Polen preschen vor

Hitze und Algenblüte laut Polen Auslöser von Oder-Fischsterben

Polen und Deutschland veröffentlichen nach Streit keinen gemeinsamen Bericht zu den Ursachen des Fischsterbens in der Oder. Die Polen machen den Anfang und sehen die Schuld im heißen Sommer.

Wissenschaftler aus Polen haben ihre Untersuchungsergebnisse zum Fischsterben in der Oder veröffentlicht. Danach soll – wie schon vermutet - eine Algenblüte Auslöser für die Katastrophe im August gewesen sein. Die Pflanzen hätten eine toxische Wirkung gehabt, so die Gruppe von 49 Wissenschaftlern aus 14 Forschungsinstituten. In 78 % der genommenen Wasserproben hätten sie Prymnesium parvum nachgewiesen, meldet die Tagesschau.

Dazu beigetragen hat offenbar der Hitzesommer 2022 mit extrem wenig Regen. Der Wasserstand in der Oder sei sehr niedrig und die Wassertemperatur zeitweise mit 27 Grad sehr hoch gewesen. Durch das niedrige Wasser sei gleichzeitig die Salzkonzentration gestiegen. So habe die Alge Bedingungen gefunden, die es ihr ermöglichten, sich zu entwickeln.

Nicht abgesprochen - Schützt Polen seine Wirtschaft?

Damit gibt es aber neuen Zoff zwischen Deutschland und Polen. Denn der polnische Bericht ist nicht abgesprochen mit der deutschen Seite. Also wird es am Freitag auch einen deutschen Bericht geben, der evt. eine andere Sicht hat, meldet der Spiegel.

Ursprünglich hatte sich Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) mit ihrer polnischen Amtskollegin Anna Moskwa von der nationalkonservativen Pis-Partei auf einen gemeinsamen Bericht geeinigt. Die Stimmung sei schlecht und schon lange nicht mehr kollegial, heißt es.

Zwar sieht auch die deutsche Seite die Algen in der Verantwortung, dafür brauche es aber enorme Mengen Salz. Und die könnten nur durch industrielle Einleitungen entstehen. Daher sei das die eigentliche Ursache.

Greenpeace: "Bergwerke leiten Salz ein!"

Auch polnische Umweltschützer wollen die Ergebnisse ihrer Regierung nicht so einfach akzeptieren. Sie machen Salzeinleitungen der polnischen Bergbauindustrie für das massenhafte Fischsterben verantwortlich und verweisen auf eigenen Wasserproben.

Die höchsten Salzwerte fanden sich laut Greenpeace an einem Rückhaltebecken des Bergbaukonzerns KGHM in Gmina Polkowice (Woiwodschaft Niederschlesien). Dort sei ein Salzgehalt gemessen worden, der 40-fach über dem für Süßwasser empfohlenen Werten liegt. Die Vermutung liegt also nahe, dass die populistische Regierung Verstöße der Wirtschaft unter den Tisch kehren will - Umweltschutzauflagen sind unpopulär und teuer.

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