17 % der Bauern erwägen Umstellung auf Biolandwirtschaft

Knapp jeder fünfte Landwirt kann sich vorstellen auf Ökolandbau umzustellen. Die Bereitschaft hat sich im Vergleich zum vergangenen Jahr stabilisiert. Der Öko-Beauftragte des DBV Wendorff fordert einer Verdoppelung des Budgets für den Ökolandbau.

Die Umstellungsbereitschaft der deutschen Landwirte hin zum Ökolandbau ist ganz leicht gestiegen. Laut einer Umfrage im aktuellen Konjunkturbarometer des Deutschen Bauernverbandes (DBV) können sich derzeit 17 Prozent der Bauern vorstellen auf Öko umzustellen. Im Vorjahr lag die Bereitschaft bei 16 Prozent, davor lange Jahre bei 11 Prozent.

Der Anteil des Ökolandbaus an der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Deutschland ist 2018 auf 8,9 % gewachsen. Bei den Betrieben liegt der Anteil bei 12 %. „Durch die starke Umstellungstätigkeit in den letzten fünf Jahren würde das deutsche Öko-Rohstoffaufkommen bereits jetzt ausreichen, um den inländischen Öko-Konsum an Milch, Getreideprodukten und Fleisch zu decken“, heißt es beim DBV. Derzeit werde aber noch rund 30 Prozent des deutschen Öko-Milchverbrauchs mit Importware bedient.

Der neue Öko-Beauftragte des DBV und Brandenburger Bauernpräsident Henrik Wendorff fordert daher Handel und Hersteller auf, alle heimisch erzeugbaren Import-Rohstoffe durch regional in Deutschland erzeugte Öko-Ware zu ersetzen. „Viele Bio-Produkte tragen bereits Deutschlandkennungen auf der Verpackung, bei anderen Produkten sollten die Kunden besser aufgeklärt werden, wie sie die Herkunft erkennen können“, so Wendorff.

Die deutsche Öko-Milcherzeugung ist nach Daten der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft in den letzten fünf Jahren um fast 50 Prozent gewachsen. „Die im Rahmen der Agrar-Umweltprogramme gezahlte Öko-Prämie ist zwar sehr wichtig, kann aber stabile Erzeugerpreise nicht ersetzen“, sagte Wendorff. Sinke der Öko-Milchpreis beim Bauern von jetzt etwa 48 Cent pro Kilogramm um nur 4 bis 5 Cent sei die durchschnittlich in Deutschland pro Hektar gewährte Öko-Prämie von 210 Euro aufgezehrt.

Nur die besondere Honorierung durch die Nachfrager könne Öko-Landwirtschaft daher auch ökonomisch nachhaltig absichern. Gleichzeitig mahnt Wendorff aber, auch die Öko-Prämie als Ausgleichszahlung für die besonderen Umweltleistungen des Ökolandbaus abzusichern. Das seit Jahren bestehende Nachhaltigkeitsziel der Bundesregierung von 20 Prozent Ökolandbau bedürfe in den kommenden 5 bis 10 Jahren mindestens einer Verdoppelung des Budgets für den Ökolandbau in den Agrarhaushalten von Bund und Ländern.

Detailliertere Daten zur Umstellungsbereitschaft aus dem DBV Konjunkturbarometer unter www.bauernverband.de/dbv-konjunkturbarometer-umstellungsinteresse-2019.

