Netzwerkausbau

„Digital Farming funktioniert nur mit Echtzeitkommunikation“

Wenn die Bundesregierung die Infrastrukturprobleme auch weiterhin auf die leichte Schulter nimmt, vergibt Deutschland auf lange Sicht eine große Chance – zu Lasten der Landwirtschaft, der Verbraucher und der Umwelt. Denn wir sind weit davon entfernt, ein digitaler Leitmarkt zu sein, wie sich das die Bundesregierung wünscht.

Mobilfunkmast (Bildquelle: REK / pixelio.de)

Die Regularien zur Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen der fünften Generation sind festgezurrt. Dennoch scheint der genaue Fahrplan zum schnellen Netzausbau weiterhin unklar. „Vor allem im ländlichen Raum gibt es noch mehr Fragen als Antworten. Dabei besteht gerade dort dringender Handlungsbedarf“, erklärte Amazone-Chef Christian Dreyer in seiner Funktion als Vorsitzender des VDMA Landtechnik kürzlich Bundestagsabgeordneten in Berlin.

Vollständig vernetzte landwirtschaftliche Produktionsketten seien aufgrund der unzureichenden Netzinfrastruktur bislang nicht marktfähig. „Wer auf dem Acker und im Stall unterwegs ist, ist von Funklöchern und Geschwindigkeitsengpässen umgeben. Doch Digital Farming funktioniert nicht ohne Echtzeitkommunikation. Als größte Volkswirtschaft in Europa können wir es uns nicht länger leisten, zu den Schlusslichtern in Sachen Netzausbau zu gehören“, betonte Dreyer.

Deutschland ist KEIN digitaler Leitmarkt!

Die Landtechnikbranche will nun in die Offensive gehen. „Von einem digitalen Leitmarkt, den die Bundesregierung einst vollmundig angekündigt hat, kann in Deutschland bisher keine Rede sein. Dies gilt vor allem für ländliche Gebiete. Wir müssen daher endlich ein Bewusstsein dafür schaffen, dass der ländliche Raum ein wichtiger Innovationsmotor ist“, sagte Dreyer.

Wenn die Bundesregierung die Infrastrukturprobleme auch weiterhin auf die leichte Schulter nehme, vergebe Deutschland auf lange Sicht eine große Chance – zu Lasten der Landwirtschaft, der Verbraucher und der Umwelt. Dreyer zufolge wären 20 Prozent weniger Ertrag, 30 Prozent höhere Kosten und ein um 25 Prozent höherer Ausstoß an Ammoniak, Stickoxiden und Kohlendioxid die Folge eines „digitalen Stillstands“.

Um die digitale Transformation zu einem langfristigen Erfolg für die Landwirtschaft zu machen, fordert der Branchenverband eine lückenlose 5G-Verfügbarkeit im gesamten Bundesgebiet. „Rein an den Haushalten orientierte Abdeckungsquoten sind wenig hilfreich. Wir brauchen eine flächenbezogene Abdeckung“, sagte Dreyer.

Außerdem setzt der VDMA Landtechnik auf dezentrale, wettbewerbliche Anbieterstrukturen im ländlichen Raum. „Dafür böte das Konzept der Netz-Mitnutzung, das in der Festnetztelefonie längst etabliert ist, eine charmante Lösung.“ Die Ausbauziele müssen aber auch den täglich steigenden Anforderungen an Netzqualität und Netzgeschwindigkeit Rechnung tragen. „Wir benötigen eine Infrastruktur mit kapazitiven Reserven. Wir müssen Luft nach oben haben“, resümierte Dreyer.

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