Biofach

Klöckner stärkt Bioland den Rücken

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner findet es richtig, dass Bioverbände nun auch Kooperationen mit Discountern eingehen. Den Lernstoff über Ökolandbau will sie in der Ausbildung für Landwirte erhöhen. Zum Volksbegehren Artenvielfalt äußert sie sich bei der Eröffnung der Biofach nicht.

Klöckner positionierte sich zur Eröffnung der Biofach deutlich zum Thema Biolebensmitteln im Discounter. „Ich finde, ja es ist gut und richtig, wenn man die Masse und Breite erreichen will darf man nicht nur ein Elitenprojekt sein“, sagte sie in ihrer Rede in Nürnberg. Diejenigen Ökoverbände, die sich vom Discounter listen lassen, gehörten zu den Vorreitern, so Klöckner. Damit bezog sie sich, ohne Namen zu nennen, auf die heftigen Diskussionen, die Bioland mit seiner Kooperation mit Lidl ausgelöst hat. Die Bioerzeuger und die Aussteller der Biofach müssten sich was ihre Zielgruppe und dessen Ansprache angehe ändern.

"Wir wollen nicht abbremsen"

Die Ministerin bekräftige erneut das Ziel der Bundesregierung bis zum Jahr 2030 das Ziel 20 % Ökolandbaufläche zu erreichen. „Wir müssen dafür aber Gas geben“; sagte sie. Das BMEL will die Branche mit Forschungsmitteln dabei unterstützen. Die Nachfrage sei in Deutschland, auf dem mit Abstand größten Biomarkt in der EU, groß. „Hier ist eine große Chance und die wollen wir nicht abbremsen, sondern unterstützen“, so Klöckner „Es muss sich aber rechnen für Landwirte, wenn sie umstellen“, sagte sie. Wichtig sei ihr daher vor allem die Regionalität von Biolebensmitteln.

Ausgleich zwischen Ökos und Konvis

In ihrer Rede betonte Klöckner, dass sie auf einen Ausgleich zwischen ökologischen und konventionellen Landwirten bedacht ist. „Öko- und konventionelle Landwirtschaft müssen wir stärker miteinander verknüpfen“, sagte sie. Von den konventionellen Landwirten fordere sie, dass diese nachhaltiger werden von den ökologischen, dass diese effizienter werden, so Klöckner. Auch die Verbraucher nahm Klöckner in die Pflicht. „Ich kann nicht nur bei den Produzenten abladen, dass sie mehr für Tierwohl oder Nachhaltigkeit tun sollen“, sagte Klöckner.

Mehr Ökolandbau in der Ausbildung

Als Handlungsfelder für das BMEL beschrieb Klöckner die landwirtschaftliche Ausbildung. „In der Ausbildung ist viel zu wenig die Rede über den ökologischen Landbau“, sagte sie. Ihr Ministerium wolle daran mitarbeiten, dass mehr Lernstoff über die Methoden des Ökolandbaus in die Lehrpläne komme. Außerdem starte das BMEL in Kürze eine große Informationsoffensive über ökologische Lebensmittel für die Caterer von Schulen, Kitas und öffentlichen Kantinen und die Unternehmen der Außer-Hausverpflegung. „Dort wo wir als Staat die Rahmenbedingungen setzen in der Außer Hausverpflegung wollen wir den Ökoanteil erhöhen“, sagte sie.

Kein Wort zum Volksbegehren Artenvielfalt

Kein Wort fiel von Klöckner bei Ihrer Biofach Eröffnung zum bayerischen Volksbegehren Artenvielfalt. Der Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly hatte in seiner Rede zuvor tosenden Applaus bekommen, als er das Volksbegehren ansprach. Die Biobranche hatte die Initiative deutschlandweit unterstützt. Unter anderem fordert das Volksbegehren für Bayern einen Bioanteil von heute 10 % auf mindestens 20 % für das Jahr 2025. Obwohl die Frist für Unterschriften noch bis heute Abend dauert, hatten die Initiatoren gestern bereits mitgeteilt, dass das nötige Quorum von 10% der Wahlberechtigten schon genommen hat.

