ifo Institut

Anteil der Landbevölkerung auf historischem Tiefststand

Deutschlands Bevölkerung hat sich während der gesamten Nachkriegszeit noch nie so ungleich im Raum verteilt wie heute, sagt das ifo Institut. Vor allem junge Menschen meiden das Land.

Ungebrochen ist nach Angaben des ifo Instituts die Urbanisierung in Deutschland. Wie aus einer Studie der Dresdener ifo-Niederlassung hervorgeht, hat der Anteil der Bevölkerung, der auf dem Land lebt, inzwischen den niedrigsten Stand seit 1871 erreicht.

Dieser Trend zur Verstädterung sei sowohl in wachsenden Bundesländern wie Hessen als auch in schrumpfenden Bundesländern wie Sachsen zu beobachten. Im Jahr 2018 lebten der Studie zufolge 83 % der Hessen in größeren Städten; 1871 waren es 65 %. Für Sachsen zeigen die Wissenschaftler bis 1946 einen nahezu identischen Urbanisierungstrend.

Nach der deutschen Teilung verließen mehr Menschen die dortigen ländlichen Gebiete als die größeren Städte. Im Jahr 2018 war der Anteil der Stadtbevölkerung in Sachsen auf 78 % gestiegen. Einen kontinuierlichen Anstieg des Anteils der Stadtbevölkerung weisen die ifo-Forscher auch für die Region Berlin/Brandenburg aus; mit 88 % aller Einwohner erreichte dort der Anteil 2018 einen historischen Höchststand.

Auf dem Land fehlen Fachkräfte und Geburten

Grundlage der Untersuchung bilden neue Daten, die die Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden bis 1871 zurückverfolgen. Die Forscher sehen anhand dieser Zahlen eine immer stärkere Ballung der Bevölkerung an wenigen Orten. „Deutschlands Bevölkerung hat sich während der gesamten Nachkriegszeit noch nie so ungleich im Raum verteilt wie heute“, so der Leiter der Studie, Dr. Felix Rösel.

Seinen Angaben zufolge meiden vor allem junge Menschen das Land. Dadurch fehlten Fachkräfte und Geburten, „was die Unwucht auf mittlere Sicht zusätzlich verschärft“. Die ifo-Forscher fordern vor diesem Hintergrund eine Debatte über die Stärkung des ländlichen Raums. Denkbar seien etwa neue oder reaktivierte Außenstellen von Behörden und Hochschulen auf dem Land sowie ein Abbau der Benachteiligung kleiner Gemeinden bei den Finanzzuweisungen der Bundesländer.

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