Nobelpreis Chemie

Wissenschaftlerinnen für Crispr-Cas9 mit Nobelpreis ausgezeichnet

Gentechnik in der Pflanzenzüchtung gilt als große Hoffnung, mit manipulativen Gensequenzschnitten Nutzpflanzen resistenzer gegen Folgen des Klimawandels zu machen.

Die schwedische Akademie der Wissenschaften hat am Mittwoch den Chemie-Nobelpreis für die Entdeckung der in der Pflanzenzüchtung bedeutsamen Genschere Crispr-Cas9 an die beiden Wissenschaftlerinnen Emmanuelle Charpentier und Jennifer A. Doudna vergeben.

"Die Genforscherinnen aus Frankreich und den Vereinigten Staaten haben unabhängig voneinander mit Crispr-Cas9 die molekularen Lebenswissenschaften revolutioniert, neue Möglichkeiten für die Pflanzenzüchtung eröffnet. Damit tragen zu innovativen Krebstherapien bei und könne den Traum von der Heilung vererbter Krankheiten wahr werden lassen", begründete das Nobelpreis-Komitee die Auszeichnung. Charpentier und Doudna hätten mit ihrer Erfindung eines der schärfsten Werkzeuge der Gentechnologie nutzbar.

Charpentier und Doudna entdeckten unabhängig voneinander, dass besondere bakterielle Gene sich als werkzeuge in der Gentechnik nutzbar machen lassen. Diese sogenannte Genschere dient zum Editieren von Genomen. Damit können Gensequenzen in der menschlichen DNA gegen angreifende Viren ausgeschnitten und schwere Krankheiten wie Krebs behandelt werden. Neben der Ausschaltung von schädlichen Viren beim Menschen wird die Genschere Crispr-Cas9 auch bei Tierversuchen und in der Pflanzenzüchtung eingesetzt.

Wunderwaffe der Gentechnik oder Teufelszeug durch Genmanipulationen?

Was Gentechniker in aller Welt vor acht Jahren bei der Entdeckung von Crispr-Cas9 durch die beiden Forscherinnen als “Wunderwaffe der Gentechnik” gepriesen haben, wird von Gentechnik-Gegnern vor allem in der Pflanzenzüchtung als gefährliche Genmanipulation vehement abgelehnt.

So entzündete sich im Europäischen Parlament und unter den EU-Mitgliedstaaten im Jahre 2018 ein Streit darüber, ob Crispr-Cas9 als Genschere in europäischen Pflanzenzüchtungslabors für Nutzpflanzen zum Einsatz kommen darf, oder den strengen EU-Gentechnikregeln unterworfen werden müsse. Auch der Europäische Gerichtshof beschäftigte sich mit dieser Frage.

Potential in der Pflanzenzüchtung wird mit Blick auf Klimawandel hoch eingeschätzt

Das Potenzial der „Gen-Schere“ ist vor allem in der Pflanzenzucht erheblich. Mit dieser Methode könnten sich Pflanzen züchten lassen, die Schädlingen trotzen, Pflanzenschutzmittel einsparen und trotzdem mehr Erträge liefern. Die großen globalen Pflanzenzuchtunternehmen erhoffen sich mit dem gezielten Einsatz der Genschere, gezielt Nutzpflanzen für die Landwirtschaft züchten zu können, die Trockenheit und ausgelaugte oder salzhaltige Böden besser wegstecken und dem Klimawandel trotzen.

Mithilfe des Genome Editings erhalten Pflanzenzüchter Methoden an die Hand, gewünschte Veränderungen gezielter in Pflanzen einzubringen, als mit den bisher üblichen Verfahren. CRISPR-Cas hat sich inzwischen in der Forschung als dominierendes Genom Editing-Verfahren, etabliert.

So führten Forscher des deutschen Julius Kühn-Instituts in Quedlinburg seit Erfindung von Cripsr-Cas9 bis 2019 rund 1.500 Genom-Editierungs-Studien an insgesamt 68 Pflanzenarten durch. Davon entfielen nach Angaben des Forschungsinstitus allein 1082 auf die Crispr-Genschere.


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