Brüssel

Ökolandbau sorgt sich wegen Vereinnahmung durch Handelsketten

Aufgrund der Unübersichtlichkeit auf dem Biomarkt steigt das Betrugsrisiko, warnt die EU-Generaldirektion Agrar. Die Grünen stört dagegen die Konzentration auf immer weniger Handelsketten.

Sorgen bereiten Vertretern des Ökolandbaus die aus ihrer Sicht immer stärkere Vereinnahmung des Sektors durch Handelsketten. In Brüssel äußersten kürzlich mehrere Teilnehmer einer Veranstaltung Bedenken, dass den Ökolandwirten durch den Preisdruck der Handelsketten möglicherweise ein vergleichbares Schicksal wie den konventionellen Landwirten ereilen könnte.

Die stellvertretende Abteilungsleiterin für Ökolandbau in der Generaldirektion für Landwirtschaft in der EU-Kommission (DG AGRI), Elena Panichi, verwies auf eine immer komplexer werdende Lebensmittelwertschöpfungskette des Sektors. Aufgrund der zunehmenden Unübersichtlichkeit steige auch das Betrugsrisiko. Gleichzeitig arbeite die Kommission daran, gemeinsam mit anderen Behörden die Kontrollen auszuweiten und so Betrügern auf die Schliche zu kommen.

Der CDU-Politiker und Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses im Europaparlament, Norbert Lins, betonte, dass der Sektor immer auch den Markt im Blick haben müsse. Ansonsten laufe man Gefahr, an den Kunden vorbei zu produzieren. Gleichzeitig pochte Lins auf eine Koexistenz zwischen konventionell und ökologisch wirtschaftenden Betrieben.

Der agrarpolitische Sprecher der Fraktion der Grünen/EFA, Martin Häusling, warnte vor einer zu starken Konzentration auf immer weniger Handelsketten. Grundsätzlich müsse sich die Branche auch die Frage stellen, inwieweit das Wachstumspotential noch ausgereizt werden könne. Mit Verweis auf die anstehende Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) forderte Häusling aber auch, dass in Gunstlagen stärkere Anreize für mehr Ökolandbau geschaffen werden sollten.

Der Berater der Analyseplattform Timeli, Ronald van Marlen, warnte ebenfalls eindringlich vor einem weiteren Erstarken der Handelsketten im Ökosektor. Wichtig sei es, die Marktmacht auf kleinere Händler zu verteilen. Marlen hob zudem die Vorteile kurzer Wertschöpfungsketten hervor. Dadurch würden die Gewinne der Landwirte erhöht und gleichzeitig das Betrugsrisiko reduziert.


Diskussionen zum Artikel

von Harald Finzel

Das kommt davon, wenn man ein falsches Feindbild aufbaut...

Alljährlich marschieren die Bio-Verbände zusammen mit Grünen, Veganern und anderen Träumern durch Berlin, um gegen "die Agrarindustrie" zu protestieren. Dabei kauft auch der Bio-Bauer seinen Traktor von der "Agrarindustrie", und auch die Bio-Pestizide kommen nicht vom Heilpraktiker. ... mehr anzeigen

von Hans Spießl

Das Problem die 2. Säule

Bio wird zu Tode subventioniert - es ist doch keine Leistung Pflanzen Tiere falsch zu ernähren und die Böden leer zuwirtschaften. Der Bio Betrug ist das Normale - gerade die großen Bio Bauern und Bio Konzerne leben gut davon.....

von Rudolf Rößle

Bio

Runter mit den Preisen im Discounter. Bio als Lockangebot, so wird es kommen. Wie stark Bioland und andere Verbände ihre Preisgestaltung aufrecht erhalten können, wird in 2 Jahren klar erkennbar sein. Wenn wir aber die Zuschläge für Gen-Frei und Weidemilch sehen.....

von Michael Wittmann

Marktmacht

Warum sollte es im ökologischen Landbau anders sein? Oder denkt man ernsthaft, dass die Städter aufs Land fahren und beim Ökobauern einkaufen

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