Social Media

Agrarbloggercamp 4.0: Raus aus der Blase

Agrarblogger aus ganz Deutschland versammelten sich vergangene Woche beim 4. Agrarbloggercamp in Bonn zum Erfahrungsaustausch. Sie diskutierten über die Wege aus der landwirtschaftlichen Blase.

Meinungsbildung und Diskussionen finden heute vor allem im Netz statt. Einige Landwirte nutzen die Chance der sozialen Medien und geben dort Einblicke in ihren Alltag auf dem Hof und stellen sich den Diskussionen und Fragen von Verbrauchern und Kritikern. Vergangene Woche kamen zum vierten Mal rund 60 Agrarblogger aus ganz Deutschland in Bonn bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) zusammen, um Erfahrungen auszutauschen. Dazu eingeladen hatte die "AgChat Deutschland" rund um den Organisatoren Rainer Winter, Nadine Henke und Bernhard Barkmann.

Nicht-Landwirte im Fokus

Die Teilnehmer des Camps gingen am Freitag insbesondere der Frage nach, wie sie durch ihre Kanäle noch mehr Menschen außerhalb der Landwirtschaft erreichen können. Denn die Gefahr besteht, dass die Agrarblogger mit ihren Blogs vor allem andere Landwirte und nicht die gewünschten Zielgruppe, die Verbraucher, erreichen. Denn in digitalen Filterblasen treffen sich Menschen ähnlicher Einstellung, die sich in ihrer Meinung häufig gegenseitig bestärken. Initiativen aus den eigenen Reihen, wie Echt Grün-Eure Landwirte, die BeetSchwestern, die AgrarScouts, Tour de Buur, My Kuh Tube und Farmcast schaffen es bereits, die eigene Blase zu durchdringen.

Die Referenten Sabine Hildebrandt (Pressesprecherin Landwirtschaftsministerium Niedersachsen), Sanna Karolszyk (Corteva Agriscience), Hanns-Christoph Eiden (BLE) und Jan Grossarth (Leiter des Medien- und Kommunikationsstabes im BMEL) stellten den Campteilnehmern Ideen, Konzepte und Tipps rund um die Kommunikation vor.

Wie sich auf Kritiker und Verbraucher zugehen lässt, verdeutlichte Sabine Hildebrandt vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium anhand eines Barcamps. In Hannover hat das Ministerium letztes Jahr erstmals das Barcamp „Stadt-Land-Food“ veranstaltet. Neben Landwirten haben auch Verbraucher, Politiker und NGOs daran teilgenommen und ihre Meinungen ausgetauscht. Das nächste Barcamp findet am 20.März in Oldenburg statt.

In dem Impuls von Sanna Karolszyk drehte sich alles um das beliebte Farming-Simulator-Spiel. Das Unternehmen Corteva sponsert seit dem letzten Jahr die FarmingSimulatorLeague. Noch bis zum Sommer 2020 treten europaweit Teams in der Farming Simulator League gegeneinander an, um den Titel des Farming Simulator Champions zu erringen. Ein Großteil der Teilnehmer sind Menschen, die sonst keine Berührungspunkte zur Landwirtschaft haben. Durch die Turniere würden auch Nicht-Landwirte für die Agrarwelt begeistert.

Für Hanns-Christoph Eiden, dem Präsident der BLE, ist die Sprache ein wichtiger Schlüssel die eigene Parallelöffentlichkeit zu verlassen. „Setzen Sie die Brille der Verbraucher auf“, riet er den Teilnehmern. Das bedeutet viele Begriffe, die Landwirten tagtäglich benutzt, aber außerhalb der Branche keiner kennt, gehören ersetzt oder zumindest erklärt.

Der ehemalige FAZ-Redakteur Jan Grossarth nannte einen journalistischen Leitspruch: „Stehlen Sie nicht die Zeit des Lesers!“ Daher empfahl er kürzere und knackigere Texte, auch wenn das Medium Blog zu Beiträgen von epischer Länge verleite.

Seit November 2019 führt Jan Grossarth den Medien- und Kommunikationsstab im Bundeslandwirtschaftsministerium. Er riet sich mit Kritikern zu treffen und mit ihnen das faire Streitgespräch zu suchen, in denen das Argument und nicht die Lautstärke zählt. Er sieht die Gefahr, sich nur in seine Gruppe zurückzuziehen und "Von wir und den anderen" zu sprechen. Diese Wagenburg-Denke führe zur Radikalisierung.

Impulse aus den eigenen Reihen

Am Donnerstag fand im Vorfeld ein Agrarblogger-Barcamp statt. Ein Barcamp ist ein Veranstaltungsformat mit offenen Workshops, deren Inhalte und Ablauf von den Teilnehmern zu Beginn der Tagung selbst entwickelt und im weiteren Verlauf gestaltet werden. Die selbst bestimmten Themen des Agrarbloggercamp 2020 drehten sich vor allem um die Art und Weise der Außenkommunikation:

Alle weiteren diskutierten Themen des Agrarbloggertreffens finden Sie unter dem Hashtag #AgChat20.

Die "AgChat Deutschland" wurde von drei Agrarbloggern gegründet, um Agrarier zu vernetzen und sie beim Dialog mit der Gesellschaft in den Sozialen Medien zu unterstützen.

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Diskussionen zum Artikel

von Benjamin Ziegler

Richtiger Weg?

Also ich werde den vorgeschlagenen Weg nicht einschlagen, nur der Reichweite wegen. Mit einem weichgespülten "Produkt", dann auch noch auf die Ansprüche der breiten Leserschaft optimiert kann man nur in der großen Flut der sozialen Medien untergehen. Da bleibe ich meiner kleinen aber ... mehr anzeigen

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