DLG

Dänemark – Betriebe in der Schuldenspirale

Eine dänische Agrarberaterin brachte es bei der Jahrestagung der Jungen DLG in Kiel auf den Punkt: "Unsere Landwirtschaft ist pleite und steckt in einem Teufelskreis aus hohen Schulden und fehlendem Eigenkapital."

Dänische Schweine- und Milchviehhalter bewegen sich in einem Teufelskreis hoher Verbindlichkeiten, fehlendem Eigenkapital und nachlassender Liquidität. Nicht zuletzt sind wegen unüberwindbarer Liquiditätsprobleme die Insolvenzen drastisch angestiegen.

„Unsere Landwirtschaft ist pleite. Rund ein Drittel der Betriebe steckt in den ‚roten Zahlen‘ oder ist unmittelbar vom Bankrott bedroht“, sagt Sune Hallberg, landwirtschaftlicher Unternehmensberater in Dänemark. Das klingt niederschmetternd.

Der Verschuldungsgrad in der dänischen Landwirtschaft ist auch deshalb markant gestiegen, weil die Werte weggebrochen sind. Neue Kredite werden nicht genehmigt, das heißt es gibt keine frische Liquidität. Auch der Generationswechsel wird erschwert, was zu einer Überalterung der Betriebsleiter führt. Die Betriebe müssen sich selbst helfen, weil sich auch die Banken in Schieflage befinden.

Hintergrund: Aufgrund des dänischen Erbschaftssteuerrechts können landwirtschaftliche Betriebe nur mit erheblichen Krediten übernommen werden. Sie werden im Normalfall nicht vererbt, sondern an die nachfolgende Generation verkauft. Diese starten also schon mit einer hohen Schuldenlast. Das ehrgeizige Wachstum der Betriebe wurde zunehmend „mit heißer Nadel gestrickt“. Die Situation eskalierte vollends ab dem Jahr 2005, als die Bodenpreise aufgrund der weiter fallenden Kapitalmarktzinsen und überzogener Renditeerwartungen zunächst in astronomische Höhen schnellten. „Das hat für die Betriebe wie eine Droge gewirkt: Sie konnten schnell Wachstumsschritte umsetzen“, sagt Hallberg.

Und alle haben mitgemacht. Es setzte ein intensiver Wettbewerb der Banken um die Kunden ein, und Eigenkapital wurde kaum mehr gefordert. So entwickelte sich parallel zum Bodenpreis die Schuldenbelastung der Betriebe. Diese Entwicklung kam Mitte 2008 mit der Finanzkrise abrupt ins Stocken. Der Landpreis hat sich seither fast halbiert. Damit hat sich aber auch der Wert der Sicherheiten halbiert, was das dänische Bankensystem ins Wanken brachte. Im Juni 2011 kollabierte die erste regionale Bank. Eine Maßnahme, um dem gegenzusteuern, war: kein Neugeschäft mit Landwirten und Reduzierung des Anteils landwirtschaftlicher Kredite.

Fazit: Auch bei unseren nördlichen Nachbarn hat ein Umdenken eingesetzt. „Es setzt sich die Erkenntnis durch, dass Landwirtschaft ohne Eigenkapital nicht funktioniert“, sagt Hallberg.

Das sagt das Landesstatistikamt

Die wirtschaftliche Situation der dänischen Landwirte hat sich im vergangenen Kalenderjahr vor allem aufgrund der lang anhaltenden Dürre deutlich verschlechtert. Das Bruttofaktoreinkommen des Sektors, die Erlöse abzüglich der Produktionskosten und Steuern und zuzüglich der Subventionen, ging nach vorläufigen Angaben der Nationalen Statistikbehörde im Vergleich zum Vorjahr um 20,7 % auf umgerechnet rund 3,09 Mrd Euro zurück.

