Delegiertenversammlung

Naturland bezeichnet deutsche Agrarpolitik als „Bio-Verhinderungsprogramm“

Die Bundesregierung schließt laut Naturland Öko-Betriebe bei den Eco-Schemes von der Förderung aus. Die, die schon jetzt besonders viel für die Umwelt tun, würden schlechter gestellt, so die Kritik.

Naturland Präsident Hubert Heigl kritisiert die Pläne der Bundesregierung zur nationalen Umsetzung der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP) als Bio-Verhinderungsprogramm. „Die Gesetzentwürfe, die in dieser Woche in Berlin diskutiert werden, tragen nicht dazu bei, die Umweltwirkungen der Landwirtschaft deutlich zu verbessern“, sagte Heigl am Mittwoch auf der Delegiertenversammlung des Öko-Verbands in Frankfurt/Main.

Grund ist, dass die Bundesregierung plant, ausgerechnet Öko-Betriebe bei einer ganzen Reihe der sogenannten Eco-Schemes von der Förderung auszuschließen. „Damit würden gerade die Betriebe schlechter gestellt, die schon jetzt besonders viel für die Umwelt tun. Das Ziel der Bundesregierung von 20 % Öko bis 2030 ist so nicht zu erreichen“, unterstrich der Naturland Präsident.

Spiller fordert: „Biofleisch muss aus raus der Nische“

Eine Steigerung des Bio-Anteils besonders in der Tierhaltung mahnte auf der Delegiertenversammlung der Göttinger Agrarwissenschaftler Professor Dr. Achim Spiller an. Spiller, der seit Dezember Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Bundeslandwirtschaftsministeriums ist, hielt am Mittwoch einen Gastvortrag zur Zukunft der Tierhaltung und der Rolle des Öko-Landbaus dabei.

„In Deutschland wächst der gesellschaftliche Konsens, dass sich die Tierhaltung deutlich wandeln muss, wenn sie eine Zukunft haben soll. Bio-Betriebe sind dabei vielfach Pioniere, aber der Marktanteil im Vergleich zu pflanzlichen Produkten ist derzeit noch gering. Bio-Fleisch muss den Schritt aus der Nische in den nächsten Jahren schaffen“, sagte der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats.

Naturland Präsident Heigl, der in der Borchert-Kommission zum Umbau der Nutztierhaltung die Öko-Branche vertritt, forderte in diesem Zusammenhang eine wirklich mutige Umsetzung der Vorschläge der Kommission. „Bei aller Kritik haben wir hier erstmals die reale Chance, die gesamte Tierhaltung in Deutschland auf ein akzeptables Niveau zu heben. Aber Julia Klöckner zögert und besteht lieber weiter auf ihrem freiwilligen Tierwohllabel, das Bio ausschließt und das niemand haben will. Da bleibt eigentlich nur noch die Hoffnung auf die nächste Bundesregierung, denn ein ‚halber Borchert‘ bringt weder den Tieren etwas noch den Betrieben“, sagte Heigl.

Naturland beschließt verbindliche Öko-Aufzucht aller Bruderhähne bei Naturland

Das Thema Tierwohl steht auch im Zentrum einer Richtlinienänderung, die die Naturland Delegierten bereits am Dienstagabend verabschiedet hatten. Künftig muss zu jeder Naturland Henne auch der dazu gehörige Bruderhahn ökologisch aufgezogen werden. Mit diesem Beschluss setzten die Naturland Delegierten ein klares Signal gegen das Kükentöten und die „In Ovo“-Selektion und für eine ganzheitliche Öko-Hühnerhaltung. „Naturland engagiert sich seit langem auch für wirtschaftlich tragfähige Lösungen beim Zweinutzungshuhn. Mit der jetzt getroffenen Entscheidung für den Bruderhahn und gegen die ’In Ovo‘-Selektion halten wir zugleich den Weg zum Zweinutzungshuhn offen“, sagte Heigl.

Künftig dürfen Naturland Betriebe nur noch neue Legehennen einstallen, für die auch die entsprechende Zahl von männlichen Küken ökologisch aufgezogen wird. Die Haltungsbedingungen für die Bruderhähne auf Naturland Betrieben, die nun in der neuen Richtlinie festgelegt werden, gehen dabei in Sachen Tierwohl und Nachhaltigkeit deutlich über die Vorgaben der EU-Bio-Verordnung hinaus. Das Ziel, zu jeder Naturland Legehenne auch einen Bruder ökologisch aufzuziehen, ist im Übrigen schon scheute erreicht. Die Naturland Delegiertenversammlung hatte nämlich bereits vergangenes Jahr einen Grundsatzbeschluss zur Bruderhahnaufzucht gefasst, dessen praktische Umsetzung dann parallel zur Ausarbeitung des Richtlinientextes vorangetrieben wurde.


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