Grüne Woche

Gibt es wieder schockierende Filmaufnahmen aus Tierställen?

Für Umweltschützer, Tierrechtler und Kritiker der Landwirtschaft ist die Grüne Woche stets der mediale Höhepunkt, an dem lang vorbereitete Studien und Videos aus Stalleinbrüchen veröffentlicht werden.

Die Brandenburger Landwirte rechnen vor Beginn der Internationalen Grünen Woche (IGW) auch in diesem Jahr mit „schockierenden“ Filmaufnahmen von Stalleinbrüchen, die „plötzlich“ in den Medien auftauchen.

Vermutlich werden den Zuschauern wie gewohnt zur besten Sendezeit „schwere Vorwürfe“ gegen einen Tierhalter serviert, schreibt LBV-Präsident Henrik Wendorff in einer Pressemitteilung. Von „Quälerei in der Massentierhaltung“ werde da die Rede sein und von „schlimmen Versäumnissen“. In den sozialen Medien wird sich der obligatorische Shitstorm über den betreffenden Bauern und über die Landwirtschaft insgesamt ergießen.

Und weiter schreibt Wendorff: "Vielleicht stellt die anschließende Prüfung des zuständigen Veterinäramtes keine groben Pflichtverletzungen fest; vielleicht aber doch. Sollte sich herausstellen, dass bei erheblichen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz das betreffende Filmmaterial bewusst über mehrere Wochen für PR-Zwecke zurückgehalten wurde, wird der Landesbauernverband Brandenburg Anzeige wegen strafrechtlichem Unterlassen erstatten. Dort wo Missstände aufgedeckt werden, muss diesen entschieden und zeitnah zum Wohle der Tiere nachgegangen werden. Tierleid darf nicht instrumentalisiert werden."

Ob Verstöße oder nicht, nächtliche Bilder aus mittleren und größeren Tierhaltungsbetrieben brennen sich in die Köpfe der Zuschauer ein; dazu noch die passende Regie und die meisten Menschen überkommt ein Unbehagen, auch wenn die Zustände vor Ort den rechtlichen Vorgaben entsprechen, so der Bauernpräsident.

"Hier offenbart sich ein Problem, dass offen und ehrlich diskutiert werden muss. Auf der einen Seite erleben wir hohe ethische Ansprüche einer postmaterialistischen Gesellschaft an die Lebens- und Tötungsbedingungen von Nutztieren. Absichtserklärungen, dafür mehr Geld auszugeben, gibt es gratis dazu. Auf der anderen Seite greift die große Mehrheit der Konsumenten entgegen der zuvor abgegebenen Lippenbekenntnisse tendenziell eher zu günstigen Produkten."

Tierwohlaspekte würden laut Wendorff bei der tatsächlichen Kaufentscheidung nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen. Die verantwortlichen politischen Akteure würden durch ihre Entscheidungen dazu beitragen, dass aus diesem Problem eine existenzbedrohende Zwangslage wird. Während sie auf der einen Seite die Tierwohlauflagen für die heimischen Landwirte kontinuierlich erhöhen und damit dem vermeintlichen Verbraucherwunsch nachkommen, erleichterten sie gleichzeitig ausländischen Produzenten, die häufig unter niedrigeren Standards und Kosten produzieren, den Zugang zum deutschen Markt. Dieser Umstand schwächt nach Ansicht des Bauernverbandes die regionale Landwirtschaft und fordert deren Widerstand heraus.

Der Zynismus der politischen Akteure ist seiner Meinung nach kaum noch zu übertreffen und zwinge den heimischen Bauern einen moralischen Abnutzungskampf auf. Der Landesbauernverband Brandenburg versucht gegenwärtig am Beispiel der Hauptstadtregion Brandenburg-Berlin einen Ausweg aus dem Dilemma zu denken. „Noch sprechen wir intern über eine Zukunftsperspektive der Landwirtschaft 2030. Nachdem wir eine Entscheidung getroffen haben, werden wir der Gesellschaft, der Politik und dem Handel die ausgestreckte Hand reichen und Angebote unterbreiten. Von der Politik werden wird dann auch die Rahmenbedingungen und Unterstützung einfordern, ohne die eine Kreislaufwirtschaft wie wir sie uns vorstellen im globalen Wettbewerb nicht funktionieren wird“, erklärt LBV-Präsident Henrik Wendorff.


Diskussionen zum Artikel

von Wilhelm Grimm

Die haben eine Strategie.

Der LBV-Präsident eiert rum.

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