bioland-Fachmagazin

Warum die Biolandwirtschaft die Regulierung der neuen Gentechnik braucht Plus

Neue Superpflanzen gegen den Klimawandel – oder das Ende der gentechnikfreien Landwirtschaft in Europa? Warum sich die Bio- Branche für die Regulierung der neuen Gentechnik einsetzen muss.

Gastbeitrag von Dr. Eva Gelinsky und Stefanie Hundsdorfer, Interessengemeinschaft für gentechnikfreie Saatgutarbeit (IG Saatgut). Der Bericht ist zuerst erschienen im bioland-Fachmagazin für ökologischen Landbau 10/2020.

Dürre, Hitze, Starkregen, neue Schädlinge und Krankheiten: Die Landwirtschaft steht angesichts der Klimakrise vor gewaltigen Herausforderungen. Seit 1980 ist die Temperatur in Deutschland um 1,5 Grad angestiegen. In Mitteleuropa herrscht bereits ein Klima, das noch vor kurzer Zeit für 2050 prognostiziert worden war.

Auch die starken Schwankungen von Jahr zu Jahr und die Häufung von Extremwetterereignissen machen die Anbauplanung für Betriebe zunehmend kompliziert. Der Deutsche Bauernverband, die großen Agrarkonzerne, Wissenschaftsinstitutionen und auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner propagieren technische Innovationen als Lösung.

Mit Hilfe von neuen gentechnischen Verfahren wie zum Beispiel CRISPR/Cas sollen Pflanzen entwickelt werden, die mit Trockenheit besser zurechtkommen und mit neuen Resistenzen gegen Krankheiten und Schädlinge ausgestattet sind.

Damit auch europäische Unternehmen diese Pflanzen entwickeln und vermarkten können, soll, so die Forderung, das europäische Gentechnikrecht so geändert werden, dass die neuen Gentechnikverfahren nicht mehr reguliert werden. Die veränderten Pflanzen könnten dann – möglichst schnell – ohne Risikobewertung und Zulassungsverfahren auf den Markt kommen, es gäbe weder Rückverfolgbarkeit noch Transparenz.

Kennzeichnung elementar

Dass dieser Forderung tatsächlich Taten folgen sollen, zeigen die Entwicklungen auf EU-Ebene. In Brüssel werden bereits Vorbereitungen für eine Änderung der Gentechnikgesetzgebung getroffen. Im November vorigen Jahres hat der Rat die Kommission aufgefordert, bis Ende April 2021 eine Studie über den Status der neuen gentechnischen Verfahren im Rahmen des Unionsrechts vorzulegen. Es ist davon auszugehen, dass die Veröffentlichung konkrete Vorschläge zur Deregulierung der neuen gentechnischen Verfahren enthalten wird.

Welche Folgen hätte eine Deregulierung für den Biolandbau und die gentechnikfrei arbeitende Züchtung, Land- und Lebensmittelwirtschaft? Die (Wahl-) Freiheit, gentechnikfreies Saatgut und Lebensmittel zu produzieren,...

Die Redaktion empfiehlt

Peter Röhrig, Geschäftsführer des BÖLW, sind CRISPR/Cas kein Baustein für eine enkeltaugliche Land- und Lebensmittelwirtschaft.

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Eine neue Methode soll die Genveränderungen in Cibus-Raps nachweisen können. CDU/CSU-Vertreter bezweifeln die Eignung des Tests.


Diskussionen zum Artikel

von Michael Hanewinkel

Vorteile der Gentechnik?

Welche Vorteile hat die grüne Gentechnik denn für uns Landwirte gebracht? Die Erträge sind nicht gestiegen die Produktionskosten sind auch nicht gesunken durch die grüne Gentechnik. Können wir denn einschätzen wie der komplette Organismus der Pflanze reagiert, wenn wir an einer ... mehr anzeigen

von Stefan Lehr

Nicht recht nachvollziehbar

... was die Damen hier von sich geben. Es gibt sicherlich einige Punkte, die fuer heutige Probleme mit der Zuechtung entstanden sind, aber ich verwahre mich auf das entscheidenste, dass unsere moderne Pflanzenzuechtung und unsere Anbaumethoden zu einer Degeneration unserer Boeden fuehrt. ... mehr anzeigen

von Christian Bothe

IG Saatgut?

Wieder so ein Verein, welcher die Zeichen der Zeit nicht erkennt, erkennen will oder darf! Ohne grüne Gentechnik, Crispr/Cas 9 werden wir die Herausforderungen der Welternährung niemals bewerkstelligen können. Die Damen und Herren von IG Saatgut sollten mal aus ihrem Schneckenhaus ... mehr anzeigen

von Harald Finzel

Warum schreiben die Grünen eigentlich immer von "regulieren", ...

wenn sie doch "verbieten" meinen? --- Bei BT-Mais haben wir z.B. alleine in der EU rund 20 Jahre Risikoanalyse im Großversuch (regulärer Anbau von MON810-Mais in Spanien auf hunderttausenden Hektaren), ohne dass nachteilige Folgen gegenüber klassischen Züchtungen erkennbar wären ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Die gezielte Arbeit an Genen ist nicht unsere Baustelle.

sie ist weltweit Tagesgeschäft und der deutsche Michel wird davon profitieren. Unser Tagesgeschäft sind die Bevormundungen durch unsere grün instrumentalisierte. Agrarpolitik, die unseren kleinen und mittleren Betrieben das Genick brechen wird und auch die großen Betriebe schwer belasten wird.

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