Grüne Woche

BÖLW: „Das Orchester, das noch nicht zusammenspielt“

Laut dem BÖLW erfordert die aktuelle Zeitenwende eine Agrar- und Ernährungswende. Alle müssten sich umstellen, der Handel soll sein Renditestreben aufgeben, Ordnungsrecht müsse den Umbau regeln.

Für den Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) muss nach der Zeit des Protestes in der Landwirtschaft nun die Zeitenwende mit einem Umbau beginnen. Der Vorsitzende des Öko-Dachverbandes, Felix Prinz zu Löwenstein, formulierte auf der Grünen Woche die „kollektive Wahrnehmung, dass es so nicht weitergehen kann“.

Die wirtschaftliche Situation auf den Höfen werde seit Jahren schlimmer, es drohe ein Zusammenbruch der Ernährung und eine Radikalisierung im Umgang, die Menschen wollten wissen, wie es weitergeht, so Löwenstein. „Aus einer Agrarwende wird jetzt eine Zeitenwende. Wir müssen uns darauf einstellen, künftig ganz anders zu leben“, sagte er.

Der BÖLW bietet an, dass der Ökolandbau für den Umbau der Agrarwirtschaft mit seinen Erfahrungen beratend zur Verfügung steht. Zu klären sei dabei laut Löwenstein, wie man zu einem fairen Miteinander kommen kann.

Regionale Wertschöpfungsketten schaffen

Volker Krause

Volker Krause (Bildquelle: Deter)

Volker Krause, Vorstand Verarbeitung, bezweifelt unterdessen, ob es mit einer Erhöhung des Ökolandbaus auf 20 % getan ist, wenn der Rest so bleibt wie heute. „Wir brauchen vielmehr neue alte, dezentrale Strukturen in der Verarbeitung. Märkte können auch gemacht werden, man muss nicht immer nur warten, bis es einen Bedarf gibt oder der Verbraucher irgendetwas wünscht“, sagte der Betreiber einer Getreidemühle aus Niedersachsen.

Regionalisierung generiert seiner Meinung nach Wertschöpfung auf dem Land, das werde gerne übersehen. „Viele Regionen haben sich schon aufgegeben und an staatliche Transferleistungen gewöhnt“, so Krause.

Auch Löwenstein ist überzeugt, dass regionale Wertschöpfungsketten sehr leicht zu schaffen sind. „Das könnten die Konventionellen auch machen, tun sie aber nicht.“ Und der Präsident weiter: „Verbal wird der Ökolandbau als Lösung immer genannt. Der Problemaufriss in der Ackerbaustrategie ist auch richtig und liegt vor. Aber wo ist die Umsetzung und Abkehr vom bisherigen System? Selbst Rukwied sagte, die Agrarpolitik muss grüner werden. Oder der Umbau der Tierhaltung: Wo ist er denn? Die erste Stufe der Tierwohlstrategie macht ja kaum einen Unterschied zur bisherigen Haltung. Das ist alles viel zu zögerlich. Warum kommt denn keine Pestizidabgabe? In zehn Jahren will die Politik 20 % Ökolandbau erreicht haben; wo sind die Mittel und die Umsetzung?“, kritisiert Löwenstein.

Auch am EU-Biorecht lässt er kein gutes Haar, dieses sei eher dazu geeignet, Landwirte vom Bioanbau fernzuhalten. Und beim Handelsabkommen Mercosur ärgert ihn, dass alle über Hygienestandards reden, die nicht passen, anstatt über die Tierhaltungsstandards. Er ruft daher seine Berufskollegen auf, „mutig aus der Landwirtschaft heraus Ziele zu entwickeln und zu formulieren.“

Brauchen kluges Ordnungsrecht

Elke Röder, Vorstand Handel, ergänzte auf der Grünen Woche, dass wir gerade in einer Phase sind, wo das Orchester seine Instrumente stimmt. „Sie spielen gut, aber keiner spielt zusammen. Der Staat muss jetzt die Rolle des Dirigenten übernehmen.“

Röder fordert

  • Kluges Ordnungsrecht
  • Umsetzungswillige Politik
  • Kommunikationsbereitschaft der Bauern
  • Umdenken und Mithilfe der Verbraucher
  • Handel muss Renditestreben aufgeben

Der gesellschaftliche Prozess zur Ausfüllung der Leitplanken wird ihrer Meinung nach sicherlich ein paar Jahre dauern.


