Bioboom

Mit Bio besser durch die Krise? Plus

Die Ausgaben privater Haushalte in Deutschland für Biolebensmittel sind während des Lockdowns stärker gestiegen als der Gesamtmarkt. Kommt Bio besser mit Corona klar?

Unser Autor: Nikos Förster, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

Biolebensmittel sind längst kein Nischenprodukt mehr für gutsituierte SUV-Fahrer. Bio ist raus aus der Nische und zieht inzwischen Käufer aus allen sozialen Schichten an. Offenbar treffen Biolebensmittel bei vielen Verbrauchern einen Nerv, da sie häufig mit den Themen Regionalität, Tierwohl, Gesundheit und Nachhaltigkeit verbunden werden. Diese Kriterien spielen bei der Kaufentscheidung neben dem Preis eine immer größere Rolle.

Dabei hat der kleine Bioladen von nebenan jedoch starke Konkurrenz bekommen: ,,Die Kunden kaufen heute überall, im Supermarkt und Discounter, in Biosupermärkten, Bioläden und Wochenmärkten“, weiß Prof. Jens Vogelgesang von der Uni Hohenheim aus seiner repräsentativen Studie. Dieses bestätigte sich jetzt auch wieder in der Coronakrise.

Aber zum Megatrend kommt noch hinzu: Die Ausgaben privater Haushalte in Deutschland für Biolebensmittel sind in Coronazeiten deutlich stärker gestiegen als im Gesamtmarkt. Dies gilt besonders für Fleisch, Geflügel, Obst, Mehl und Gemüse aus ökologischer Erzeugung, haben die Marktforscher von GfK in ihrem Haushaltspanel festgestellt. Denn der Außer-Haus-Verzehr ist während des Lockdowns regelrecht weggebrochen, und viele Familien haben wieder verstärkt zu Hause gekocht. Dabei griffen die Verbraucher wohl häufiger zu Bioware.

Damit hat „Bio“ insgesamt in den vergangenen Monaten einen regelrechten Nachfrageboom erfahren. Doch wie ist die Entwicklung in den einzelnen Segmenten? Und vor allem: Hält dieser Trend weiter an?

Großes Plus bei Biofleisch

Besonders profitiert von der Coronakrise hat der Biofleischabsatz. Nach Angaben der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) legte der Absatz über alle Fleischarten im April und Mai 2020 in Deutschland gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast 70% zu. Dabei ist der Absatz von Bioschweinefleisch um 68% gestiegen, während Biorindfleisch 64% und Biogeflügelfleisch 28,5% häufiger in den Einkaufswagen kamen.

Damit kauften die Haushalte in Deutschland während des Corona-Lockdowns mehr Biofleisch als je zuvor, was sich spürbar auf die ganze Wertschöpfungskette auswirkte: „Die Schweineverkäufe sind im März und April teilweise um 10 bis 20% gestiegen“, erklärt Diana Schaack (AMI). Dies gelte sowohl für Verbandshaltung als auch für Tiere nach EU-Ökoverordnung, so die Expertin.

Der Ökomarkt ist viel weniger von den Schwankungen des Weltmarkts betroffen. Dies ist auch den langfristigen Abnahmeverträgen geschuldet, die am Ökomarkt üblich sind. Folge: Die konventionellen Schweinepreise brachen im Frühjahr um rund 20 Cent/kg SG ein und stagnierten vor dem ASP-Fund über Monate bei rund 1,47 €/kg. Die Erzeugerpreise für Bioschweine blieben dagegen zu Beginn der Krise stabil bei 3,78 €/kg. Inzwischen sind die Notierungen sogar noch leicht gestiegen.

Begehrt für die heimische Küche ist auch Biogeflügel. Nach schon großen Wachstumsraten im Vorjahr setzte sich der Trend in Coronazeiten weiter fort: Der Absatz von Biohähnchen ist im ersten Quartal 2020...

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Diskussionen zum Artikel

von Wilfried Maser

Wie hoch ist der

Anteil der Bioware am Gesamtmarkt? Nur wenn man diesen Wert kennt, kann man die Steigerung richtig einordnen. Den Erzeugern von Biolebensmittel kann man nur wünschen, dass die Erzeugung von Biolebensmittel nicht schneller steigt wie die Nachfrage danach. Nicht dass die Preise in eine ... mehr anzeigen

von Heinrich Albo

Je höher der Anteil der Subventionen

am Gewinn ist desto weniger schwankt dieser.Logisch...

von Erwin Schmidbauer

Mal nachgedacht...

Absatzsteigerungen innerhalb eines Jahres von bis zu 70 % bedeuten doch, dass entweder viel mehr produziert wurde (unwahrscheinlich, das konnte man nicht voraussehen) oder dass konventionelle Ware in Bioware "umgewidmet" wurde oder viel importiert wurde (woher haben diese Länder die ... mehr anzeigen

von Anton Obermeier

Bioboom?

Man muß es nur oft genug schreiben, bis es dann jeder glaubt. Schlieslich muß man die Volksbegehrenforderungen ja irgendwie begründen.

von Hans Spießl

ist doch gut

Das zeigt doch das Bio ohne Subventionen bestens klar kommt - was ja ein Abschaffen der 2. Säule der GAP rechtfertigt

von Heinrich Esser

Sie wissen hoffentlich, dass über die 2. Säule nicht nur der biologische Anbau subventioniert wird.

von Christian Bothe

Bioeinkäufe gestiegen???

Da scheint viel Wunschdenken dabei.Bei und in einer 100000EW zählenden Stadt ist ein neuer Biomarkt(Eröffnung Ende 2019) mit 4000 Artikeln und Catering Pleite gegangen....Warum wohl??? Die Inhaberin war sehr engagiert, hat aber nichts genützt.

von jörg Meyer

Des Brot ich esse des Liedes ich sing

Hat Frau Hinz die Studie in Auftrag gegeben? Oder handelt es sich um neutrale marktbeobachtungen? Die officialbetatung wird immer politischer das kann zu einem bösen Erwachen führen! Auch das zk im der DDR war ökonomisch erfolglos....

von Andreas Gerner

Corona Effekt wird umschlagen.

Der erste Impuls war, dass die Menschen wieder darüber nachdachten, was wichtig ist und was nicht. In der Situation haben einige dann zu den höherpreisigen Lebensmitteln wie Bio, regional oder Marken gegriffen. Der Effekt ebbt ab. Ein anderer kommt stattdessen zum Tragen: Die verlorenen ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

.... und ein prozentualer Anstieg von z.B. 100%

wäre immer noch nicht viel.

von Andreas Gerner

Soso - Bio ist also raus aus der Nische.

Dabei liegt der Marktanteil bei zahlreichen Produkten noch im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Und das nach nun ca 40 Jahren. Zum Vergleich: Die Spritsorte E10 gibt es noch nicht so lange und hat einen Marktanteil von etwa 15%. Dennoch bezeichnet man sie als "Ladenhüter" und "hat ... mehr anzeigen

von Hermann Kamm

Ja genau!

solange Bio Betriebe Gärrest aus konfi Mais Biogasanlagen einsetzen dürfen, stelle ich mir die Frage was ist da noch Bio? Wird dabei der Verbraucher getäuscht und betrogen???

von Heinrich Esser

Machen Sie nicht den Fehler und schließen vom Einzelfall auf die Gesamtheit, Herr Kamm. Das erleben wir Landwirte doch ständig von unseren "Kritikern", wo das schwarze Schaf gerne mal als repräsentativ für die ganze Landwirtschaft gilt. Und wenn ein Teil des Düngers aus einer ... mehr anzeigen

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