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Plagge zur EU-Agrarreform: „Der Druck ist immens“ Premium

Der Präsident der IFOAM EU-Gruppe, Jan Plagge, erwartet, dass die Debatte um eine umwelt- und klimagerechte EU-Agrarreform in den nächsten Monaten stark an Dynamik gewinnen wird.

Annegret Grafen sprach mit Bioland-Präsident Jan Plagge. Das Interview ist zuerst erschienen im bioland-Fachmagazin 10/2019:

bioland-Fachmagazin: Die Sommerpause ist vorbei. Das Parlament hat sich nach der Europawahl im Mai neu konstituiert. Die Ausschüsse wollen an die Arbeit des vorigen Parlaments anknüpfen. Erwarten Sie trotzdem neue Impulse aus dem Parlament?

Jan Plagge: Ja, auf jeden Fall, weil es die geben muss. Weil der Druck immens ist. Es gibt etliche neue Parlamentarier, auch im Agrarausschuss, die sich noch gar nicht mit dem Gesamtwerk und den Folgen dieser GAP-Reform befasst haben. Sobald die eingestiegen sind, erwarte ich substanzielle Impulse für die Position des EU-Parlaments.

Wo sehen Sie den Druck vor allem?

Plagge: Bei einem sinkenden Gesamthaushalt entsteht für das Agrarbudget ein hoher Rechtfertigungszwang. Er entsteht vonseiten der anderen Ressorts, der Wissenschaft, der Politik, aber auch der Gesellschaft. Das Argument, die Gelder seien ein Einkommensbestandteil der Landwirte, funktioniert nicht mehr. Es muss ein Mehrwert für unsere bedrohten Lebensgrundlagen, für Klima-, Arten- und Wasserschutz dabei herauskommen. Darüber wird es in den kommenden Monaten eine immer intensivere Debatte geben.

Warum sind Sie da so optimistisch? Die Kräfte, die den reinen Einkommensmechanismus der GAP verteidigen, sind nach wie vor stark.

Plagge: Ich bin zweckoptimistisch. Die, die weiter an der klassischen Direktzahlung festhalten wollen und immer wieder mit Argumenten von vor 20 Jahren operieren, die haben offensichtlich den enormen Handlungsdruck auf die verantwortlichen Politiker noch nicht erfahren und gespürt. Ich stelle fest, dass in den letzten Monaten die Dringlichkeit und die Notwendigkeit für eine zielgenaue GAP enorm gestiegen ist.Die größte Dynamik kommt aktuell aus der Klimaschutzpolitik.

Der Kommissionsvorschlag sieht kein Mindestbudget für Umweltmaßnahmen in der Ersten Säule – die Eco-Schemes – vor. Die IFOAM EU-Gruppe fordert einen Mindestanteil von 70 % über beide Säulen. Realistisch?

Plagge: Die Mittelbindung für die Eco-Schemes in der Ersten Säule ist auf dem Tisch. Sowohl der Umwelt- als auch der Agrarausschuss im EU-Parlament hat sie beschlossen, damit ist sie Teil der Parlamentsposition. Je...

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Wilhelm Grimm

Das war ein wahres Wort, Herr Plaas-Beisemann.

Es kommt hinzu, dass viele der politischen Ziele, die von Minderheiten marktschreierisch postuliert werden, nur den Marktschreiern selbst helfen, der Naturlandschaft keine oder kaum Vorteile bringen, der Kulturlandschaft schaden, der Tierhaltung wenig nützen und den ökologischen Fußabdruck verschlechtern. Unsere derzeit im Amt sitzenden Politiker folgen einer werbewirksamen Massenpropaganda. Das aber wird sich noch rächen. Wir werden an diesem Massenwahn ertrinken und die Ärmsten auf diesem Planeten werden verhungern oder nur unvollständig ernährt werden. Es ist unauswechlich, dass sich immer mehr Menschen in Bewegung setzen, um ins "Gelobte Land" zu kopmmen, dort wo Milch und Honig fliessen. Daran wird unsere Demokratie zerbrechen.

von Henrik Plaas-Beisemann

Ehrlich wäre:

Es ist einfach zu wenig Geld für die politischen Ziele im Topf! Wenn die Agrarwende kommen würde, mit allen Ziele zum Ausbau des Ökolandbaues, zu Maßnahmenplänen in Schutzgebieten, zum Vertragsnaturschutz etc. reicht selbst bei einer völligen Umverteilung der ersten in die zweite Säule das Geld zum Ausgleich der Kosten für die Bauern nicht aus. -zumal bei einer Umverteilung wir die Kosten jetzt schon selbst zahlen- Ehrlich wäre: Der EU-Agrarhaushalt ist viel zu klein für die Ziele, oder die Ziele sind nicht zu verwirklichen!(bedenke: Strukturwandel ist das größte Problem für viele Artenschutzziele) Öffentliches Geld für öffentliche Leistungen, lässt sich auch andersherum auslegen; wer eine Leistung abruft, muss danach auch die Rechnung bezahlen. Bauunternehmer bauen auch keine Brücken für den Staat um am Ende, eine feuchten Händedruck für den Beitrag zur Infrastruktur zu erhalten. Dann gäbe es auf kurz oder lang keine Bauunternehmer mehr, bei landwirtschaftlichen Betrieben ist das nicht anders.

von Wilhelm Grimm

Die Plagges und Prinzen sind Gift

für die Einheit unseres Berufsstandes .Sie versuchen ständig, sich zu Lasten der anderen 94% landwirte zu profilieren Der DBV muss klare Kante fahren, im Sinne seiner Mitglieder.

von Jörg Meyer

lächerlich

Herr Plagge und die seinen wissen genau, viele Biopreise sind aufgrund des Überangebotes und der schwächelnden Nachfrage unter Druck! Arbeitsintensiv im Hochlohnland wirtschaften geht nur bei hohen Produktpreisen, fallen diese ist die Wirtschaftlichekt nicht mehr gegeben! Wenn Herr Plagge und die seinen es nicht schaffen sich Fördetechnisch noch deutlich höhere Subventionen zu sichern, mit der Folge das noch mehr Betriebe bio machen wollen....Dann: .Herr Plagge und die seinen sind "on the Road to Hell" Zu glauben dass in Europa wirklich die Agrarpolitik das Maß aller Dinge sein wird, ist ein Frommer Wunsch, der, so meine persönliche Einschätzung, sich nicht umsetzen wird! Die Welt hat andere Probleme als Herr Plagge und die Seinen.....

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