Bauernverbandsstudie

Hat der Landwirt als Ernährer ausgedient? Plus

Der Psychologe Jens Lönneker hat im Auftrag von DBV und WLV untersucht, wie die Corona-Krise die gesellschaftliche Wahrnehmung der Landwirtschaft verändert hat. Hier die Ergebnisse.

Der Landwirt von gestern war Ernährer und Versorger. Der Landwirt von morgen ist hingegen nicht nur Lebensmittelproduzent, sondern sollte vor allem Gestalter einer zukunftsorientierten Landwirtschaft sein. Wenn es der Landwirtschaft gelinge, dieses Bild in der Öffentlichkeit zu vermitteln, ließen sich die anhaltenden Spannungen zwischen der Landwirtschaft und den Verbrauchern abbauen. Das zumindest geht aus einer Studie des Kölner Psychologen Jens Lönneker und der Forschungsagentur „rheingold salon“ hervor. Lönneker soll im Auftrag des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes und des Deutschen Bauerverbandes analysieren, ob die Corona-Krise die gesellschaftliche Wahrnehmung der Landwirtschaft verändert hat und ob sich daraus Chancen für die Landwirtschaft ergeben.

Parallelwelten: Bürger und Landwirtschaft

Die Ergebnisse zeigen, dass sich Verbraucher und Landwirte gegenseitig ein rückständiges, falsches Bild der Landwirtschaft vorwerfen. Die Landwirte beklagen die von Verbrauchern geforderte Bullerbü-Idylle und die gleichzeitig geringe Zahlungsbereitschaft für Lebensmittel. Verbraucher und Politik verurteilen hingegen die vermeintlich nicht nachhaltige Produktion in der Landwirtschaft und fordern einen radikalen Wandel. Diesen, für beide Seiten bequemen, Kreislauf der gegenseitigen Beschuldigungen gelte es zu durchbrechen. „Das kann durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit gelingen“, so Studienleiter Lönneker. Kern der Öffentlichkeitsarbeit müsse sein, eine zukunftsorientierte Landwirtschaft zu vermitteln. Immerhin wünschen sich laut Studie 63 % der Bürger und 64 % der befragten Landwirte eine zukunftsorientierte Landwirtschaft. Nachhaltige Zukunftskonzepte für die Landwirtschaft erreichen Zustimmungswerte von 80 % und mehr. Zwar sehen sich Landwirte gerne in der Position des Ernährers und Versorgers, Verbraucher fühlen sich dadurch jedoch immer weniger angesprochen. „Der Aspekt der Versorgungssicherheit spielt eine untergeordnete Rolle“, sagt Lönneker. Über weitere Erkenntnisse der Studie sprach top agrar mit Jens Lönneker:

Herr Lönneker, Ihre Studie hat zum Ergebnis, dass das klassische Bild des Landwirts als Ernährer und Versorger ausgedient hat. Woran machen Sie das fest?

Lönneker: Nach dem zweiten Weltkrieg waren Wohlstandswachstum und Versorgungssicherheit zentrale...


Diskussionen zum Artikel

von Rudolf Rößle

Städte

sollen 50000 Euro/ ein halbes Hektar in BW bekommen, wenn sie Blumenwiesen anlegen. So sehen gute Geschäftsmodelle aus. Wir sind viel zu bescheiden.

von Hermann Freese

Können Sie das bitte mal mit ein par mehr Worten erklären?

von Hermann Freese

Wieso hat diese Studie keinen Sinn?

Wir Bauern sagen immer, dass die Mehrheit hinter uns sowie unserer Produktion steckt und, dass nur ein kleiner Teil an Schreihälsen einen Umschwung fordert. Dem scheint ja nun nicht ganz so. // Das Volk handelt durch ihre Verterter (Politiker, die es durch Wahlen festlegt) und durch ihr ... mehr anzeigen

von Josef Doll

Der Preis

ist Weltmarkt . Die Bauern in Deutschland sind immer noch laut Künast besser ist als die Eu Bauern und noch besser als die Bauern in der Welt. Da die Anforderungen seit ihrem Abgang immer mehr geworden sind die Preise aber eher dem Weltmarkt entsprechen und unsere Nahrungsmittel nach ... mehr anzeigen

von Wilfried Maser

Unsere Gesellschaft

ist anscheinend schon ganz schön verblödet, wenn sie denkt, für was brauchen wir Landwirtschaft in den Geschäften gibt es ja alles was ich zum leben brauche. In diesem Umfeld gleichen Investitionen einem Lotteriespiel, denn es gibt zur Zeit keine Planungssicherheit. Bis eine ... mehr anzeigen

von Hermann Freese

Wie ich unten schon schrieb: Die Gesellschaft hat damit aber Recht. Es gibt nunmal alles im Supermarkt und wenn auf deutschen Höfen die Lichter ausgehen, wird sich daran auch nichts ändern. Die Welt hat genug Flächen und Möglichkeiten. Deutschland spielt weder bei den Weltmarktpreisen ... mehr anzeigen

von Eckard Wendt

Das Kernproblem ...

... bestand und besteht immer noch darin, daß Mißstände unter dem Deckel gehalten werden oder schöngeredet wurden / werden. Ich denke dabei an die Silo-Sickersäfte, die anfangs nicht ernst genommen wurden und es erst des staatlichen Eingriffs bedurfte. Wie war das noch mit der ... mehr anzeigen

von Josef Schmid

Versorgungssicherheit nicht mehr das Thema

Die Studie sagt Wohlstandswachstum und Versorgungssicherheit seien nicht mehr zentrale gesellschaftliche Themen, der gesellschaftliche Trend der letzten Jahre sei hingegen das Thema der Achtsamkeit. Die Bürger interessieren sich vielmehr dafür, wie wir mit unserer Umwelt, mit Böden und ... mehr anzeigen

von Guido Müller

Kunden?

