Studie

Globales Wachstum beeinträchtigt Biodiversität

Düstere Aussichten für die Zukunft unserer Ökosysteme verbreiten deutsche Forscher. Ihren Untersuchungen nach gefährdet unser Wirtschaftswachstum, die Bevölkerungszunahme und der Hunger nach Agrarprodukten die biologische Vielfalt vor allem in den Tropen.

Das enorme Wachstum der globalen Wirtschaft und der Bevölkerung gefährdet die biologische Vielfalt und Ökosystemleistungen vor allem in den Tropen - und das trotz einer weltweit immer intensiveren und damit effizienteren Landwirtschaft. Das berichtet ein Forschungsteam unter der Leitung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU).

Die Wirtschaft und Bevölkerung wächst weltweit - vor allem in den Schwellenländern, zitiert aiz.info aus der Studie. Menschen wollen Konsumgüter und Nahrungsmittel, dadurch wird immer mehr Land benötigt, Natur wird in Äcker und Plantagen umgewandelt. Ein internationales Team unter der Leitung von iDiv und MLU hat jetzt ermittelt, wie sich die Landnutzung auf die biologische Vielfalt und Ökosystemleistungen auswirkt und vor allem, wie sich diese Folgen über die Jahre verändert haben. Dazu verknüpften die Wissenschafter Daten zu Vogelbeständen, zur Landnutzung und zur Bindung von CO2 mit ökonomischen Modellen im Zeitraum zwischen 2000 und 2011.

Schäden in weit entfernten Erdregionen

Der Studie zufolge erhöhte sich die Zahl der durch Landnutzung vom Aussterben bedrohten Vogelarten zwischen 2000 und 2011 um bis zu 7%. Im selben Zeitraum verlor der Planet 6% seines Potenzials, CO2 aus der Luft zu binden, da die Vegetation auf den neu entstandenen Agrarflächen nicht so viel Kohlenstoff einlagern kann wie in den ursprünglichen Ökosystemen.

Der Verlust der Artenvielfalt findet laut der Studie fast vollständig in den tropischen Regionen statt. 2011 lebten über 95% der durch Land- und Forstwirtschaft bedrohten Vogelarten in Mittel- und Südamerika, Afrika, Asien und im Pazifikraum. Die Fähigkeit der Ökosysteme zur Kohlenstoffbindung schwindet jedoch überall auf der Erde.

Die Studienautoren betonen darüber hinaus, dass auch der Welthandel einen Einfluss auf Biodiversität und Ökosysteme hat. "Für einen Hamburger etwa werden Rinder geschlachtet, die auf südamerikanischen Weiden stehen", heißt es in der Studie. Dort würden Wälder gerodet, die ursprüngliche Artenvielfalt werde zerstört. Die Konsumenten hätten also eine indirekte Verantwortung für Umweltauswirkungen in entfernten Ländern. Die Forscher sprechen dabei von "Telekonnektionen".

Agrarproduktion wird effizienter

Positiv sei, dass die globale Agrarproduktion mittlerweile effizienter erfolge, die Umweltschäden pro erwirtschaftetem Dollar hätten dadurch abgenommen. "Allerdings wachsen Bevölkerung und Wirtschaft noch schneller als die Umwelteinflüsse der Landwirtschaft sinken. Die Zerstörung der Biodiversität und der Verlust der Ökosystemleistungen schreitet also weiterhin voran", so das Resümee der Studie. Die Autoren sprechen sich dafür aus, Telekonnektionen in internationalen Verhandlungen stärker zu berücksichtigen, etwa im Rahmen der UN-Nachhaltigkeitsagenda oder der UN-Biodiversitätskonvention. Deren Vertragsstaaten entwickeln derzeit neue Ziele zum Schutz der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme - sie sollen die aktuellen Ziele nach 2020 ablösen. Nachhaltige Land- und Forstwirtschaft müsse darüber hinaus in allen Weltregionen gefördert werden, wird betont.

Bauernverband SH ruft Mitglieder zu Anpassung auf

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Josef Doll

Hätte aber wirklich

Nichts dagegen wenn unsere Landwirtschaft von mir aus die Europäische landwirtschaft ganz exklusiv die Europäische Bevölkerung versorgen dürfte / müsste. Von mir aus dann zu 100% Bio. Ich glaube das mir bei diesem Zenario, 5ha Betriebsfläche für ein gutes landwirtschaftliche Einkommen ausreichen würde !!

von Wilhelm Grimm

Ja, es ist eine Backpfeife für die Grünen, Gerhard Steffek.

