AgrarBündnis

Kritik: Digitalisierung der Landwirtschaft ersetzt keine Agrarwende

Das AgrarBündnis warnt vor Big-Data-Konzernen und fordert Gestaltung der Digitalisierung im Sinne einer bäuerlich-ökologischen Landwirtschaft

Kritiker der Initiative AgrarBündnis fordern, die Digitalisierung im Sinne einer bäuerlich-ökologischen Agrarwende zu gestalten und zu nutzen. „Wir brauchen einen neuen Blick auf die Digitalisierung und ihre Bedeutung für das Funktionieren von Gesellschaft und Wirtschaft. Es geht nicht darum, mit innovativer Technik vorhandene Schwachstellen zu verbessern“, sagt Geschäftsführer Frieder Thomas mit Blick auf eine interne Diskussion zum Thema Digitalisierung.

Klar sei, dass die Digitalisierung die Landwirtschaft massiv verändert. Chancen sollten nicht verkannt werden. Es sei aber notwendig, die Risiken zu benennen und ihnen zu begegnen: „Denn bäuerliche Erfahrungen und bäuerliches Wissen sind ein Schatz, den es zu erhalten und zu schützen gilt,“ sagt Thomas. „Algorithmen können diese Erfahrung unterstützen, aber nicht ersetzen.“

Viele Versprechungen

Die neue Technologie wird verbunden mit einer ganzen Reihe von Versprechungen: Mehr Umweltschutz bei gleichzeitiger Steigerung der Produktivität, umfassendere Information, Vereinfachung der Kommunikation oder auch Bürokratieabbau.

Das AgrarBündnis sieht aktuelle Probleme der Landwirtschaft jedoch nicht in technischen Defiziten begründet, die man mithilfe digitaler Instrumente beseitigen könnte. Denn digitale Lösungen sind schon lange ein Hilfsmittel in der Landwirtschaft.

Bernd Voss, Vorstandssprecher des AgrarBündnisses kennzeichnet die Situation so: „Wenn wir weiterhin nur kostengünstige Massenproduktion für die Weltmärkte als Ziel haben, dann wird uns auch die Digitalisierung nicht helfen landwirtschaftliche Betriebe und die Wirtschaftskreisläufe in der Ernährungswirtschaft ökonomisch, sozial und auch nicht ökologisch zu stabilisieren. Digitalisierung ersetzt keine Agrarwende.“

Das AgrarBündnis sieht insbesondere die Herausforderung, den Verlust von landwirtschaftlicher Vielfalt und eine fortschreitende Machtkonzentration in den der Landwirtschaft vor- und nachgelagerten Bereichen zu verhindern. Es sei zu erheblichen Unternehmenskonzentrationen bei den Anbietern von Software und digitaler Technik gekommen. Nicht ohne Grund haben gibt es inzwischen weltweite Bewegungen aus bäuerlichen Betrieben heraus, wie beispielsweise „right to repair“. Diese Initiative kämpft dafür, dass Landwirte Zugang zur Software ihrer Maschinen bekommen und diese auch selbst wieder reparieren dürfen.

Defizite bei den rechtlichen Rahmenbedingungen

Erhebliche Defizite sieht das AgrarBündnis bei den rechtlichen Rahmenbedingungen. Es sei Aufgabe der Regierungen, mehr Datenschutz zu gewährleisten. Denn neue Geschäftsmodelle würden insbesondere auf der Grundlage von Sammeln, Verabeiten und Verkaufen von Daten entwickelt. Sachdaten sind nicht geschützt – beispielsweise der Zustand der Böden landwirtschaftlicher Betriebe oder der genetische Code von Pflanzen. Solche Daten konzentrieren sich inzwischen bei wenigen Anbietern und Verwertern.

Bisher gäbe es zwar einige Fortschritte in Bezug auf Personendaten. Der Schutz von Unternehmensdaten sei jedoch unbefriedigend. Auch die Haftung sei noch nicht ausreichend geklärt. Es bestehe Rechtsunsicherheit wer bei Fehlern digitaler Systeme hafte: Anwender oder Hersteller.


Diskussionen zum Artikel

von Andreas Gerner

@Agrarbündnis

Von wegen "Wenn wir weiterhin nur kostengünstige Massenproduktion für die Weltmärkte als Ziel haben,..." Lesen Sie erst mal die Statistik. Wir sind Nettoiporteur. Destatis: Selbstversorgungsgrad D 88%. Klar, bei Weizen, Schweinefleisch, Milch und Kartoffeln etwas mehr (Klimatische ... mehr anzeigen

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