Laut den Statistikern hatte die Trockenheit für eine historisch kleine Getreideernte gesorgt, wobei die Ertragseinbußen durch moderat höhere Preise nicht ausgeglichen werden konnten. In der Nutztierhaltung hätten vergleichsweise niedrigen Schlachttierpreisen dürrebedingt höhere Futterkosten gegenübergestanden. So seien auch hier trotz höherer Verkaufszahlen unter dem Strich ebenfalls rückläufige Ergebnisse zustande gekommen. Die Behörde wies aber darauf hin, dass 2018 ungeachtet der gravierenden Probleme mit der Witterung und auf den tierischen Märkten in ökonomischer Hinsicht nicht zu den schlechtesten Jahren der vergangenen zwei Dekaden zähle. Den Tiefpunkt hätten die Jahre 2008 und 2009 markiert, als sich das Sektoreinkommen im Zuge der Weltfinanz- und -wirtschaftskrise jeweils auf weniger als 2,5 Mrd Euro belaufen habe. Dem stünden das gute Jahr 2017 mit umgerechnet 3,91 Mrd Euro und das bisherige Rekordjahr 2012 mit fast 4,6 Mrd Euro gegenüber. Dabei drückt die dänische Landwirtschaft seit längerem aber ein strukturelles Schuldenproblem.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Bernd Müller

Herr Brinkmann

Super Kommentar! Kurz und knapp zusammengefasst. Geld ist ein Betriebsmittel. Wenn man es selbst hat muss man es verzinsen oder man gibt der Bank die Zinsen dafür. Das Problem ist bloß die Liquidität. Diese berücksichtigen viele Landwirte beim Landkauf leider nicht. Eigenland ist nicht alles und die aktuellen Preise dafür sind in keinem Teil Deutschlands in ihrer Höhe rein aus der Produktion heraus zu erklären. Preise von 50000,- Euro je Hektar sind keine Seltenheit! 50000,- Euro x 2% Zinsen = 1000,- Euro je a! Da ist es egal ob Eigen- oder Fremdkapital. Erwirtschaften muss ich es sowieso. Wir müssen endlich mehr wie ein Wirtschaftsunternehmen kalkulieren!

von Bernd Müller

Herr Brinkmann

Super Kommentar! Kurz und knapp zusammengefasst. Geld ist ein Betriebsmittel. Wenn man es selbst hat muss man es verzinsen oder man gibt der Bank die Zinsen dafür. Das Problem ist bloß die Liquidität. Diese berücksichtigen viele Landwirte beim Landkauf leider nicht. Eigenland ist nicht alles und die aktuellen Preise dafür sind in keinem Teil Deutschlands in ihrer Höhe rein aus der Produktion heraus zu erklären. Preise von 50000,- Euro je Hektar sind keine Seltenheit! 50000,- Euro x 2% Zinsen = 1000,- Euro je a! Da ist es egal ob Eigen- oder Fremdkapital. Erwirtschaften muss ich es sowieso. Wir müssen endlich mehr wie ein Wirtschaftsunternehmen kalkulieren!

von Michael Lechner

Kommt bei uns auch noch!

Leider sind die Tendenzen bei uns genauso da. Extreme Bodenpreise durch außerlandwirtschaftliche Investoren, der Auflagendruck wird ständig höher und Banken die fast alles finanzieren solange der Boden als Sicherheit dient. Der solide Familienbetrieb wird zum abhängigen Pacht und Lohnzahler, darüber hinaus wird die Automatisierung vorangetrieben um als Arbeitgeber überhaupt interessant zu sein. Alles Kosten die uns in die selbe Ecke stellen wie die Dänen. Gewinner sind wie so oft die Verbraucher, die im Überfluss billigste Nahrungsmittel von höchster Qualität bekommen.

von Gerhard Steffek

Hochmut kommt vor dem Fall!

