Landwirtschaft im Dialog

Agravis: Sojaeinsatz in den letzten zehn Jahren um 40 % reduziert

„Tierhalter im Tierschutzstress“? Darüber wird im top agrar-Format "Landwirtschaft im Dialog“ am 28. November in Berlin diskutiert. Wir haben Podiumsteilnehmer Dirk Köckler von Agravis vorab befragt.

In Brasilien sterben die Wälder. Der Verbraucher gibt der deutschen Veredlungswirtschaft eine Mitschuld. Welche Eiweißalternativen sehen Sie für Sojaschrotimporte aus Übersee?

Köckler: Das ist ein sehr emotionales Thema, das aktuell durch die bewegenden Bilder von Brandrodungen im Amazonasgebiet – auch als Kritik an der brasilianischen Regierung – bestimmt wird. Für uns ist deshalb eine fachliche Einordnung wichtig. Gute klimatische Bedingungen sind für den Anbau von Sojabohnen in Europa nicht gegeben, dementsprechend gering ist der Sojaanbau in Europa. Gleichwohl arbeiten wir schon seit Jahren an Alternativen bzw. an der Reduktion des Sojaschroteinsatzes im Futter. Wir setzen immer öfter – und vor allem da, wo es möglich ist – auf die Alternative Rapsschrot als Nach- und Nebenprodukt aus der Rapsölgewinnung.

Im Rinderfutter verzichten wir inzwischen fast komplett auf Eiweiß aus Sojaschrot. Beim Schweinefutter wird Sojaschrot immer weiter reduziert und durch verdauliche Aminosäuren ersetzt - Köckler

So wurde der Sojaeinsatz in der Mischfutterproduktion in den vergangenen zehn Jahren um 40 Prozent reduziert. Eiweißalternativen sind zudem Sonnenblumenschrot, verschiedene Schlempen und Kleie. Diese Produkte werden schon mehr oder weniger europaweit eingesetzt. Allerdings gehört zum ehrlichen Umgang mit dem Thema auch, dass nur rund 10 Prozent des weltweit angebauten Sojas in der EU verbraucht werden. Für die Agravis sind die Herausforderungen der Regenwaldabholzung und nachhaltig erzeugtes Soja äußerst wichtige Themen im Rahmen des Nachhaltigkeitsmanagements. Wir versuchen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln sicherzustellen, dass in unseren Mischfutterwerken nur nachhaltige Ware verarbeitet wird. Deshalb arbeiten wir schon seit Jahren mit einer der großen lokalen Genossenschaften in Brasilien zusammen – Coamo Agroindustrial Cooperativa. Coamo besitzt drei eigene Ölmühlen im Süden von Brasilien etwa 1.500 Kilometer entfernt vom Amazonasgebiet. Coamo hat ein eigenes Zertifizierungsprogramm. Das wird von Agravis-Mitarbeitern auch regelmäßig vor Ort überprüft.

Ackerbohnen, Erbsen & Co. sind ackerbaulich nicht konkurrenzfähig. Welche Maßnahmen muss der Staat treffen, damit in Deutschland mehr Eiweißpflanzen und Körnerleguminosen angebaut werden?

Köckler: Grundsätzlich begrüßen wir als Agravis alle Bemühungen in dieser Richtung und setzen in einigen Mischfutter-Mischungen auch gezielt Ackerbohnen und zuletzt auch Erbsen ein. Wir spüren, dass durch Anbauprogramme die Flächen für Leguminosen spürbar ansteigen. Ackerbohnen und Erbsen sind zudem wertvolle Bausteine im Rahmen der Fruchtfolgegestaltung. Deshalb ist es auch richtig, dass Anbaurisken und schwankende Erzeugerpreise durch Förderprogramme ausgeglichen werden.

Bei Holz und Fisch gibt es bereits Nachhaltigkeitssiegel. Ist so etwas aus Ihrer Sicht auch bei Futtermitteln möglich?

Köckler: Wenn wir von Soja sprechen, dann verarbeiten wir schon jetzt nur Soja, dass nach FEFAC-Richtlinien produziert wird. Grundsätzlich begrüßen wir als Agravis aber auch ein Nachhaltigkeitssiegel für Futtermittel. Wichtig sind hier der Markterfolg sowie eine Bereitschaft des Lebensmittelhandels, diese Produkte entsprechend zu bepreisen. Daneben muss aber auch der Verbraucher den Mehrwert eines solchen Siegels erkennen und dann vermehrt nachfragen.

Landwirtschaft im Dialog zu „Tierhalter im Tierschutzstress“ am 28. November

Am 28. November steht ab 19 Uhr in der Vertretung des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Berlin das Thema Tierschutz im Mittelpunkt. Wir wollen mit Politikern verschiedener Parteien aus Bund und Ländern, Bauern, Händlern und Vertretern von Umweltorganisationen und des Agribusiness diskutieren, was geschehen muss, damit die deutschen Tierhalter verlässliche und akzeptierte Zukunftsperspektiven bekommen, auf die sie bauen können.

Kostenlos anmelden!

Die Teilnahme an der Veranstaltung, die top agrar im Rahmen des neuen Diskussionsformats „Landwirtschaft im Dialog“ durchführt, ist kostenlos. Weitere Informationen und Anmeldung unter www.seminare.lv.de

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Artikel geschrieben von

Christina Lenfers

Redakteurin top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Andreas Demann

Alle reden nur über Soja Schrot und Viehhaltung. Was ist denn mit dem Bedarf nach dem Soja Oel? Müssen wir den Margarine Herstellern auch mal den schwarzen Peter zuschieben oder dem Verbraucher der auch kein Palmöl möchte zum Schutz der Natur?

von Christian Bothe

Sojaverbrauch

Mit Emotionalität kann man keine Schweine effektiv mästen.Der Agravis Chef weiß das natürlich ganz genau.Jeder Schweinebauer ist gut beraten den hochwertigen SES einzukaufen,wenn er preislich relevant ist.Ob das nun unbedingt von Brasilien,Argentinien sein muß oder den USA bzw. Donausoja ist eigentlich egal. Hauptsache der Preis passt und der Schweinemäster kann existieren und Deckungsbeiträge erwirtschaften,insbesondere bei diesen ständig steigenden Anforderungen zum Tierwohl...

von Gerd Uken

Neuere Zahlen als aus 2018

Finde ich nicht. EU importiert 33 Mio to. Deutschland importiert zu 100% Soja und von 2010 bis 2017 ist der Import um 6 Mio to zurückgegangen..... http://www.sojatoaster.com/hintergrundinfos/sojaanbau-globale-mengenverteilung-und-mengenstroeme/ Woher sollen da jetzt 40% weniger kommen?

von Gerd Uken

An die TA Redaktion

Gibt es da auch verlässliche Zahlen über Sojaerzeugung und Verarbeitung?

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