Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft

Aldi soll Betrieb von Klaus Kliem gekauft haben

Der ehemalige Präsident des Thüringer Bauernverbandes, Klaus Kliem, soll die Geithainer Landwirtschafts GmbH an ALDI verkauft haben. Dies wäre der zweite Betrieb, den ALDI in kurzer Folge aufkauft.

Am 27. September 2019 sollen sämtliche Geschäftsanteile der Geithainer Landwirtschafts GmbH von der bisherigen Gesellschafterin, der Aschara Landwirtschafts GmbH, an die Boscor Land- und Forstwirtschafts GmbH & Co. KG, vertreten durch die Komplementärin Boscor Land- und Forstwirtschafts Verwaltungs GmbH, verkauft worden sein. Das hat die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Mitteldeutschland (AbL) erfahren. Der Betrieb Aschara gehört Klaus Kliem, dem früheren Präsidenten des Thüringer Bauernverbandes.

Die Gesellschaft Boscor wurde nach Informationen der AbL erst im Jahr 2018 von der Lukas-Stiftung speziell zum Zwecke der Geschäftsbeteiligung an Agrar- und Forstunternehmen gegründet. Theo Albrecht vertrete persönlich die Stiftung im Außenverhältnis, so die AbL weiter. Die Anteile der Aschara GmbH würden von der ADIB Agrar-, Dienstleistungs-, Industrie- und Baugesellschaft mbH gehalten. Die Familie Kliem halte 52,42 % des Kapitals, sagt die Arbeitsgemeinschaft.

Der AbL-Vorsitzende Mitteldeutschland, Michael Grolm, macht aus seiner Missbilligung keinen Hehl: "Wieder einmal macht ein Großagrarier Kasse. Dies macht wieder einmal deutlich, wie dringend wir ein Gesetz brauchen, welches solche Deals verhindert! Denn klar ist: wenn ein Discounter wie ALDI weiter auf Einkaufstour geht, werden zukünftig weder die heimischen Landwirte, noch die Verbraucher oder die Bienen etwas zu lachen haben", so Grolm.

Aldi hatte bereits den Agrarbetrieb Kayna eG übernommen. Dies erfolgte, indem die alten Genossen (gegen Zahlung einer Abfindung) ausgeschieden sind und als neue Genossenschaftsmitglieder die Boscor Land- und Forstwirtschafts GmbH & Co. KG, die Boscor Land- und Forstwirtschafts Verwaltungs GmbH sowie die Boscor Projekt GmbH eingetreten sind, erklärt Grolm dazu weiter. Somit habe die Genossenschaft vermutlich exakt die gesetzliche Mindestmitgliederzahl von drei Mitgliedern, sagt er. Die Mitgliederlisten selbst würden aufgrund einer Novellierung des Genossenschaftsgesetzes nicht mehr beim Amtsgericht eingereicht.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

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Diskussionen zum Artikel

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von Doris Willmer

Inkompetenz und Lobby-Politik

Diese Entwicklung zeigt die Inkompetenz und Konzernhörigkeit der Bundesregierung (die auch die Regeln in der EU mitbestimmt) auch auf diesem Gebiet. Statt die Bevölkerung zumindest in Bereichen der Grundversorgung (Nahrung, Wasser, Wohnen, Energie) vor der zunehmenden Abhängigkeit von immer größeren Konzern-Konstrukten zu schützen, wird durch die neoliberale Politik die Marktmacht immer mehr konzentriert und der immer wieder beschworene sog. "freie Markt" vernichtet. Wir brauchen dringend grundlegende Veränderungen in der Politik und wirksame Regelungen, die "späte Korruption" durch Postenbeschaffung für ehemalige Politiker verhindern (s. Gabriel, Schröder, Schmidt, Niebel...)

von Willy Toft

Frisches Geld ist gut, nur der Geldgeber bestimmt praktisch über die Ertragsaussichten!

