricht. Wenn wir Molkereivertreter um Rat fragen ist das als ob Mastschweine mit ihrem Metzger über den Sinn ihrer Schlachtung sprechen.......

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  3. von Rudolf Rößle · 3.
    MEGs

    bündelt die Milchmengen in wenigen MEGs. Somit lassen sich Verkaufsmengen besser steuern und Preisverhandlungen sind aussichtsreicher.

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  4. von Rainer Hoffmann · 4.
    Skandal

    So Typen samt MIV Verband werden von unterschlagenen Milchgeld Finanziert u haben auch noch Rückendeckung vom DBV. ,kostet ja nur den Bauern ihr Geld diese Strategien vom Weltmarkt der nur billigst zu erobern ist mal wenige Markenprodukte im nicht nennenswerten Umfang ausgenommen. Milchprodukte sind weder Stihl u Daimler u selbst müssen trotz ihres Namens ihre Qualität behalten ,sind aber nicht wie die weise Plörre austauschbar, evtl ist dem Verbraucher sogar Weidemilch aus Neuseeland oder Irland lieber u ohne Soja gibt's auch en besseres Gewissen dazu.

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  5. von Gerhard Steffek · 5.
    Branchenorganisation MIV

    Die Intentionen des MIV sind doch anhand seiner Ausrichtung eindeutig. Der MIV ist schließlich eine Organisation der milchverarbeitenden Seite, also der Molkereien. Somit ist es doch genauso eindeutig, daß Herr Stahl hier bestimmt nicht einer konkurrierenden Organisation das Wort redet, die zudem noch eher mit einer Produktionsreduktion liebäugelt als einer Ausweitung derer. Denn jeder Molkerei ist doch an ausreichend Rohstoff mehr gelegen als das ein Landwirt aufgrund eines eingeschränkten Marktes ein paar Cent mehr für den Liter bekommt. Schließlich steckt der Gewinn im Einkauf. Herr Stahl hat schon recht, daß in einem vollen Markt keine Mehrerlöse zu erzielen sind, auch wenn sich die einzelnen Produzenten zusammenschließen. Aber dieser Zusammenschluß kann ja auch mal auf die Idee kommen seine Überproduktion geschlossen zu reduzieren. Das wird Herr Stahl wahrscheinlich fürchten wie der Teufel das Weihwasser.

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  6. von Gerd Uken · 6.
    Eines hat Herr Stahl aber richtig

    Erkannt:wir produzieren 18% für den Weltmarkt und die machenbdie Preise kaputt! Aber unsere Molkereien verdienen an jedem kg auch das kg was zuviel produziert wird! Weniger kann manchmal auch mehr sein

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  7. von Hans Merk · 7.
    Der Markt wird viele fressen

    auch viele Molkereien. Und auf innovative Produkte wie -gentechnikfrei- darf ruhigen Gewissens gekackt werden wenn es hinterher doch nur Standard auf Kosten der Bauern wird.

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  8. von Martin Schmidt · 8.
    Wenn Herr Stahl, nichts davon hält...

    Dann spricht ein Argument mehr, für die zeitnahe Gründung einer starken Branchenorganisation.

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