Schwerin

Backhaus mahnt Veränderungsbereitschaft in der Landwirtschaft an

Gesellschaft und Landwirtschaft müssen sich die Frage stellen, wie Tierhaltung und Ackerbau in Zukunft aussehen sollen. Der Schutz von Wasser, Boden, Luft und Artenvielfalt habe oberste Priorität.

Nach drei schwierigen Erntejahren sieht Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus für die Bauern im Land wieder „Licht am Ende des Tunnels“.

„Auch wenn die Erträge in 2019 unter dem langjährigen Mittel liegen, so fallen sie deutlich besser aus als im Vorjahr“, konstatierte Backhaus. Auch die befürchteten Qualitätsverluste durch hohe Temperaturen und wenig Regen seien weitestgehend ausgeblieben, berichtete der Minister.

Ein weiterer Indikator für den Aufwärtstrend ist für für den SPD-Politiker die zunehmende Investitionstätigkeit vieler Landwirtschaftsbetriebe. Ihm zufolge wurden in diesem Jahr bereits 112 Förderanträge mit einem Zuschussvolumen von fast 10 Mio. Euro und einem Gesamtinvestitionsvolumen von etwa 33 Mio. Euro bewilligt; damit werde das Niveau der Vorjahre schon jetzt übertroffen. Dennoch müssten sich die Agrarbranche und die Gesellschaft weiterhin die Frage stellen, wie die Landwirtschaft künftig aussehen solle, mahnte der Ressortchef.

Nach seiner Ansicht muss „die Landwirtschaft der Zukunft“ das Einkommen der Bauern sichern, ohne die natürlichen Lebensgrundlagen zu gefährden. Der Schutz der Ressourcen Wasser, Boden und Luft, aber auch der Erhalt der Artenvielfalt hätten oberste Priorität. Parallel dazu müsse sich die Landwirtschaft für eintretende Klimaveränderungen wappnen.

Gestärkt werden müssten auch die Regionalität und das Produktbewusstsein, so Backhaus. Dazu gehört für ihn, die Verarbeitung und Veredlung im Land zu halten, regionale Vermarktungsstrukturen aufzubauen, die Position der Produzenten zu stärken, Tierwohlmaßnahmen zu honorieren und Transparenz in der Lebensmittelkennzeichnung zu schaffen. Dafür benötigten die Betriebe jedoch dringend Planungs- und Rechtssicherheit, betonte der SPD-Politiker.

In diesem Zusammenhang bezeichnet er es als „mittelschweres Desaster“, dass die Verhandlungen für die Mittelfristige Finanzplanung der Europäischen Union (MFR) aktuell nicht vorangingen und ein Ende der Verhandlung nicht absehbar sei. Damit blieben die Ausgestaltung und finanzielle Ausstattung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2020 weiterhin völlig offen.