Zukunft

Frankreich: Insekten könnten traditionelle Proteinträger anteilig ersetzen

Insekten rücken immer stärker in den Fokus beim Thema Eiweißversorgung. So könnte Insektenprotein den Eiweißmarkt insbesondere bei Haustier- und Fischfutter deutlich entlasten.

Insekten sind die einzige Proteinquelle, durch die der Selbstversorgungsgrad mit Eiweiß in der Europäischen Union verbessert werden kann. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse, die der Generalrat für Ernährung, Landwirtschaft und ländliche Räume (CGAAER) vom Pariser Landwirtschaftsministerium kürzlich vorgelegt hat.

Das Gremium empfiehlt, die nationale Proteinstrategie auf Insekten auszudehnen. Unterstützt werden sollte demnach vor allem die industrielle Entwicklung von Insektenmehl für Futtermittel, und zwar sowohl durch Investitionsanreize wie auch durch verbesserte rechtliche Rahmenbedingungen.

Zudem sollte nach Ansicht des CGAAER auf europäischer Ebene die Erforschung des Allergiepotentials der Insektenproteine gefördert werden.

Dem Gremium zufolge betrifft die Abhängigkeit von Proteinimporten vorwiegend Futtermittel für Haus- und Nutztiere und weniger die menschliche Ernährung. Von den untersuchten alternativen Eiweißquellen hätten einzig Insekten das Potential, langfristig die Abhängigkeit von Sojaimporten zu verringern, so das Fazit. Bereits heute werde etwa bei der Herstellung von Fischfutter zunehmend Insekten- statt Fischmehl eingesetzt.

Die Herstellung von Fleisch in Zellkulturen ist dem CGAAER zufolge derzeit noch zu experimentell, um eine abschließende Bewertung durchführen zu können. Gleichzeitig stelle sich die Frage nach der gesellschaftlichen Akzeptanz alternativer Proteine nur für den Verzehr von Insekten, was diese auf Nischenmärkte beschränke. Erste Meinungsumfragen deuteten aber darauf hin, dass die Verbraucher bereit wären, mit Insekten gefütterte Tiere zu konsumieren. Insbesondere für die Aquakultur bestehe daher ein großes Potential, auch um die nicht-nachhaltige Verwendung von Fischmehl zu verringern.

Daneben könnte dem Generalrat zufolge auch das Eiweiß für die Versorgung von Haustieren von Insekten stammen; laut CGAAER dürfte der Proteinbedarf der Haustiere bis zum Jahr 2025 weltweit auf insgesamt rund 600.000 t ansteigen.

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Im Februar hatte das Pariser Unternehmen Ynsect im Zuge einer Kapitalerhöhung umgerechnet 110,4 Mio Euro eingesammelt und die Errichtung der weltweit größten Insektenproduktion im nordfranzösischen Amiens angekündigt. Angestrebt wird eine jährliche Produktion von etwa 20.000 t Protein. Derzeit stellt Ynsect aus Mehlwürmern Futtermittel her; zudem wird ein Düngemittel aus Häutungsresten erzeugt.

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Diskussionen zum Artikel

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von Erwin Schmidbauer

Wunderwaffe?

Wie stellen sich denn diese "Experten" vor, dass Insekten die Eiweißversorgung Europas verbessern können??? Bisher kenne ich keine Insekten, die zur N-Fixierung zur Proteinerzeugung befähigt wären, dass können nur Bakterien (meist gemeinsam mit symbiontische Pflanzen, hauptsächlich Leguminosen). Also, wie zaubern die Experten nun Protein herbei? Synthetische Aminosäuren aus Industrieproduktion? Es wäre aber Unsinn, diese zuerst an Insekten zu verfüttern und diese wieder an Tiere oder Menschen.

von Gerhard Steffek

Ein weiterer Schritt -

zur industriellen Massentierhaltung und der entsprechenden Landwirtschaft hierfür. Ein weiterer Schritt für die bäuerliche Landwirtschaft ins Grab.

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