Kompetenzzentrum

KÖN wünscht sich mehr Ökolandbau in der Berufsschule

Ökolandbau ist in der landwirtschaftlichen Berufsausbildung immer noch ein Randthema und wenn, dann gehts höchstens um den Pflanzenbau, fast nie um Tierhaltung. Da müssten die Lehrer mehr tun.

Die Kultusministerkonferenz gibt 80 Stunden Ökolandbau in der landwirtschaftlichen Berufsschule vor. Das sind rund 10 % des Unterrichts. Doch diese Stundenanzahl wird nur von wenigen Berufsschulen erreicht, kritisiert das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN). Hier seien vor allem die Lehrer gefordert, doch die bräuchten Unterstützung.

„Wenn wir das politische Ziel haben, 20 % Ökolandbau bis 2030 zu erreichen, dann müssen wir die Quantität und Qualität der Ausbildung verbessern“, sagt Carolin Grieshop, Geschäftsführerin des KÖN. In Hofgeismar diskutierten vergangene Woche 130 Experten Ergebnisse, Probleme und Lösungsvorschläge.

Einfluss zu nehmen auf die berufliche Bildung sei allerdings kompliziert, stellten die Teilnehmer der Tagung fest. Zwar gebe es Lehrpläne, Curricula, Handreichungen und andere Richtlinien, doch Lehrer entscheiden selbst, wie sie den Unterricht gestalten. Es sei außerdem schwierig, die von der Kultusministerkonferenz angeratenen 80 Stunden zu erkennen, wenn Ökolandbau integrierter Bestandteil des Fachunterrichtes ist.

Ökolandbauthemen würden jedoch auch außerhalb des Klassenraumes vermittelt. Es gibt Öko-Projekttage und Exkursionen zu Öko-Höfen. In der Hälfte der überbetrieblichen Ausbildungsstätten werde manuelle Unkrautbekämpfung gezeigt. Öko-Tierhaltung sei jedoch sehr selten ein Thema.

Tagung

Lehrer sind die Hauptfiguren, wenn es um Ökolandbau im Berufsschulunterricht geht. Auf der Fachtagung in Hofgeismar stellten sie Unterrichtsbeispiele vor, die ihren Berufskollegen Anregung für eigene Unterrichtseinheiten sein können. (Bildquelle: Dieter Schachtschneider)

Damit mehr Ökolandbau in die Ausbildung integriert wird, müssen laut KÖN viele Stellen zusammenarbeiten und Lehrer mehr unterstützt werden. Unterrichtsmaterialien gehörten dazu wie Weiterbildungsangebote. Öko-Landwirte könnten auch in den Ausschüssen mitarbeiten, Prüfungen abnehmen, ihren Hof als Exkursionsbetrieb zur Verfügung stellen oder sich im Rahmen von Projektwochen in den Unterricht einbinden lassen, lauten weitere Vorschläge des Kompetenznetzwerks. Die Ministerien und die nachgelagerten Behörden könnten Koordinierungsaufgaben übernehmen.

Laut Grieshop haben die Landwirtschaftsministerien in Berlin-Brandenburg, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen die Koordination für „mehr Ökolandbau in der beruflichen Bildung“ übernommen. In Nordrhein-Westfalen ist es die Landwirtschaftskammer und in anderen Bundesländern sind auch die Dachorganisationen der Öko-Verbände aktiv.

Alle Experten seien sich einig, dass Ökolandbau in die Berufsschule gehört. Einig ist man sich auch darüber, dass es keine eigene Ausbildung für Ökolandwirte geben soll. „Auch Azubis von konventionellen Höfen haben Vorteile, wenn sie die Grundlagen des Ökolandbaus gelernt haben“, sagt Carolin Grieshop, „egal ob sie Bio-Bauern werden wollen oder nicht.“


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