Kritik

BUND und Heinrich-Böll-Stiftung veröffentlichen Insektenatlas

Umweltschützer haben am Mittwoch ihren "Insektenatlas" vorgestellt. Darin zeigen sie den Artenschwund und prangern die Landwirtschaft als Verursacher an. Notwendig sei eine nachhaltige Agrarpolitik.

Global verzeichnen Insektenpopulationen dramatische Rückgänge. So soll etwa bei der Hälfte der 561 Wildbienenarten in Deutschland die Populationen rückgängig sein, kritisieren die Heinrich-Böll-Stiftung und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in ihrem am Mittwoch präsentierten "Insektenatlas 2020".

75 % der wichtigsten Kulturpflanzen seien von der Bestäubungsleistung von Insekten abhängig. Nun drohe bei einzelnen Obst- und Gemüsesorten wie Äpfeln, Kirschen, Pflaumen oder Gurken ein Ernterückgang von bis zu 90 Prozent. Insekten verbesserten zudem durch das Zersetzen von Dung und abgestorbenen Pflanzenteilen die Bodenqualität und reduzierten Pflanzenschädlinge.

Stattdessen zerstöre die intensive Landwirtschaft mit ihren Folgen die Lebensgrundlage von Insekten in immer größerem Ausmaß. Dazu schreiben die beiden Organisationen: "Große, monotone Felder ohne Hecken oder Grüninseln sowie Kunstdünger und Pestizide vernichten Rückzugsgebiete von Nützlingen und fördern die Ausbreitung von Schädlingen."

Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, spricht in diesem Zusammenhang Monokulturen mit Energie- oder Futterpflanzen für die "Massentierhaltung" in Ländern wie Brasilien oder Indonesien an. Dies treibe die Entwaldung, monotone Agrarwüsten und den Pestizideinsatz massiv voran.

Laut Unmüßig würden von industrieller Landwirtschaft nur die großen Agrarkonzerne profitieren - auf der Strecke blieben die Kleinbauern, Konsumenten und eben auch die Insekten. Die Politik müsse endlich ihrer Verantwortung gerecht werden und umsteuern. Pestizide, die in Europa aufgrund ihrer gesundheitsschädlichen oder gravierenden ökologischen Wirkung nicht mehr zugelassen sind, dürften von deutschen Konzernen auch nicht länger in anderen Ländern vertrieben werden, fordert sie.

Grafik zum Insektenatlas

Grafik zum Insektenatlas (Bildquelle: BUND)

In diesem Zusammenhang betont Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND, wie wichtig eine Reduzierung des Fleischkonsums für den Insektenschutz sei. "Das Sojafutter für die intensive Tierhaltung stammt aus südamerikanischen Staaten, die dafür artenreiche Landschaften in Monokulturen verwandeln. Wir müssen beim Insektenschutz auch unseren Lebensstil hinterfragen: Weniger Fleisch und Milch, dafür artgerecht gehalten und mit fairen Preisen für die Bauernhöfe, das wäre wichtig."

Die im Einklang mit der Natur wirtschaftenden Landwirte bräuchten ein einträgliches Auskommen. Doch Insektenschutz werde bislang nicht an der Ladenkasse bezahlt, Bauern bekämen ihn nicht entlohnt. "Hier ist nicht nur die Bundesregierung, sondern auch der Handel in der Pflicht, für faire Erzeugerpreise zu sorgen", so Bandt.

Die Vorschläge der Bundesregierung im Insekten-Aktionsprogramm reichen laut den beiden Organisationen nicht aus. Ohne einen Umbau der Landwirtschaft sei das Sterben von Schmetterlingen, Hummeln und Käfern nicht zu stoppen. Ihre Forderung: Öffentliches Geld muss zum Schutz der Insekten eingesetzt werden. Die knapp 60 Mrd. Euro, die jährlich für Europas Landwirtschaft ausgegeben werden, müssten in der neuen Förderperiode an eine naturfreundliche, klimaschonende und tiergerechte Landwirtschaft gebunden werden.