Aber wir antworten mit kleinen Einzelaktionen, die fast wertlos verpuffen, während die Grünen und ihre NGOs ihre gut organisierten bauernfeindlichen Werbefeldzüge für die Agarwende täglich in die Medien bringen. Das Leitthema der Januarausgabe des "BUND-MAGAZIN ist "AGRARWENDE JETZT" mit mindestens acht Seiten Übelkeiten und Werbung für "Großspenden" sowie Erbschaften und Vermächtnisse" ,Anlassspenden", "Patenschaften" und "Bundesstiftung". Die Mitgliederzahlen haben sich nach eigenen Angaben im letzten Jahr um 6,8% auf 440849 erhöht. Dazu kommen dann noch die anderen Umweltverbände und die Zahlungen der Bundesregierung und der EU. Die werden doch ihre Einnahmen behalten wollen und werden nicht so blöde sein, auf die bäuerlichen Interessen zu zugehen um sich mit uns zu versöhnen. Dieser Wunsch aus Regierungskreisen und den Agrarmedien ist unglaublich naiv, um mich mal milde zu artikulieren. So wird das nichts !

von Gerhard Steffek

Backpfeife für unsere Grünen -

Dieser Bericht ist doch eine richtige Backpfeife für unsere Grünen. Er widerlegt in wenigen Zeilen deren ganze Argumente. "Verlust der Artenvielfalt" - diese geschieht weniger bei uns als in den Tropen! "Positiv ist die effizientere Agrarproduktion, die Umweltschäden pro erwirtschafteten Dollar werden niedriger" - das widerspricht doch zur Gänze der gängigen Meinung unserer "Ökoterroristen" ihr "Öko" mit weniger Ertrag wäre sinnvoller. Dieser Artikel zeigt aber auch auf was das Hauptproblem ist - nämlich das Bevölkerungswachstum. Angela Merkel hätte nicht an der Gestaltung eines Migrationspaktes mitwirken sollen, sondern an der Ausarbeitung eines Papieres wie das Bevölkerungswachstum eingedämmt werden kann. Hatten wir um 1900 1 Mrd. Menschen auf der Welt, so waren es 1950 2,5 Mrd. und heute kommen wir an die 8 Mrd. ran. Wo soll das hinführen? Die Menschen brauchen Platz, Nahrung, Wasser zur Befriedigung der Grundbedürfnisse. Um diese bedienen zu können benötigen sie Arbeit um sich diese Grundbedürfnisse leisten zu können. Zumindest müssen sie beschäftigt werden, sonst fällt ihnen nur Blödsinn ein. Jeder Mensch produziert aber auch Abfälle, Müll, Abwasser, was ja auch die Umwelt belastet. Komischerweise wird das Bevölkerungswachstum aber nirgends deutlich angesprochen. Dabei hätten wir auch in der Tierwelt genügend Beispiele was passiert wenn eine Population ungehindert wächst. Das Fazit ist immer: Sie verdrängt andere Arten! Aber gerade auf diesem Auge sind anscheinend unsere grünen Weltverbesserer zur Gänze blind. Vielleicht weil sie sich eingestehen müßten das ihre "Tierschutzaktivitäten" in aller Regel Rohrkrepierer sind? Der Schutz von Krähenvögel hat meines Erachtens (und nicht nur meiner Meinung nach) auch einen Rückgang unserer Singvögel zu verantworten. Sind diese doch auch entsprechende Nesträuber. Bei Reh-, Rotwild, Wildschweinen weiß man komischerweise das man sie bejagen muß, um den Wald zu schützen, aber bei Prädatoren wie eben auch Krähen und jetzt, als liebstes Kind unserer Ökoterroristen, der Wolf ist man auf nicht nur auf einem, sondern gleich auf allen Augen (Hühneraugen inklusive) blind. Nicht zu vergessen der Mensch, der ist ja schließlich auch ein Prädator, der schlimmste von Allen. Im Grunde genommen bräuchte man sich nur Mark Twains Worte verdeutlichen, die aufzeigen wohin das alles führt, findet der Mensch für sich keine Beschränkung. Der sagte schon zu seiner Zeit: "Großes fällt in sich selbst zusammen: Diese Beschränkung des Wachstums hat der göttliche Wille dem Erfolg aufgelegt."

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