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Andreas Gerner

Seltsam:

Wer einem Tier zu wenig zu essen gibt und es trotz Krankheit nicht behandelt, ist ein Tierquäler. Wer selbiges mit seinen Pflanzen macht, darf sich Biolandwirt nennen und wird mit höheren Produktpreisen und Flächenförderungen belohnt.

von Andreas Gerner

Gewissenskonflikt

Pro Tonne erzeugter Nahrungsmittel mehr Diesel aufzuwenden, mehr Fläche zu vergeuden, mehr Bodenbrüter totzustriegeln, den Boden intensiver zu bearbeiten, weniger Nahrung(Raps) für die Bienen und andere Bestäuber bereitzustellen, mehr Steuergeld zu verschwenden, weniger Klimaschutz betreiben, das alles muss man mit seinem Gewissen erst mal vereinbaren können. Ethisch ist das nicht.

von Martin Schmidt

Letztendlich

muss das der Verbraucher am Supermarktregal entscheiden. Warum ist der Ökolandbau hierzulande nicht Antibiotika-frei? Ist doch eigentlich in Übersee Standard.

von Martin Schmidt

Letztendlich

muss das der Verbraucher am Supermarktregal entscheiden. Warum ist der Ökolandbau hierzulande nicht Antibiotika-frei? Ist doch eigentlich in Übersee Standard.

von Gerhard Steffek

@Paul Siewecke

Bei Tierhaltern, speziell bei Rinderhaltung, mag die Umstellung ja leichter vonstatten gehen. Nur wenn sie die höhere Flächenförderung hervorheben, dann ist das ganze lediglich eine Prämienoptimierung, um den Betriebserfolg abzusichern. Es stellt sich aber die Frage wie lange das gut geht.

von Paul Siewecke

Diejenigen, die jetzt den Umstieg erwägen....

werden schon handfeste und belastbare Gründe dafür haben! Wenn man auf seinen Jahresabschluss schaut und dort unterm Strich zuwenig (oder schlimmer: zuviel in Rot!) steht und genau weiß, dass man aus vorhandenem Boden und bisher angewendeten Anbausystemen das Maximum herausgeholt hat, dann kommt man ins Grübeln! Dann sieht man hohe Kosten für Düngemittel und PSM und niedrige Erlöse je Produkteinheit auf der Haben-Seite. Dann sieht man eventuell den Nachbarn, der schon "Öko" ist und dem es offensichtlich finanziell nicht so schlecht geht, auch wenn er nur rund die Hälfte an Masse vom Acker holt. Dann sieht man, dass der Öko-Landbau mehr Flächenförderung bekommt, was insbesondere in Dürre-Jahren ein stabilisierender Faktor für das Einkommen ist. Dann erkundigt man sich auch in der Tierproduktions-Sparte nach den dortigen Bedingungen und Beispielkalkulationen. Und schlussendlich ist es nur die Frage: kann ich damit umgehen, dass auch mal ne Mohnblume im Weizen steht....

von Wilhelm Grimm

Verdoppelung des Budgets für den Ökolandbau ?

Das wird man den Konvis dann abziehen müssen, obwohl alle Betriebe, bedingt durch den Brexit, mit weniger rechnen müssen. Da versucht der DBV einen Spagat, der nicht lösbar ist.

von Gerhard Steffek

30 % Importware bei Ökomilch!!!

Warum wohl? Im Chiemgau werden einige Ökobetriebe von den Molkereien nicht angenommen und müssen ihre Milch normal vermarkten. Im Umkreis von 50 km rund um den Chiemsee gibt es meines Wissens nach aber 9 Molkereien! Allen voran als Biomolkerei die Berchtesgadener Alpenmilch in der Nähe von Salzburg. Wenn man jetzt weiß, das die Landwirte in Österreich für ihre Biomilch aber weniger bekommen als der deutsche Kollege, dann wird ein Schuh draus. Dann bleibt alles beim Alten und die Devise "Geiz ist Geil", ihre Gültigkeit. Da ist der Umstieg auf Bio für viele auch nur noch der Einstieg zum Ausstieg. Die Möglichkeit das Sterben zu verlängern. Ade, bäuerliche Landwirtschaft! Ich freu mich schon auf die dummen Gesichter des 08/15-Bürgers, wenn der feststellt das trotz der Umstellung auf Bio es keine Blümchenwiese gibt. Spätestens dann aber fliegen dem Ökobauern die hohen Ausgleichszahlungen um die Ohren.

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