Demo in Nürnberg

Hoeneß stellt sich Bauernprotest: Darum ist eine präzise Herkunftsangabe nicht möglich

Bauern haben am Montag vor der Hoeneß-Wurstfabrik in Nürnberg protestiert. Sie fordern bessere Preise und eine regionale Herkunftskennzeichnung. Warum das nicht geht, erklärte der Firmenchef.

Am Montagmorgen haben etwa 30 Landwirte vor der HoWe Wurstwaren KG in Nürnberg gegen den Verfall des Schweinepreises und für eine genaue Herkunftskennzeichnung des Fleisches demonstriert.

Die mittelfränkischen Landwirte fordern eine Herkunftskennzeichnung auf der Verpackung. Für den Verbraucher solle ersichtlich sein, wo das Tier geboren und aufgewachsen, wo es geschlachtet und verarbeitet worden sei. Die Herkunftskennzeichnung solle für Fleisch, Eier und Milch gelten.

Laut Bayerischem Rundfunk prangerten die Landwirte außerdem immer höhere Auflagen von der Politik bei immer weniger Geld an. Der Preisverfall gerade bei Schweinefleisch sei eklatant und existenzbedrohend, sagte ein Sprecher von Land schafft Verbindung. In Deutschland würden die Standards hochgefahren, gleichzeitig aber Fleisch aus dem Ausland importiert, das diesen Standards nicht entspreche.

Bauern im Gespräch mit Hoeneß

Bauern im Gespräch mit Hoeneß (Bildquelle: LSV Mittelfranken/United European Farmers)

Hoeneß hält QR-Code für gut

Geschäftsführer von HoWe Wurstwaren, Florian Hoeneß, zeigte sich gesprächsbereit. Er kam zu den Demonstranten und sprach mit den Landwirten über ihre Probleme. Hoeneß betonte hinterher, er habe eine sehr vernünftige Diskussion mit den Landwirten geführt. Solange man miteinander rede, gebe es Möglichkeiten. Sobald man übereinander rede, werde es schwierig.

Hoeneß verwies laut BR auf den QR-Code auf jeder Packung seiner Nürnberger Rostbratwürste. Wer wissen wolle, woher das Fleisch komme, könne den Code scannen. Er habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er zu 80 % Fleisch aus Deutschland und zu 20 % Fleisch aus Dänemark für seine Wurstwaren verwende. Ein Unternehmen müsse auch immer flexibel bleiben und dürfe sich keinem Markt verschließen.

Das zeige sich zum Beispiel im Fall der Afrikanischen Schweinepest, so Hoeneß: "Wenn ich in Dänemark gar nichts kaufen würde, dann könnte ich den ganzen Export in die Länder, wo ASP-freies Fleisch sein muss, gar nicht mehr machen. Und deswegen arbeiten wir schon seit jeher, schon von Anfang der 1990er-Jahre an, mit den Dänen zusammen“, zitiert ihn der BR.

Bauernprotest

Blockade auf der Donaustraße (Bildquelle: LSV Mittelfranken/United European Farmers)

Präzise Herkunftsangabe nicht praktikabel

Die Forderungen der Landwirte nach einer genauen Herkunftskennzeichnung sei für ihn schwierig umzusetzen. Auf seinen Wurstverpackungen müsste dann pauschal "Fleisch aus der EU" stehen, und das halte er für nicht sinnvoll. Aus seiner Sicht ist eine Kennzeichnung per QR-Code transparenter, zumal man im Jahr 2020 von interessierten Verbrauchern erwarten könne, einen QR-Code abzuscannen oder diesen Code im Internet einzugeben. Ersichtlich werde dann, wo das Tier geschlachtet und wo es zerlegt worden sei. Verarbeitet werde es stets in Nürnberg.

Beim Preisverfall von Schweinefleisch säßen die Landwirte und er in einem Boot, so Hoeneß. Es müssten alle in der Lieferkette verdienen. Und mit 1,27 € oder auch 1,50 € pro Kilo Schlachtschwein könne ein Landwirt nichts verdienen.

Bauernprotest

Blockade am Nebeneingang (Bildquelle: LSV Mittelfranken/United European Farmers)

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vor von Christina Lenfers

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Diskussionen zum Artikel

von Karlheinz Gruber

Ich habe vorgestern mit einem Metzger gesprochen

dabei kamen wir auf die massive Preissenkung beim ASP ausbruch. Er sagte mir, daß sein Schlachtbetrieb, wo er die Hälften kauft, nicht die vollen 37 Cent im Preis runter gegangen ist, sondern nur um 15 Cent. Begründung. Jetzt kostet der Konveskat und der Rest so viel, dadurch kann er ... mehr anzeigen

von Hermann Helmers

was soll das bringen

vielleicht habe ich eine andere Meinung dazu. Was hat uns QS, Herkunftsnachweise und so ein Blödsinn gebracht... Mehr Arbeit und schlechtere Preise... Aber wir sind so blöd und lassen uns von Bauern die ihren Beruf nicht mehr ausüben, kontrollieren. Verdienen werden nur der wahnsinnige ... mehr anzeigen

von Rudolf Rößle

Allgemein

müssen Geschäftsbeziehungen durchleuchtet werden und es muss Druck nach oben ausgeübt werden. Wir sind immer noch viel zu passiv.

von Martin Schmidt

Nürnberger Würstchen

Sollten schon aus mittelfränkischem Schweinen hergestellt werden. Alles andere in Irreführung der Verbraucher.

von Wilhelm Grimm

Wenn jeder wieder zu Weihnachte sein Hausschwein schlachtet,

dann ist es sehr wohl möglich.

von Gerhard Steffek

Vorstellungskraft!!!

Man stelle es sich mal vor - in Berlin, Hamburg, Ruhrpott und und und, würde ein jeder Haushalt sich ein Schwein halten und Schlachten... __ __ Wie sähe das in so manchem Haushalt mit der "artgerechten Haltung" aus. Zumindest wäre dieses Thema dann schnell vom Tisch... Wie heißt es so ... mehr anzeigen

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