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Erwin Schmidbauer

Ökolandbau in der Ausbildung

Wir haben vor 30 Jahren schon etwas über den Ökolandbau gehört. Die landwirtschaftlichen Grundlagen des konventionellen und des Ökolandbaues sind sehr ähnlich. Nur die Einzelmaßnahmen sind unterschiedlich.

von Gerhard Steffek

@Hans-jürgen Fricke

Ich weiß, nur es kommt immer anders rüber. Fragen sie doch mal den 08/15-Bürger, ob dem bewußt ist daß auch ein Biobetrieb externen Dünger braucht und er zum Pflanzenschutz mit der Spritze aufs Feld fährt. Das sogar öfters als der "moderne" Betrieb, da ja die mineralischen Mittel nicht die Wirkungsdauer haben. Wie war denn das Jahr 2017 mit seinem Regensommer? Warum geht denn den Ökobetrieben Fosetyl, also Kaliumphosphonat, ab? Aber Kupferoxychlorid, das dreimal so giftig ist wie eben das Kaliumphosphonat, ist ohne weiteres erlaubt. Das perfide an der Geschichte ist doch dabei das der unbedarfte 08/15-Bürger bei jeder PSM-Spritze sofort an Gift und moderne Landwirtschaft denkt. In dieser Hinsicht ist doch ein jeder Öko ein windiger Trittbrettfahrer. Wie wäre es denn, wenn ein jeder Öko auf seiner PSM-Spritze ein großes Schild anbringen würde "Ich spritze ökologisch" oder auf seinem Güllefaß und Düngerstreuer ähnliches. Denn wie viele weltfremde Vorstellungen wurden denn mittlerweile in die Köpfe des 08/15-Bürgers eingepflanzt, bis hin zur Blümchenwiese auf der Weide für das liebe Rindvieh. Ich bin gerade dabei einer Ministeriumsangehörigen in München den Kopf gerade zu rücken. Mein Obstgarten wurde Zeit meines Lebens nur minimal gedüngt, nie gespritzt und immer als Weide genutzt. Eine Blümchenwiese wie sie immer dem Bürger vorgegaukelt wird, ist es aber noch nie gewesen. Für die meisten ist doch ein Getreidefeld wie das Andere. Wer kennt denn noch die einzelnen Getreidesorten? Mich wundert das nicht, hatte ich doch heuer so ein schönes Gespräch mit einem Bioimker auf der Heim- und Handwerk in München. Erzählte mir der tatsächlich das bei ihnen in Brandenburg sehr viel Phacelia angebaut wird zur Düngung, da dieses viel Phosphor enthält. Bei soviel geistigem Dünnschiss mußte ich mich schon schwer beherrschen. Wenn ich bedenke, daß dieser eigentlich dann doch ein bißchen mehr von Landwirtschaft verstehen sollte, dann wird mir übel...

von Hans-jürgen Fricke

Lieber Gerhard Steffek

Im Ökolandbau darf auch gedüngt werden und zu schreiben das nur geerntet wird bzw Raubbau betrieben ist absolut falsch

von Wilhelm Grimm

Zuerst vom LVÖ verhöhnen,

dann fordern die das Versöhnen. Eine Frage des Charakters !

von Gerhard Steffek

Populismus?

Sieht mir sehr nach einer dieser Öko-Populismustouren aus. Wo bitteschön ist der moderne Landwirt nicht nachhaltig? Abgesehen davon, daß Landwirtschaft immer Raubbau an der Natur ist. Die Ökos aber um ein erhebliches mehr. Wie will denn einer es abstreiten, das die Abfuhr von Erntegut nicht auch die Abfuhr von Nährstoffen ist? Das Endprodukt der ganzen Ernte, ob zuerst als Futtermittel oder als Brotgetreide direkt, landet doch immer auf den Tischen des Verbrauchers, Bürgers, des einzelnen Menschen. Mit jedem Menschen landen dann nach dessem Tode ca. 650 gr Phosphor auf der "Nährstoffsenke" Friedhof. Dazwischen verschwinden zig Kilo an allen Nährstoffen, allen voran der Stickstoff, über die Kläranlage im Nirgendwo, bestenfalls im Meer. So ca. 10000 Tonnen Phosphor jährlich, nach letzten Erkenntnissen aus Hessen. Sieht man sich die Bescheide für den Betrieb der KA an, dann steht dort jeweils die für die Einleitung ins Gewässer erlaubte Menge an Nährstoffen, Stickstoff und Phosphor voran. Egal also ob Öko oder Modern, jede Form von Landwirtschaft ist somit Raubbau an der Natur. Dann sollte auch die Frage gestellt werden: "Warum wird den Landwirtschaft betrieben? Warum sind eigentlich unsere Herren Politiker darauf so erpicht eine effiziente LW zu haben. Weil sonst der "Treibstoff" der Nation weg ist, das täglich Brot? Es heißt nicht umsonst im "Vater unser" "Unser täglich Brot gib uns heute". Das sollte sie mal den Herrschaften klarmachen. Nicht dem Mainstream nachhecheln. Denn da sollte sie bedenken: Wer immer nur der Herde nachläuft, folgt nur den Ärschen.

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