Lanze statt Laptop

Doktoranden der Uni Göttingen wetteifern bei Stallwasch-Challenge

Können Wissenschaftler eigentlich auch arbeiten? Drei Agrar-Doktoranden der Universität Göttingen wollten es wissen und starteten eine Stallwasch-Challenge. Am Ende siegte die bessere Technik.

In Studentenkneipen lässt sich nicht nur ausgelassen feiern. Hier entwickeln sich auch interessante Ideen bei den angehenden Wissenschaftlern. Das zeigt das Beispiel von Wienand Kölle (27), Johannes Möllmann (28) und Johannes Meyer (30), die alle drei am Fachbereich Agrarökonomie der Universität Göttingen ihre Doktorarbeit schreiben. Sie diskutierten kürzlich trefflich darüber, wer wohl die meiste praktische Erfahrung in der Landwirtschaft hat. Konkret ging es um den Umgang mit dem Hochdruckreiniger im Schweinestall. „Wir hatten früher einen Maststall“, argumentierten Kölle und Meyer. „Ich habe ein Jahr als Betriebshelfer gearbeitet“, hielt Möllmann dagegen, der selbst nicht vom Hof kommt.

Die drei wollten es aber genau wissen: Sie verabredeten sich auf dem Hof Lüdemann in Blender bei Verden (Niedersachsen), um in einer „Stallwasch-Challenge“ den schnellsten Reiniger zu kören. Der Schweinemastbetrieb, den Möllmann privat kennt, war gern bereit für die Aktion. top agrar war bei dem Event dabei.

Die Regeln für den Wettbewerb:

  • Jeder der drei reinigt mit einer Lanze, die an einem stationären Hochdruckreiniger angeschlossen ist, nacheinander fünf Buchten in einem Abteil. Die Aufteilung erfolgte so, dass jeder die gleiche Wand-, Boden-, und Deckenfläche hatte.
  • Die Buchtenfläche betrug jeweils 9 m2.
  • Der Junior, Schweder Lüdemann, stoppte die Zeit.
  • Nach der Reinigung beurteilt Schweder Lüdemann das Reinigungsergebnis und entscheidet, ob einer der drei noch nacharbeiten muss.

Den Anfang machte Wienand Kölle, dessen Eltern einen Ackerbaubetrieb bei Bokenem (Landkreis Hildesheim) besitzen. „Wir hatten bis 2012 Schweine, seitdem habe ich keinen Stall mehr gewaschen“, gibt er zu. Er legt sich mächtig ins Zeug. Senior Dr. Rudolf Lüdemann hatte vorher mitgeteilt, dass er für ein Abteil dieser Größe in der Regel etwa zwei Stunden benötigt. Allerdings ist die Einweichanlage normalerweise zwei Tage in Betrieb. Wegen der Kürze der Zeit lief sie vor dem Waschtag der drei Doktoranden nur einen Tag, der Dreck war also noch etwas fester. Kölle benötigte für seine fünf Buchten 59 Minuten.

Sein Kollege Möllmann aus Lüdinghausen bei Münster hantierte 54 Minuten. Als letzter stieg Johannes Meyer in den Buchtenring, der aus Oyle bei Nienburg stammt. Er ging versiert zur Sache, schwenkte die Lanze schnell, aber nicht überhastet. Er war nach sage und schreibe 44 Minuten fertig. „Alles eine Frage der Technik“, sagte er schmunzelnd.

Schiedsrichter Lüdemann fand zwar in allen Buchten noch etwas Dreck unter dem Trog oder unter der Tränke, urteilte dann aber: „Die Nacharbeitungszeit wäre bei allen drei ähnlich gewesen, was am Ergebnis unterm Strich nichts ändern würde.“

Möllmann resümierte: „Ich komme als einziger nicht vom Hof, daher bin ich mit Platz zwei zufrieden.“ Dass am Ende eine ganze Viertelstunde zwischen dem dritten und dem ersten Platz lagen, wollte Wienand Kölle nicht auf sich sitzen lassen: „Die anderen beiden konnten sich ja während meiner Arbeit in Ruhe eine bessere Technik überlegen. Außerdem fehlten bei mir einige Kacheln an der Wand, was die Arbeit erschwerte“, sagte er lachend. Damit steht fest: Die Diskussion, wer nun der beste Praktiker ist, wird Stoff für manche Abende in Studentenkneipen bieten. Meyer dazu: „Mal sehen, was uns als nächstes einfällt!“

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Artikel geschrieben von

Hinrich Neumann

Redakteur Energie

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