Klöckner kündigt Insektenmonitoring an

Julia Klöckner

Julia Klöckner (Bildquelle: Bundestag/Achim Melde)

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) sagte in einer Reaktion, dass Deutschland den Insektenschwund sehr ernst nehme. "Auch die Landwirtschaft tut das, denn schließlich ist sie wie kaum ein anderer auf die Bestäubungsleistung angewiesen. Deshalb haben wir als Bundesregierung das Aktionsprogramm für mehr Insektenschutz beschlossen. Wir sehen, wie weltweit der Insektenrückgang sich abzeichnet, deshalb ist es wichtig, dass weltweit agiert wird, also auch andere Länder systematisch vorgehen beim Insektenschutz. Die Abholzung ganzer Waldstriche ist das Gegenteil davon", so die Ministerin.

Sie kündigte im Rahmen des Aktionsprogramms ein bundesweites Insektenmonitoring an, um eine wissenschaftliche Basis zu den Ursachen zu bekommen. Anschließend ließen sich Maßnahmen verlässlich beurteilen. "Denn die Gründe für den Insektenschwund sind vielfältig. Es gibt ihn auch abseits der agrarisch bewirtschafteten Flächen. Die Themen Lichtverschmutzung oder Flächenversiegelung müssen genauso in den Blick genommen werden", so Klöckner.

RLV: Bauern liegt der Insektenschutz sehr am Herzen

Bernhard Conzen

Bernhard Conzen (Bildquelle: RLV)

Keine andere Branche ist so sehr auf funktionierende Ökosysteme angewiesen wie die Landwirtschaft. Daher liegt den Bauern der Insektenschutz sehr am Herzen. Darauf weist der Rheinische Landwirtschafts-Verband (RLV) hin.

„Seit Jahren ergreifen wir Maßnahmen, wie den Anbau von Blühstreifen und Zwischenfrüchten, um den Insekten- und Wildpopulationen zu helfen. Wir haben zur Förderung der Biodiversität inzwischen viel auf den Weg gebracht und da wollen wir noch besser werden“, erklärt RLV-Präsident Bernhard Conzen.

Conzen stellt aber auch klar, dass Biotope vielfältigen Einflüssen ausgesetzt sind. „Den schwarzen Peter für ungünstige Entwicklungen alleine den Bauern zuzuschieben, ist falsch. Niemand soll sich vor der Verantwortung drücken. Insektenschwund ist ein Problem mit vielen Ursachen. Müssen Lebensmittel immer billiger werden? Müssen in Deutschland pro Sekunde 9 m² Fläche zugebaut werden? Muss es der getrimmte Vorgarten mit fragwürdiger Steindekoration sein? Nein! Wir müssen endlich akzeptieren, dass dieses Problem nur gesamtgesellschaftlich zu lösen ist“, so Conzen.

Der Rheinische Landwirtschafts-Verband appelliere deshalb an die Verbraucher, regional erzeugte Produkte zu bevorzugen. Von der Politik fordere er, dringende Probleme, wie etwa den ungezügelten Flächenverbrauch, anzupacken. „Auf Beton wachsen weder Lebensmittel, noch gedeiht dort Biodiversität. Wenn man hierzulande von Artenvielfalt spricht, dann aber – wie etwa durch das Mercosur-Abkommen – unsere Märkte für Lebensmittel öffnet, die in anderen Regionen der Welt deutlich unterhalb unserer strengen Standards erzeugt wurden – darf man sich nicht wundern, dass die Bauern auf die Barrikaden gehen.“


Diskussionen zum Artikel

von Wilhelm Grimm

Keine Sorge,

es wird der Bauernverband unverzüglich und entschlossen diese Kriegserklärung der NGO´s mit einem weinerlichen Dialogangebot beantworten.-------ODER?

von Andreas Gerner

Man kann das kostenfrei bestellen Leider nur 1 auf einmal.

