Öffentlichkeitsarbeit

"App aufs Land" bringt Landwirte und Verbraucher zusammen

Ob Treckermitfahrt, Kochen mit einer Landfrau oder ein Treffen auf dem Hochsitz: Die "App aufs Land" ist eine Plattform, bei der Landwirte andere an ihren Landerlebnissen teilhaben lassen können.

Persönliche Begegnungen zwischen Landwirten und Verbrauchern bleiben oft nachhaltig in Erinnerung. Verständnis und Wertschätzung kann die Landwirtschaft aber nur dann erwarten, wenn beide Seiten sich offen begegnen und ins Gespräch kommen. Julia Nissen aus Nordfriesland, die unter dem Namen „Deichdeern“ bloggt, hat deshalb nun eine Plattform für Landerlebnisse ins Leben gerufen.

Warum sollten wir nicht auch Außenstehende an unseren Landerlebnissen teilhaben lassen?" - Julia Nissen

Über die sogenannte „App aufs Land“ können Erlebnisse auf dem Land von privat zu privat angeboten und nachgefragt werden. Menschen aus dem ländlichen Raum können so andere für ein paar Stunden an ihrem Leben teilhaben lassen. „Wir haben hier auf dem Land so viele tolle Sachen, die man erleben kann. Warum sollten wir nicht auch Außenstehende daran teilhaben lassen?“, meint Nissen. Bei der „App aufs Land“ soll das Land erlebbar gemacht werden – und zwar mit allen Sinnen.

Jäger Personen Kind

Beim Angebot der Landerlebnisse sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt – ob Treckermitfahrt, Treffen auf dem Hochsitz oder ein virtueller Feldrundgang. (Bildquelle: App aufs Land)

Hohe Nachfrage nach Landerlebnissen

Auf die Idee zu der Plattform kam Gründerin Julia Nissen im Herbst 2019. Eigentlich wollte sie nur Treckermitfahrten über eine kleine Mitfahrerzentrale koordinieren, aber die Wünsche wurden immer kreativer. Anfragen wie "Ich würde gern mal Rouladen kochen lernen" oder "Julia, kennst du jemanden, der mir erklärt, wie man ein Staudenbeet anlegt?" kamen nach und nach dazu. Nissen entschied sich, den Gedanken weiterzuentwickeln und feilte an einem Konzept. Die Idee war eine Plattform, die Landerlebnisse von privat zu privat möglich macht. Das war die Geburtsstunde der App aufs Land.

Das Prinzip der Plattform

Landwirte und andere, die ihre Erlebnisse auf dem Land anbieten möchten, können sich auf der Plattform ein eigenes Profil anlegen und ihre Aktion anbieten. Dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt – ob Treckermitfahrt, Kochen mit einer Landfrau, Treffen auf dem Hochsitz oder ein virtueller Feldrundgang. Die Anbieter legen einen Preis fest, den ihr Landerlebnis kosten soll. Auf diesen Preis zahlt der Kunde einen Aufpreis von 20 %, der für das Betreiben der App anfällt. Die Landwirte können angeben, wie viele Personen an der Aktion teilnehmen können und an welchen Tagen. Für Anbieter ist die Nutzung der Plattform kostenfrei.

Plattform Screenshot

Das "Landratten-Stadtmäuschen-Frühstück" ist nur ein Beispiel für ein Landerlebnis, das über die "App aufs Land" nachgefragt werden kann. (Bildquelle: Kokenbrink)

Nutzer geben eine Postleitzahl an, können einen Suchradius wählen und im besten Fall finden sie ein passendes Landerlebnis auf der Plattform. Wenn sie eine Aktion buchen, erhält der Anbieter die Adresse und Kontaktdaten der teilnehmenden Personen. Die „App aufs Land“ fungiert als Diensteanbieter zur Vermittlung der Veranstaltungen. Die Teilnahmebedingungen für seine Aktionen kann jeder Anbieter individuell festlegen. Dort kann zum Beispiel auch ein Haftungsausschluss vermerkt werden, oder etwa besondere Bedingungen, die mit der eigenen Aktion verbunden sind.

Landerlebnisse trotz Corona

Die Plattform ist seit Anfang November online – für Live-Events auf den ersten Blick eine denkbar ungünstige Zeit, in der Kontaktbeschränkungen den Alltag dominieren. Dass Landerlebnisse auch in Corona-Zeiten stattfinden können, zeigen erste Beispiele. „Vor kurzem hat ein Landwirt einen virtuellen Feldrundgang für Interessierte angeboten“, erzählt Nissen. Er habe das städtische Publikum via Zoom auf seinem Trecker mitgenommen, als er Weizen säte und ihnen die Abläufe auf dem Acker erklärt. „Landwirte müssen kreativ werden und offen sein für neue Aktionen“, meint die Landebenbloggerin. Wer mit gutem Beispiel voran geht, könne anderen Landwirten Anreize liefern. Denn die Vielfalt auf dem Land ist groß: ob Online-Backworkshops, Online-Weinprobe oder Online-Malkurs. Die ersten Angebote sind bereits auf der Plattform, die seit Anfang November online ist. In den kommenden Wochen wird auch die Smartphone-App verfügbar sein.

Finanziert über Crowdfunding und Sponsoren

„Ich bin allen Geldgebern sehr dankbar, dass sie das möglich gemacht haben“, freut sich die App-Gründerin. Finanziert wurde die App unter anderem über eine Crowdfunding-Kampagne, die rund 23.000 € einbrachte. Insgesamt 711 Personen, die Nissen vorwiegend über ihr Netzwerk und Social Media-Kanäle erreichte, trugen diese Summe zusammen. Außerdem haben einige Preis- und Stiftungsgelder dazu beigetragen, dass das über 100.000 € teure Projekt nun endlich live gehen kann. „Die Entwicklung hat viel Zeit und Nerven gekostet“, sagt Nissen. Sechs App-Entwickler waren beteiligt. Vor allem datenschutzrechtlich stellte das Projekt Nissen zeitweilig vor Herausforderungen. Nun also umso erfreulicher, dass das Projekt gestartet ist und auf positive Resonanz stößt.

Auf der Suche nach weiteren Anbietern

Interessenten, die ihr Landerlebnis bei „App aufs Land“ anbieten möchten, können sich ab sofort auf der Plattform anmelden. Unter https://appaufsland.de/anbieter-registrieren kann man ein Angebot einstellen und Anbieter werden. „Das Angebot soll stetig erweitert werden, so dass in naher Zukunft für jeden und für jede etwas dabei ist“, sagt Nissen.


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