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Diskussionen zum Artikel

von Rudolf Rößle

Betriebsbild Familie zu Löwenstein

habe mir das Betriebsbild im Internet angeschaut. Super Boden und Klima, die auch hohe Bioerträge erwarten lassen. Zuckerrüben sind bei uns schon mit konventioneller Anbaumethode im schwäbisch Sibirien nicht möglich. Sollte die Fläche alles Eigentum sein, lässt es sich besser ... mehr anzeigen

von Dr. Willi Billau

Herr Dr. Prinz zu Löwenstein, mit Verlaub..

selten war ich so enttäuscht von so viel Weltfremdheit wie heute. In Ihrem System ist kein Platz für Leute wie mich und meine Familie! Ich fürchte, es geht vielen Bauern genauso!

von C. Schmidt

Jetzt wo es mit dem Ökolandbau nach einer längeren Zeit unter rosigen bedingungen steil bergab geht, und man auch bei den verbohrtesten Ideologen gemerkt hat das der Biomarkt bereits bei knapp 10% Flächenanteil übersättigt ist wird natürlich nach noch mehr Steuergeldern und ... mehr anzeigen

von Thomas Blöthner

Oh je

da wird es aber schwierig Begeisterung für die ökologische Landwirtschaft zu wecken wenn deren Häuptling nach neuen Fördertöpfen für selbige ruft. Weiß er denn nicht wo so etwas endet ? Bin mal gespannt wo die Preise am Biomarkt hinwandern wenn der 30% Anteil erreicht ist und die ... mehr anzeigen

von Klaus Fiederling

Ein "Bettel-Prinz" on Tour?

Was vermittelt unser „Biopapst“ äußerst vehement? - Die bäuerliche Pipeline, insbesondere im Öko-Landbau, muss förmlichst mit Subventionen geflutet werden, von der eigenen Hände Arbeit kann mithin also künftig KEIN BAUER mehr existieren; nicht der konventionelle Betrieb und ... mehr anzeigen

von Rudolf Rößle

Von

unten nach oben rechnen zu Vollkosten ohne Abzocke. Das nennt sich Fairer Handel für Produzenten, Verarbeiter und dem Kunden, der nur die tatsächlichen Kosten tragen muss. Sehr simpel , aber ein kapitalistisches System wird immer ungerecht sein. Bemühen sozial zu sein reicht nicht ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Der selbstverliebte Gutmensch,

kocht sein eigenes Süppchen auf Kosten der 90% - 95% Landwirte, die das Volk ernähren, auf einem qualitativ sehr hohen Niveau. Er soll seinen Weg machen, aber bitte nicht auf Kosten der 90 bis 95% anderen Landwirte, die Tag für Tag ihr Bestes geben und ohne die unsere Versorgung mit ... mehr anzeigen

von Christian Bothe

BÖLW

Agrarwende oder Zeitenwende?Eine Wortwahl aus dem Lande Utopia...Aber immerhin haben wir doch schon seit langem eine G r ü n e Woche...

von Albert Maier

Volksverdummung!

"Alle müssten sich umstellen, der Handel soll sein Renditestreben aufgeben, Ordnungsrecht müsse den Umbau regeln." Und die Sonne soll im Westen aufgehen. Dieser BÖLV betreibt Volksverdummung auf niederem Niveau.

von Hans Nagl

Richtige Worte

"Die wirtschaftliche Situation auf den Höfen werde seit Jahren schlimmer, es drohe ein Zusammenbruch der Ernährung und eine Radikalisierung im Umgang, die Menschen wollten wissen, wie es weitergeht, so Löwenstein. „Aus einer Agrarwende wird jetzt eine Zeitenwende. Wir müssen uns ... mehr anzeigen

von Harald Finzel

"der Handel soll sein Renditestreben aufgeben"

So langsam fällt die Maske. Das Ziel ist der real existierende Sozialismus, der schon in der DDR alles "besser" gemacht hat.^^ --- Hallo, ihr Biobauern mit Gewinnerzielungsabsicht: Wie lange wollt ihr euch das ideologische Gefasel eurer Wortführer eigentlich noch gefallen lassen?

von Thomas u. Helmut Gahse GbR

Wenn mehrere die Erste Geige

in einem Orchester spielen wollen, dann ist Ärger vorprogrammiert. Und da muß sich der Bölw Chef an die eigene Nase fassen. Es wird nur der Dirigent Erfolg haben, der nicht nur die Trompeter zum Ensatz bringt.

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