Das Spielchen hatten wir doch schon in den USA. Bis es dann im Rahmen der Finanzkrise zum großen Knall kam und viele Leute dort ihre auf Schulden finanzierten Häuser billig verkaufen mußen. Übrig blieben Schulden! Jetzt anscheinend für die dänischen Bauern ein 2.0 dessen. Genaugenommen könnte man es auch so sehen, daß das Ganze nur eine neue Art der Sozialisierung von Privateigentum ist. Denn in aller Regel sind ja diese "bäuerlichen Betriebe" Privateigentum eines einzelnen Unternehmers. Wer aber ist in der Lage, oder aber auch gezwungen, diese Betriebe zu übernehmen. In erster Linie doch Kapitalgesellschaften, wobei so manche Bank den einen oder anderen Betrieb auch im Rahmen einer Pfändung und Insolvenz übernimmt. Da bewahrheitet sich wieder der Spruch: "Wer eine Bank überfällt ist ein Idiot, Profis gründen Eine." Denn da ist es dann doch wieder so, daß solange die Gewinne fließen, diese geflissentlich in der Tasche der Anteilseigner verschwinden. kommt man aber in die Bredouille, so läßt man sich vom Staat retten. Gibt ja den schönen Spruch: "Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren". Nur der kleine Bauer kann da nicht mithalten. Nun ja denn: "Den kleinen man hängen tut, vor den Großen man zieht den Hut". Bin ja mal gespannt, wie die Dänen dann mal ihre Landwirtschaft gestalten, wenn sie keine Bauern mehr haben. Aber das hatten wir ja schon mal. Erst bis zur Mitte des 19. Jhd. war in Deutschland die "Bauernbefreiung" aus Leibeigenschaft und Frondienst zum größten Teil abgeschlossen, wobei Verpflichtungen aus den Ablöseregelungen teilweise bis ins 20. Jhd. bestanden. Vorher waren es in erster Linie der Staat, bzw. somit der König, der Adel und der Klerus (in Bayern über 50 % Anteil). Mit der Bauernbefreiung einher ging dann eine Steigerung der landwirtschaftlichen Erträge und die industrielle Revolution konnte Fahrt aufnehmen, da die Bauern da dann mal tatsächlich "frei" waren und auch ihre Scholle verlassen konnten, um ihr Glück in der Stadt und Industrie zu finden. Heute haben wir da anscheinend eine gewisse Umkehrung der Geschichte und der Bauer wird wieder zum Leibeigenen der Geldgeber. Wenn man aus der Geschichte nichts lernt, dann wiederholen sich halt mal die Fehler derer. Aber - das erste mal ist es ein Fehler, das zweite mal eine Dummheit.

von Edelhard Brinkmann

Wo ist das Problem ???????????????????

Der eine geht und der andere kommt. Wirtschaft ist gefragt............Rechnen und nicht nur prodzieren.

von Peter Held

Boden ist ein eigenstängiger Produktionsfaktor!

Die dänischen Betriebe sind doch Opfer ihres neoliberalen ökonomischen Systems. Wenn Höfe nicht vererbt werden können sondern gekauft werden müssen, degenerieren doch die Erben zum Angestellten der Banken. Nach wieviel Jahren hat sich denn so ein Hofnachfolgekauf amortisiert? Kommt dann noch eine Bankenkrise mit Spekulationsblase ist es aus! Ein warnendes Beispiel vor dem Eindringen des Finanzkapitals auch in unsere Landwirtschaft!

von Anton Hoser

Wie steht es um die deutschen Bauern wenn duengereform voll durchschlaget Weniger Ertrag auf ganzer linie

von Hans Nagl

Das gelobte Land !

Was hat man uns alles über die so erfolgreich wirtschafteten Dänen erzählt. Mit Kredit billige Ferkel und Milch produzieren ist leider nicht nachhaltig.

von Gerd Schuette

Das ehrgeizige Wachstum der Betriebe wurde zunehmend „mit heißer Nadel gestrickt“

Gut das dies offen angesprochen wird.

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