Herr Schmid, wer sind denn "unsere Kunden", die wir Ihrer Meinung nach "beschimpfen"? Unsere Kunden sind doch, von Hofläden abgesehen, Großabnehmer, die mit der Landwirtschaft direkt nichts mehr verbindet und nur die eigenen Gewinninteressen vor Augen hat.

von Hermann Kamm

Die nächste Wahl

kommt bestimmt, es fragt sich nur ob wir diese Partei wählen die nur Sprüche drauf hat? oder ob wir die Partei wählen, die uns die Wahrheit ins Gesicht spricht.

von Fritz Gruber

Leider

Wird die Landwirtschaft in diesem Land erst geschätzt werden wenns für die meisten von uns zu spät ist was für ein Hohn aber momentan scheinbar politisch gewollt

von Hermann Kamm

Leider,

So kann es nicht weitergehn, ansonsten geht in Deutschland das Licht eher aus als manche vermuten.

von Thomas Schaffner

Hunger

Es wird Zeit, dass dieses dumme Volk wieder lernt, was Hunger ist!!!!

von Hermann Freese

"Diese Zeit" wird für Sie aber auch nicht schön. Ggf. für Ihre Nachkommen, mehr aber auch nicht. Zeiten von Hunger sind nicht nur Zeiten von Hunger..

von Albert Maier

Hauptsache Studie!

Solche Studien sind, mit Verlaub, überflüssig wie ein Kropf! Da war nix dabei, was man nicht ohnehin schon wusste, der Rest inhaltsloses Gefasel. Zum Glück hat die Studie nix gekostet.

von Wilhelm Grimm

Die von Söder glücklich gemachten Volksbegehrer

haben den nicht mehr heilbaren Kampf zwischen Stadt und Land eröffnet und werden ihn auch weiter tragen. In den USA haben die Politiker gleichfalls die Städter hofiert und die Ländlichen ignoriert. Diese Karte hat Trump gespielt. Es kann auch bei uns interessant werden.

von Christian Saltenberger

Wertschätzung

Was hat diese Woche ein LKW - Fahrer zu mir gesagt : Euer Problem ist ,das ihr Dinge erzeugt die keinen Wert darstellen und somit habt ihr auch keine Wertschätzung zu erwarten . Leider hat er es genau auf den Punkt gebracht! Die Dinge in diesem Artikel sind alle richtig aber ich denke ... mehr anzeigen

von Werner Kriegl

Der Verbraucher würde ganz dumm aus der Wäsche schauen!

Wenn alle Landwirte plötzlich ganz "modern" nicht mehr "Ernährer" spielen würden, sondern nur noch "Landschaftspfleger, Tierpension, Gnadenhof und Umweltschutzmanager" spielen würden. Offenbar ist ein Großteil der Verbraucher mittlerweile tatsächlich auf dem "Lila Kuh" Niveau angekommen...

von Hermann Freese

Falsch. Wir produzieren nichts, was nicht wo anderes herkommen würde. Wir sind defacto überflüssig in D. Wenn man nun auf eine nationale Versorgungssicherheit Wert legt, DANN werden wir überhaupt nur gebraucht.

von Birgit Köbe

Hat der Landwirt als Ernährer ausgedient?

Das Ergebnis der "Studie" hätte jeder Landwirt schon im Vorfeld schreiben können. Wann aber soll denn jeder Bauer diese zusätzliche, selbstverständlich unbezahlte, Aufklärungsarbeit noch leisten? Es sind schon jetzt alle am Limit, dafür gäbe es doch eigentlich den Bauernverband... ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Der direkten ÖFFENTLICHKEITSARBEIT mit Trecker und Fahrrad sind enge Grenzen gesetzt.

Dafür haben wir die Medien. Aber die schreiben und senden, was die jeweiligen Parteien ihnen in die Feder diktieren. "GEKAUFTE JOURNALISTEN" hat Udo Ulfkotte dazu geschrieben.

von Hermann Freese

JA

JA gekauft. Aber nicht durch Diktat - das ist nicht kaufen. Journalismus ist mit Geld gekauft. Mit Werbung. Die Presse würde uns lange nicht so angehen - wenn überhaupt - wenn wir die Medien durch Werbeschaltung kaufen würden. Aber nein, WIR wollen das umsonst. Nur weil wir es für ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

Welch eine Studie!!!

Wer meine bisherigen Kommentare kennt, der weiß, daß ich für diese Erkenntnis diese Studie nicht gebraucht hätte. Aber sie bestätigt mich nur in meiner eigenen Erkenntnis und Einstellung. Lönneker hat in vielen Sachen recht, aber er redet sich auch wieder leicht. Wie z.B. "es ... mehr anzeigen

von Klaus Fiederling

Was ist eine solche Studie dem einzelnen zahlenden Verbandsmitglied wert!?

Wo gibt es noch einen weiteren deutschen Industriezweig, in Reihen dessen die Kundenwünsche derart mit Füßen getreten werden!? // Solange im Unterbewusstsein eines jeden Kunden vor unseren prall gefüllten Discounterregalen die eigene Versorgungssicherheit nicht in Frage gestellt ist ... mehr anzeigen

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