Prima zum Anschüren beim nächsten Mahnfeuer. Und die müssen Druck und Versand bezahlen.

von Gerhard Steffek

Immer wieder der gleiche Sch...

wer mit einem einigermaßen gesundem Menschenverstand diese Studie liest, wird diese in die Tonne treten.

von Andreas Gerner

Seltsam

Im Insektenatlas heißt es, Insekten gibt es auf der ganzen Welt in jedem Lebensraum. Komisch, dass dann die Landwirtschaft die einzige Ursache eines massiven Insektensterbens sein soll, obwohl nur 3% der Erdoberfläche Ackerbaulich nutzbar sind.

von Andreas Gerner

Schon das Inhaltsverzeichnis des Insektenatlas ist ein Witz!

Da heißt es: "Ob Langzeituntersuchungen, einzelne Studien oder Rote Listen – das Ergebnis ist immer dasselbe: Insgesamt sind Anzahl und Artenzahl der Insekten rückläufig. Daran ändern auch die Forschungsdefizite nichts." Zu Deutsch: Man weiß nichts, versteht nichts, und tut auch ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Bitte die wahren Ursachen finden und bekämpfen!

Unbegreiflich, warum die Landwirtschaft die Hauptschuld am Insektensterben (wenn es das denn tatsächlich gibt..) haben soll. Wenn in den letzten ca 30 Jahren tatsächlich ein Rückgang messbar ist (und nicht nur an der gefakten "Krefelder Studie" festgemacht), zieht das Argument "Die ... mehr anzeigen

von Alois Diepold

Insektenatlas Seite 26

... "Dieser Kunstdünger bleibt nur kurz im Boden. 40 Prozent wird als Nitrat ausgewaschen, insgesamt rund 55 Prozent als Lachgas und Stickstoff oder als Ammoniak in die Atmosphäre abgegeben.".... Laut diesen Angaben werden 95 Prozent vom mineralisch gedüngten Stickstoff ausgebracht, ... mehr anzeigen

von Johann H. Knabbe Jun.

Unter den Top 10 der geernteten Nutzpflanzen.....

nach weltweiter Erntemenge ist die Tomate auf Platz 10 der erste Kulturpflanze, die zwingend auf Insektenbestäubung angewiesen ist. Insekten sind nützlich, aber die einseitige Fokussierung allein auf ein Vorhandensein oder Nutzen greift viel zu kurz. Nur weil wir die Schäden in D ... mehr anzeigen

von Matthias Bückner

Also den Getreidelaufkäfern, Erdflöhen, Rapsglanzkäfern, Moosknopfkäfern, Erbsenwicklern, Getreidehähnchen, Drahtwürmern, Blattläusen, Rapsstängelrüßlern, Brachfliegen, Fritfliegen, Maiszünslern, Blattrandkäfern, Kastanienminiermotten, Kirschfruchtfliegen, Kartoffelkäfern, ... mehr anzeigen

von Albert Maier

Manipuliert

Ob Langzeituntersuchungen, einzelne Studien oder Rote Listen – das Ergebnis ist immer dasselbe: Insgesamt sind Anzahl und Artenzahl der Insekten angeblich rückläufig. Warum? Weil hinter Langzeitstudien, einzelnen Studien und roten Listen stets die selben Verfasser stehen, die die ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Das mag so sein, Herr Kamm. Aber unsere Öffentlichkeitsarbeit ist nach wie vor Müll.

Wir müssen angreifen mit einer Strategie, die professionell sein muss. Wir Bauern können selbst keine Werbung für die Massen machen, wir sind viel zu seriös oder meinetwegen zu doof. Das aber kann man ändern, die jungen Leute haben uns Alten bereits Ansätze ihrer Kreativität ... mehr anzeigen

von Hermann Kamm

Es ist nicht wert das

man über so ein Thema einen Kommentar schreibt. Einfach nur Blödsinn.

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