Gemeinsam kämpfen

Grußwort von BWV-Präsident Eberhard Hartelt

Gedanken zum ablaufenden Jahr mit seinen Demos, dem Agrarpaket und der Stellung der Landwirte macht sich Eberhard Hartelt, der Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd

Liebe Landwirte und Winzer, liebe Landfrauen, Landsenioren und Landjugendliche,

am Ende eines Jahres ist es gute Tradition, auf die vergangenen zwölf Monate zurückzublicken und die wichtigsten Ereignisse Revue passieren zu lassen. Dabei sollten die positiven Dinge im Vordergrund stehen, um daraus auch für die Zeit nach dem Jahreswechsel Energie und Motivation ziehen zu können.

Dies fällt uns allen derzeit sehr schwer. Die Landwirtschaft in Deutschland steht von vielen Seiten massiv unter Druck. Die Gesellschaft verlangt höchste Standards, aber will nicht dafür zahlen, politisch Verantwortliche erkennen die Tragweite ihrer Entscheidungen nicht mehr und die aktuellen Marktbedingungen ermöglichen in vielen Bereichen kein ökonomisch nachhaltiges Auskommen.

Trotzdem möchte ich die erfreulichen Erfahrungen und Erlebnisse in den Vordergrund rücken. Ich habe im vergangenen Jahr so viele hoch engagierte Landwirte und Winzer getroffen, wie noch nie während meiner Amtszeit als Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V.

Ich habe die größten Proteste von Landwirten und Winzern seit der Wiedervereinigung erleben und mitgestalten dürfen und dabei zahlreiche neue persönliche Kontakte knüpfen können. Die Branche hat sich bundesweit vernetzt und ist für die gemeinsamen Ziele in beeindruckender Art und Weise auf die Straße gegangen.

Der Berufsstand wurde wieder stärker sichtbar für Politik und Gesellschaft und hat sich an höchster Stelle Gehör für seine berechtigten Anliegen geschafft. Der Zusammenhalt zwischen den verschiedenen Produktionsbereichen und auch der Austausch zwischen den Generationen wurde gestärkt.

Vor diesem Hintergrund möchte ich jedem, der sich im Sinne der Landwirtschaft und des Weinbaus in Rheinhessen und der Pfalz sowie darüber hinaus eingesetzt hat, sehr herzlich danken. Die ehrenamtlich Tätigen in den Gremien des Verbandes, die hauptamtlichen Mitarbeiter in den Geschäftsstellen aber auch alle, die sich außerhalb der etablierten Strukturen bei der Initiative „Land schafft Verbindung“ engagieren, haben vorbildlich und unter großem persönlichen Einsatz für unseren Berufsstand gekämpft.

Im kommenden Jahr gilt es, die Kräfte weiter zu bündeln, um noch schlagkräftiger für die Zukunft unserer Betriebe zu kämpfen. Gemeinsam sind wir stark! Die Agrarpolitik in Deutschland steht am Scheideweg. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem sich die Zukunft des Agrarstandortes Deutschland und damit auch unsere eigene entscheidet.

Das Agrarpaket der Bundesregierung, die erneute Verschärfung der Düngeverordnung, aber auch steigende Auflagen in der Tierhaltung, führen nicht nur zu massiven Einschränkung in vielen Produktionsbereichen, sondern greifen teilweise in Eigentumsrechte ein. Dagegen wehren wir uns. Die derzeitige Agrarpolitik, aber auch der Wunsch in Teilen der Gesellschaft nach einem tiefgreifenden Umbau der Landwirtschaft, werden den Strukturwandel weiter beschleunigen und Importe aus Ländern mit wesentlich geringeren Standards erhöhen. Dies kann nicht im Interesse der Verbraucher in Deutschland sein.

Es gibt derzeit viele Themenbereiche, die uns beschäftigen. Aber das Fass zum Überlaufen gebracht hat das Aktionsprogramm Insektenschutz. Über unsere Köpfe hinweg wurde ein Maßnahmenpaket geschnürt, das weitreichende Konsequenzen für die landwirtschaftliche Nutzbarkeit großflächiger Gebiete hat. Im Vergleich zur Düngeverordnung gab es in diesem Bereich kein Vertragsverletzungsverfahren, keine drohende Anlastung oder entsprechende Forderungen aus Brüssel.

Die Bundesregierung hat es also selbst in der Hand, das Programm noch einmal grundlegend zu überarbeiten – natürlich unter Einbeziehung des Berufsstandes. Biodiversitätsschutz geht nur mit uns und nicht gegen uns. Die vielfältigen Proteste waren ein wichtiges Signal, damit unsere Sorgen endlich ernst genommen werden. Die hohe Teilnehmerzahl hat gezeigt, wie groß der Unmut ist und dass viele Berufskollegen Angst um ihre Existenz und die Zukunft ihrer seit vielen Generationen bewirtschafteten Familienbetriebe haben. Wir können nur hoffen, dass die Politik diese Botschaft verstanden hat und noch rechtzeitig ihren Kurs ändert.

Die Reaktionen in letzter Zeit machen zumindest Hoffnung, dass Bewegung in die Bereiche kommt, deren Verantwortung auf Bundes- und Landesebene liegt. Wir stehen für Gespräche bereit - aber auch für weitere Proteste. Was die Zukunft bringt, kann keiner vorhersagen, aber dass die Herausforderungen im kommenden Jahr nicht kleiner werden, scheint sicher. Allein auf europäischer Ebene stehen mit den Verhandlungen zum Brexit und zur Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2020 sowie der Umsetzung des angekündigten Green Deals drei Großprojekte an, welche auch die Landwirtschaft in Deutschland über Jahre hinweg prägen werden. Unser Einsatz wird also an vielen Fronten wieder erforderlich sein.

Mit Blick auf Weihnachten und den Jahresschluss, wünsche ich Ihnen im Namen des gesamten Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V., aber auch ganz persönlich, schöne, besinnliche Feiertage und eine ruhige, erholsame Zeit zwischen den Jahren. Kommen Sie gut ins neue Jahr, das uns hoffentlich viele positive Ereignisse und eine gute Ernte beschert, vor allem aber bleiben Sie gesund!


Diskussionen zum Artikel

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von Rudolf Rößle

Import

dort gleiche Standards zu verlangen ist Illusion, da viele Länder nicht dazu in der Lage sind. Was eingeführt gehört ist das Fair Trade Siegel für Agrarstaaten, damit die Lebensbedingungen der Landbevölkerung dort besser wird. Menschen werden unmenschlich behandelt. Dort gehört endlich ein Riegel vorgeschoben und die Leute vom Thron gestoßen, die das verhindern wollen.

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