Einen KRANKE ENTWICKLUNG nimmt seinen Lauf. Aldi verdient schon lange an der Landwirtschaft, und schickt sich der Konzern an seine Lieferanten zu übernehmen! Ein Schelm der dabei Böses denkt!

von Eckehard Niemann

Sonnleitner-Lob für Kliem

Thüringer Allgemeine - 01.09.2008: Streitbarer Manager BAD LANGENSALZA (bm). ... Klaus Kliem, Geschäftsführer der Adib und Präsident des Thüringer Bauernverbandes, feierte seinen 60. Geburtstag. ----- Tuba spielend - so sieht man Bad Langensalzas Bürgermeister Bernhard Schönau nur zu Anlässen, die ihm wichtig sind. Bauernpräsident Klaus Kliem gehört zu seinen engsten Freunden. Ihm zu seinem 60. Geburtstag ein Ständchen zu spielen, empfand das Stadtoberhaupt als Ehrensache. Also stand er gestern auf dem Baumhaus an der Thiemsburg und musizierte, während unten Klaus Kliem hunderten Gästen die Hand schüttelte. ------ Ministerpräsident Dieter Althaus frotzelte zwar, dass Kliem auch an seinem Ehrentag nur an die Bauern dächte und ihnen den lang ersehnten Regen beschert hat, würdigte den Geschäftsführer der Adib und Präsidenten des Thüringer Bauernverbandes aber als Mann der klaren Worte und der Tat, der den Politikern ein verlässlicher Partner sei. ------ Auch Gerd Sonnleitner, als Präsident des Deutschen Bauernverbandes quasi sein Chef, hielt mit Lob nicht hinter dem Berg. Kliem streite zwar gerne, lasse sich von besseren Argumenten aber immer überzeugen. In den 18 Jahren, in denen er dem Thüringer Bauernverband vorstehe, habe er viel getan, um den Landwirten und Viehzüchtern auch in Brüssel eine Lobby zu verschaffen. ----- Trotz seiner Ehrenämter, zu der auch der Aufsichtsratsvorsitz beim Thüringer Handballclub gehört, sei Kliem aber immer eines gewesen: Ein hervorragender Manager, der nach der Wende die Adib-Gruppe aufbaute. 14 Unternehmen aus mehreren Branchen gehören inzwischen dazu. Über 450 Mitarbeiter sind in ihr beschäftigt. Tendenz: steigend.

von Kurt Brauchle

So ändern sich die Ansichten

Jahrzehntelang wurde der Bauer ausgelacht weil er, wie einer mal sagte, nicht von seiner Bohrerei im Boden loskommt, und sein Kapital gewinnbringend anzulegen vermag. Heute lassen all jene im Boden bohren die Angst um ihr Kapital haben.

von Eckehard Niemann

Zusatzinfo

Zusatzinfo aus dem Jahre 2008: ------- In Thüringens Bauernverband gab es jüngst heftigste Proteste gegen den Versuch von Bauernverbandspräsident Klaus Kliem, die von ihm geleitete Groß-Agrargesellschaft ADIB (4.500 Hektar und Beteiligung an einem ukrainischen Agrargroßbetrieb) durch eine „feindliche Übernahme“ der benachbarten Agrar-Betriebsgesellschaft BEAG auf weit mehr als 10.000 Hektar zu vergrößern. ----- Aus: http://www.abl-niedersachsen.de/fileadmin/Dokumente/AbL-Niedersachsen/Themen/Agrarindustrialisierung.pdf ------ Siehe auch: http://www.bauernverband-kyffhaeuserkreis.de/news/1/241462/nachrichten/241462.html

von Gregor Grosse-Kock

Prämien

Total streichen für Landwirtschaftsbetriebe die Industrielle Miteigentümer haben!!!!!!

von Klaus Fiederling

Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel (Konfuzius)

Sie existiert gedanklich bereits, diese ganz simple Lösung für solche Probleme: Eine rigorose Deckelung der alljährlich wiederkehrenden staatlichen Subventionen, der Prämienhöhe pro Betrieb, könnte zumeist Abhilfe schaffen; von heute auf morgen! - Jene Protagonisten aber, die solche „Geschäftsmodelle“ in den Hinterzimmern abwickeln, wissen vorstehendes Ansinnen sehr feinsinnig mit Sicherheit unter Zuhilfenahme unserer bäuerlichen Interessenvertretung auch fortwährend zu verhindern. Es lebe also das altbewährte Gießkannenprinzip, wo die Drainagen schlussendlich immer in die dafür bereits seit Jahren, Jahrzehnten, vorgesehenen, bestens ausgebauten, nicht sichtbaren Kanäle fließen.// ...Bei den nächsten gemeinsamen Bauernstadtfahrten muss die Agenda wohl oder übel um so einige Gesichtspunkte dringend erweitert werden.

von Andreas Thiel

Zukunftsmodell...

Verfehlter Politik!

von Hans-jürgen Fricke

Ja

da sieht man, was die Politik fördert. Bauerland in Bauernhand ist das nicht.

von Gerd Schuette

Bauernlegen 3.0

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